Dirk Schlichting aus Herne baute in Ebensee „Stiegenmuseum“

Das Museum Ebensee im Hintergrund und sein kleiner Bruder, das Stiegenmuseum, gebaut von dem Herner Künstler Dirk Schlichting.
Das Museum Ebensee im Hintergrund und sein kleiner Bruder, das Stiegenmuseum, gebaut von dem Herner Künstler Dirk Schlichting.
Für das „Festival der Regionen“ hat der Künstler eine funktionslose Treppe auf einer Verkehrsinsel eingehaust. So entstand eine Museumsinsel.

Herne..  Im Kulturhauptstadtjahr strandete ein hölzernes Schiff in der Städtischen Galerie im Schlosspark. Nur das Heck ragte aus dem Fachwerkhaus, im Inneren durchdrang der Schiffskörper die Räume im Erdgeschoss. Bootsbauer war der Herner Künstler Dirk Schlichting, er schuf die spektakuläre Installation, 16 mal fünf Meter groß, für die Ausstellung Liquid Area. Fünf Jahre liegen zwischen dem Schiff und Schlichtings neuester Installation. Er hat der österreichischen Gemeinde Ebensee am Traunsee ein „Stiegenmuseum“ gebaut. Bis September ist es noch zu besichtigen.

„Das war eine sehr intensive Zeit mit ,Extremhackeln’ beim Aufbau des Stiegenmuseums Ebensee und gleichzeitig sehr vielen schönen menschlichen Begegnungen“, resümiert der in Eickel lebende Künstler nach seiner Rückkehr aus Oberösterreich die Wochen in dem 8000- Einwohner-Ort, der in diesem Jahr Schauplatz des „Festivals der Regionen“ war. „Hackeln“ nennt der Österreicher, was im Ruhrgebiet Malochen heißt. „Schichtwechsel - Hackeln in Ebensee“ war das Festival Ende Juni überschrieben.

Absurde Situation

Vorab hatte sich Schlichtig in Ebensee auf die Suche nach einem Bezugsort begeben und war auf eine absurde Situation gestoßen: In der Unterführung vom See zur Stadt gab es einen Treppenaufgang, der auf eine Verkehrsinsel führte - eine funktionslose Stiege. Für Schlichting, der in den letzten Jahren immer wieder ortsbezogen gearbeitet hat, stand fest: Aus der Verkehrsinsel sollte eine Museumsinsel werden. „Die Einhausung des Ortes und Umwidmung zum musealen Bereich gibt dem Ort Funktionalität“, erklärt er. „Gleichzeitig wird die absurde und banale Situation überhöht.“ Wie ein Ableger des Ebenseer Museums sollte sein Stiegenmuseum wirken, „Es sollte so aussehen, als hätte es immer hier gestanden“, sagte er dem freien österreichischen Sender Dorf TV, das dem deutschen Künstler ein halbstündiges Interview widmete.

Anfang Juni reiste Schlichting mit 3,5 Tonnen Material am Festivalort an. Die Wände und die Walmdachkonstruktion hatte er monatelang in seinem Dortmunder Atelier vorbereitet. Jetzt galt es, das Haus um die Stiege herum zu bauen. „Ich hatte noch nie so einen lauten Arbeitsplatz wie auf dieser Verkehrsinsel“, sagt Dirk Schlichting. Auch der Innenraum mit der Stiege als einzigem Exponat bekam ein neues Gesicht. Schlichting belegte ein Mittelpodest mit Blattgold aus Thailand, das sich trotz reger Benutzung weniger schnell abtrug als erwartet.

Nach der Verlängerung über den Festivalzeitraum hinaus bleibt vom Stiegenmuseum nichts übrig. „Das ist nur für einen Ort.“ Es sei denn, jemand möchte sich das Haus in den heimischen Garten stellen. Der Künstler hätte nichts dagegen.

Das Festival der Regionen ist eines der bekanntesten und profiliertesten Festivals der zeitgenössischen Künste in Österreich. Seit 1993 findet es alle zwei Jahre an wechselnden Orten und Regionen in Oberösterreich statt.

Dirk Schlichting ist 1965 in Düsseldorf geboren. Er ist ausgebildeter Steinmetz und hat an der Kunstakademie Münster studiert. Schlichting lebt und arbeitet in Herne und Dortmund

Frühere Arbeiten: 2012 „...erwartet“ in der Bochumer Christ-König-Kirche: Eine Kirche wird zum Hotel mit einem langen Flur, einem Teppich und Zimmertüren. 2010 „schrankenlos“ im Bochumer Westpark: 50 rot-weiße Schlagbäume ragen wie Mikadostäbe aus einem Schrankenwärterhäuschen. Dirk Schlichting arbeitet vor allem orts- und themenbezogen, in Räumen und mit Licht.

Mehr Informationen und Bilder zu seinem künstlerischen Schaffen auf www.dirkschlichting.de

 
 

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