Diese Italienerinnen treten bei Roncalli auf

Alexandra und Kelly Saabel (v.l.) stehen auf dem Balkon, direkt vor ihrem Wohnzimmer.
Alexandra und Kelly Saabel (v.l.) stehen auf dem Balkon, direkt vor ihrem Wohnzimmer.
Foto: FUNKE Foto Services
Die Saabel-Schwestern sind beim Zirkus groß geworden. Mit ihrem Caravan und dem Rest der Familie reisen sie durch ganz Europa

Herne..  Als Roncalli anrief, konnte Alexandra Saabel ihre Tränen nicht zurückhalten. Vor Freude versteht sich. „In diesem berühmten Zirkus aufzutreten, war immer mein Traum“, sagt die 26-Jährige, die schon fertig geschminkt für die nächste Vorstellung in ihrem „Wohnzimmer“, einem Wohnwagen auf dem Roncalli-Gelände, sitzt.

Mama, Papa und die jüngste Schwester wohnen nebenan, mit Schwester Kelly (18) teilt sie sich Sofa, Herd und ein Stockbett. So gehört es sich für eine italienische Zirkusfamilie. Klar, dass da auch mal die Fetzen fliegen. „Das ist manchmal schon schwierig mit uns beiden“, sagt Alexandra und lacht.

Das Reisen macht ihr Spaß

Die Artistin ist im Zirkus groß geworden. Seit vier Generationen sind die Saabels dabei. In ganz Europa ist die Familie unterwegs gewesen. „Ich habe Freunde auf der ganzen Welt“, sagt Alexandra, die im Zirkus auch ihren Freund kennengelernt hat. Der tritt gerade in Tunesien auf. Das viele Reisen macht Alexandra Spaß. „Ich habe schon den Eiffelturm aus meinem Wohnwagen gesehen!“ Und länger als ein Jahr hat sie es auch noch nie an einem Ort ausgehalten. „Das ist mir zu langweilig.“

Doch einfach war die Reiserei nicht immer: „In Italien habe ich jede Woche die Stadt gewechselt. Mit der Schule war das echt schwierig.“ Trotzdem – der Zirkus ist ihr großer Traum. Schon als Kind trainierte sie, um später einmal mit den Großen in der Manege stehen zu können.

Zirkus ist ein Vollzeitjob

Am Balkon des Wohnwagens hängen schon ein paar Ostereier. Drinnen: Teppichboden, eine moderne Küche und zwei Nähmaschinen, die Kostüme der Familie schneidert Alexandra selber. „Am Anfang war das nur mein Hobby, jede Frau mag schöne Kleider.“ Heute verbringt sie viel Freizeit vor der Nähmaschine oder dem dicken Zeichenbuch.

In der Ecke steht ein kleiner Tischbrunnen, daneben eine Buddhafigur. Die Saabel-Schwestern sind Buddha-Fans. „Wir brauchen das zur Entspannung“, sagt Kelly. Noch entspannender ist das gemeinsame Essen. Pizza, Spaghetti, Tiramisu – „bei uns ist immer etwas los. Wir sind Italiener, das ist ganz normal!“

In der Manege treten die beiden als Schlangenfrauen auf. Aber auch bei der Familiennummer mit Pferden und Hunden sind die beiden dabei - ein Vollzeitjob. Der Tag beginnt früh, endet meist spät. Vier Jahre müssen allein die Pferde dressiert werden, damit sie auftreten können. Und auch die Hunde brauchen viel Aufmerksamkeit. Für immer möchte Alexandra nicht beim Zirkus bleiben. Doch jetzt freut sie sich erstmal auf die Deutschlandtour mit Circus Roncalli. „Vielleicht mache ich ja noch ein Jahr hier mit...“

EURE FAVORITEN