Ein Stück von Tod und Trauer

Foto: FUNKE Foto Services

Die zweite und vorerst letzte Vorstellung des Stückes „Hippocampus“ lief am Wochenende in den Flottmann-Hallen. Das 45 Minuten kurze Stück handelte von einem jungen Mann, der seine beste Freundin verlor. Sie war an Krebs erkrankt und hatte ihm niemals etwas davon gesagt. Das Werk erzählte von der Trauer des jungen Mannes, eindrucksvoll gespielt von Sefa Küskü, von der Art und Weise, wie er mit dem Thema Tod umgeht.

Regisseurin Greta Schareck entschied sich für einen außergewöhnlichen Beginn der Geschichte: Küskü lief auf der Bühne hin und her und spracht mal mit sich selbst, mal mit seiner bereits verstorbenen Freundin, die auf einem weißen Sarg saß. Der Zuschauer lernte das Paar erst später durch die erzählten Erinnerungen Sefa Küsküs kennen: Wie sie in der Stadt nach dem Eis essen Bauchschmerzen vom Lachen bekamen. Wie sie dienstags immer zusammen kochten und dabei einmal fast die Wohnung abfackelten. Wie sie das erste Mal gemeinsam betrunken waren, wie sie zusammen seinen Geburtstag feierten. Alles bittersüße Erinnerungen, die den Zuschauer berührten.

Vor allem aber fielen die zahlreichen stillen Momente ins Gewicht, die sich im Stück auch mal hinzogen. Das lag wohl daran, dass der Text der Schauspielerin weggekürzt werden musste. Der Grund: „Eine Woche vor Beginn der Proben sagte unsere Schauspielerin ab. Die zweite Schauspielerin, Zeynep Topal (21), konnte aus zeitlichen Gründen nicht immer an den Proben teilnehmen, daher wurde ihr Text gestrichen“, so Schareck. So wurde aus dem zwei-Personen-Stück letztlich ein Ein-Personen-Stück. Denn Zeynep Topal ist zwar auf der Bühne anwesend, spricht aber nicht. Getragen wird „Hippocampus“ allein durch den 18-jährigen Küskü.

Den Text entwickelte Greta Schareck im Zuge ihres „freiwilligen sozialen Jahres Kultur“ beim Theater Kohlenpott. Alles in allem ist es ein gelungenes Erstlingswerk, das jeden, der schon einmal mit dem Tod eines geliebten Menschen konfrontiert wurde, besonders berührt und immer wieder für Gänsehaut sorgt. Küskü schreit wiederholt, warum seine Freundin ihm nichts von ihrer Erkrankung gesagt habe, warum er nicht für sie da sein durfte. Für einen so jungen Schauspieler ist er in den gespielten Emotionen sehr facettenreich und überzeugend.

Wie Greta Schareck dazu komme, ein derart trauriges Stück als erstes Werk zu realisieren, erklärte sie so: „Das ist ein Thema, das in dieser Art noch nicht bearbeitet wurde und bei dem auch Erwachsene ihre Gefühle unterdrücken.“ Sie habe sich für das Stück an den fünf Trauerstadien nach Elisabeth Kübler-Ross orientiert, so die 21-Jährige. Im Oktober nimmt die Regisseurin ihr Studium der Theaterwissenschaften auf.

 
 

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