Ehemann ersticht neunfache Mutter - 13 Jahre Haft wegen Totschlags

Redaktion
In diesem Haus war die ermordete neunfache Mutter gefunden worden.
In diesem Haus war die ermordete neunfache Mutter gefunden worden.
Foto: Franz Luthe/WAZ Fotopool
Im Prozess um den gewaltsamen Tod der neunfachen Mutter aus Wanne-Eickel ist der Ehemann zu 13 Jahren Haft wegen Totschlags verurteilt worden. Der 37-Jährige hatte gestanden, seine Frau nach einem Streit erstochen zu haben. Während der Urteilsbegründung zeigte der Täter keine Emotionen.

Herne. Der Tod kam ohne Vorwarnung: Vor acht Monaten wurde die neunfache Mutter Ulla K. aus Herne von ihrem Ehemann erstochen. Am Mittwoch wurde der 37-Jährige zu 13 Jahren Haft verurteilt.

Zwei Nachbarinnen hatten den Todesschrei der 38-Jährigen vom Hausflur aus gehört. „Es war wie der Schrei eines Papageis“, sagte eine der Frauen später vor dem Bochumer Schwurgericht. Ulla K. hatte keine Chance. Ihr Mann Sascha hatte ihr die Klinge eines Küchenmessers direkt ins Herz gerammt.

Urteil entspricht dem Antrag der Staatsanwaltschaft

Während der Urteilsbegründung zeigte der Herner keine Emotionen. Er drehte den Zuhörern den Rücken zu, stützte seinen Kopf auf seinen angewinkelten Arm. Nur einmal beugte er sich zu seinem Verteidiger herum, tuschelte ein paar unverständliche Worte. Überrascht kann der 37-Jährige nicht gewesen sein. Das Urteil entspricht dem Antrag der Staatsanwaltschaft.

Wie viel Leid der Hobby-Autoschrauber schon früher über die neun Kinder seiner Frau gebracht hat, war erst im Laufe des Prozesses herausgekommen. Zwei seiner Stieftöchter wurden von ihm entjungfert, im Urteil war von über 200 Missbrauchstaten die Rede.

Mädchen in ständiger Angst

Hauptopfer war das älteste Mädchen, heute 15 Jahre alt. „Es lebte in der ständigen Angst, schwanger zu werden“, sagte Richter Josef Große Feldhaus. „Was sie den zwei Mädchen angetan haben, wie schwer sie sie an der Psyche geschädigt haben, das kann man mit menschlichen Maßstäben nicht wieder gutmachen.“ Das Gericht geht davon aus, dass die schweren seelischen Verletzungen ein Leben lang anhalten werden.

Inzwischen sieht es sogar fast so aus, als ob der Angeklagte die zur Tatzeit noch 14-Jährige zu seiner neuen „Frau“ erkoren hatte. Nur wenige Stunden nach dem Tod der Mutter hatte er das Mädchen mit in die Stadt genommen, um Ohrringe und Schuhe zu kaufen. Außerdem kam es noch fünf Mal zu sexuellen Übergriffen – bis zum Geschlechtsverkehr.

Auslöser des tödlichen Streits

Fraglich ist, wie viel die Mutter davon schon geahnt hat. Im Urteil hieß es dazu nur: „Es liegt nahe, dass sie davon wusste.“ Vielleicht sei das sogar der Auslöser des tödlichen Streits vom 21. September gewesen.

Die Leiche hatte Sascha K. entkleidet, mit Müllsäcken umwickelt und in einem Abrisshaus abgelegt. Dort war sie rund einen Monat gefunden worden. Seinen Kindern und Stiefkindern hatte er zuvor gesagt: „Die Mama hat uns verlassen. Die hat einen neuen Mann.“