Diskussion über „WAN“-Kennzeichen

Jennifer Kalischewski
Foto: Labus / WAZ FotoPool
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Foto: Winfried Labus / WAZ FotoPool

Wanne-Eickel. Am WAZ-Mobil ging’s am Dienstag um die Rückkehr zu alten Nummernschildern. Experten diskutierten auf der Hauptstraße.

Da liegen sie in der Wanner Fußgängerzone: CAS, WAT, natürlich WAN und noch viele mehr – die alten Kfz-Kennzeichen. Horst „Hotte“ Schröder hat sie mitgebracht zum WAZ-Mobil. Dort diskutiert WAZ-Redaktionsleiter Michael Muscheid mit dem Wanne-Eickeler Musiker, Stadtsprecherin Silke Bender und dem Heilbronner Hochschullehrer Prof. Ralf Bochert über die „Initiative Kennzeichenliberalisierung“, eine mögliche Wiedereinführung des WAN-Kennzeichens und darüber, warum so manches Herz am alten Kennzeichen hängt.

Trotz der Hitze haben sich WAN-Anhänger und Neugierige vor der Christuskirche versammelt, um der Diskussion zu folgen. Denn das Thema – das war schnell klar – bewegt noch immer viele Wanne-Eickeler Gemüter.

Den aktuellen Stand der Dinge erläutern Silke Bender und Prof. Ralf Bochert: Das Bundesverkehrsministerium hatte den Vorschlag zur Kennzeichenliberalisierung, also die Möglichkeit, zum alten Kfz-Kennzeichen zurückzukehren, eingebracht. Um die jetzt geltende Verordnung zu ändern, müsste der Bundesrat dem Vorschlag zustimmen. Lehnt der Bundesrat den Vorschlag nicht ab, läge die Entscheidung zur Kennzeichenliberalisierung in der Hand der Bundesländer. „Eine Entscheidung ist erst im Frühjahr 2012 zu erwarten“, so Bochert.

In seiner Studie hat der Wissenschaftler 25 000 Menschen in 111 Städten befragt, ob sie sich die Rückkehr zum alten Kennzeichen wünschen. Dabei sei herausgekommen, dass fast drei Viertel aller Befragten die Rückkehr befürworteten. Einer, der das alte Kennzeichen ebenfalls zurück will, ist Hotte Schröder. „Ich bin 100-prozentig für das WAN“, bekennt der Musiker: „Wir haben so viel zu bieten hier in Wanne-Eickel, das wollen wir nach außen tragen.“

Silke Bender kann die „lokale Liebe nachvollziehen“, befürchtet aber „Probleme bei der Umsetzung“. So müsste das WAN-Kennzeichen für ganz Herne freigegeben werden, beispielsweise auch für Autofahrer aus Sodingen. „So hätte man eine bunte Mischung. Das würde doch die Eindeutigkeit und Zuordnung verwischen“, sagt sie. Der Wissenschaftler kann da nicht zustimmen. „Es ginge doch keine Information verloren. Man hätte nur einfach zwei Kennzeichen für eine Stadt“, so der Hochschullehrer.

Derzeit fahren von den insgesamt 84 899 zugelassenen Fahrzeugen im Herner Stadtgebiet noch 34 mit Wanner Kennzeichen herum. Lediglich acht davon sind normale Pkw, der Rest Motorräder, Anhänger oder Sonderfahrzeuge. Das WAN-Kennzeichen muss abgelegt werden, sobald das Fahrzeug nach außerhalb des alten Wanne-Eickeler Stadtgebiets verkauft wird: „Oder eben, wenn der Besitzer stirbt, aber daran wollen wir ja gar nicht denken“, so Bender.

Und was würde es kosten, könnte man seinen Pkw auf ein WAN-Kennzeichen ummelden? Eine Umkennzeichnung inklusive Wunschkennzeichen-Gebühr läge bei 37,60 Euro. Zusätzlich wären 30 Euro für neue Schilder fällig.

Karlheinz Matißik (76), einer der Diskussionsteilnehmer am WAZ-Mobil, möchte vor allem, dass Wanne-Eickel wieder die Stadt Wanne-Eickel ist. „Dann spielen auch die Kosten für das Kennzeichen keine Rolle.“

Und dass der Wunsch zum WAN keine Altersfrage ist, beweisen Kevin Kamphausen (32) und Eva Kowalczyk (24). „Wir haben vor kurzem ein Auto gekauft, aber da ging’s mit dem WAN-Kennzeichen leider noch nicht“, sagt Kevin Kamphausen mit viel Patriotismus: „Ich würd’s auch nehmen, wenn’s 100 Euro kosten würde.“