Eigene Gruft unter dem Altar

Foto: WAZ FotoPool
Die Kapelle am Schloß Strünkede ist das älteste Gebäude Hernes. Heute ist das Gotteshaus bei Hochzeitern beliebt.

Herne.. Direkt neben dem gigantischen Schloß Strünkede im gleichnamigen Park steht ein kleines, eher unscheinbares Gebäude. Die Schlosskapelle ist zwar nicht besonders groß, kann aber eine Geschichte bis ins Jahr 1272 aufweisen.

Eine schwere Holztür versperrt den Eingang. Dieser ist gerade einmal so hoch, dass sich mancher schon bücken muss, um passieren zu können. Der Eintritt ist nur mit besonderer Genehmigung durch die Stadt Herne gestattet. Denn hinter der Holztür verbirgt sich das besondere Kleinod aus der Zeit der Ritter und Könige. Bernd von Strünkede ließ die kleine Kapelle 1272 für die Bewohner der Burg Strünkede als Gotteshaus errichten. Auf jeder Seite stehen acht Bankreihen in der gerade einmal knapp 80 Quadratmeter großen Kapelle.

Durch die sorgfältig bemalten Fenster fällt das Sonnenlicht in bunten Flecken auf den steinernen Boden. An den Wänden wurden Malereien aus dem Mittelalter erhalten und die Schlusssteine des Gewölbes zeigen die Wappen der Familie von Strünkede und ihrer Lehnsherren. Der Baustil stammt aus dem 14. und 15. Jahrhundert. Der Bogen über dem Altar weist auf einen gotischen Einfluss beim Baustil hin.

Dass die Kapelle architektonisch von ihrem Baujahr abweicht, lässt sich auf die im Laufe der Jahre häufigen Restaurierungen und früheren Umbauten zurückführen. Gabriele Wand-Seyer, stellvertretende Museumsleiterin des Emschertal-Museums, weiß um den symbolischen Wert der Schlosskapelle. Einige Brautpaare wurden in dem kleinen Gotteshaus schon getraut. „Es ist einfach ganz gemütlich und privat hier. Da wird eine Hochzeit sehr besonders“, meint Wand-Seyer.

Ein Blick hinter den Altar lohnt sich nicht nur wegen der zahlreichen Spinnenweben und der Zeitschaltuhr, die das Glockenspiel steuert, sondern auch wegen der beiden großen Flaschen Messwein und den zu Stapeln gehäuften, langen weißen Kerzen. Ein wenig ehrfürchtig kann man beim Anblick der sonnenbeschienenen Kapelle schon werden. Vor allem, wenn man merkt, dass man auf einer Gruft steht. Denn unter dem Altar der Schlosskapelle sind die Familienmitglieder derer zu Strünkede begraben.

Auf dem Boden vor dem Altar sind noch die runden, eisernen Griffe zu sehen, mit denen man eine Platte anheben kann, um in die Gruft zu gelangen. Gabriele Wand-Seyer erzählt: „1535 wurde hier das letzte Familienmitglied zu Grabe getragen. Wahrscheinlich gab es dann keinen Platz mehr für die restliche Familie.“ Diese edlen Damen und hohen Herren wurden danach in der Kirchspielkirche beigesetzt.

Heutzutage steht die Kapelle neben Hochzeiten auch für Gottesdienste und Konzerte zur Verfügung. Im Strünkeder Sommer 2010 sang in der Schlosskapelle die Sopranistin Jessica Burri. Aber auch wenn das Gotteshaus einfach nur still neben dem Museum und dem großen Schloß steht, verfehlt es seine Ehrfurcht einflößende Wirkung nicht.

 
 

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