Die Suche nach Sex mit viel Liebe

Foto: Theater Kohlenpott
Foto: Theater Kohlenpott
Theater Kohlenpott und Junges Ensemble Stuttgart feierten eine gelungene Premiere des Stücks „Superhero“.

Donald Delpe ist 14 Jahre alt. Und er findet das Leben manchmal ganz schön anstrengend. Und als ob die Pubertät mit all ihren Irrungen und Wirrungen noch nicht genug wäre, hat Donald noch mit einer anderen Sache zu kämpfen. Donald hat Krebs.

Das Stück „Superhero“ vom Neuseeländer Anthony McCarten, das das Theater Kohlenpott mit dem Jungen Ensemble Stuttgart (JES) auf die Bühne bringt, ist eines nicht: pathetisch. Schnell umschaltend, mitunter schreiend komisch, nachdenklich, zärtlich, wenn auch stellenweise bedrückend, kommt die Geschichte um Donald, dargestellt vom brillanten Alexander Redwitz, daher. Dabei sprachlich oft sehr explizit, mitunter etwas übersexualisiert. Was nicht verwundert, immerhin hat Donald vor allem eine Angst: zu sterben, ohne je Sex gehabt zu haben.

Gezeichneter Superheld

Donalds Superhero ist Miracleman, eine Comicfigur, dessen Geschichte er in ein Buch zeichnet, das er ständig bei sich trägt. Miracleman hat all die Eigenschaften, nach denen Donald trachtet – und vor allem hat er ein Mädchen – Rachel. Was Donald nicht bewusst zu sein scheint, bemerkt der Theaterzuschauer schnell: Der Superheld hat in Wahrheit viel mit seinem Erfinder gemeinsam. Miracleman kämpft gegen den Schurken Gummi-Finger, der im Ärzte-Kittel daher kommt, Donald hadert mit seinem behandelnden Onkologen. Die Verquickung beider Geschichten ist eindrucksvoll: Umgesetzt auf einer Leinwand, die sich in das Bühnenbild einfügt. Auf ihr werden während des Stücks live Comics skizziert, die die Szenen komplementieren.

Die vier wunderbar vielseitigen Darsteller – neben Redwitz Friederike Pöschel als überbesorgte Mutter Renata, Florian Stiehler als Vater Jim und Gerd Ritter als klinischer Psychotherapeut Dr. Adrian King – fungieren gleichzeitig alle als Erzähler.

Extra empfehlenswert

In einigen Szenen schlüpfen sie in Nebenrollen und werden gar Teil des Bühnenbilds, das insgesamt sehr reduziert gehalten ist, was der Aufmerksamkeit für inhaltliche Details zu Gute kommt. Wer im Stück am Ende zum realen Superheld avanciert, soll an dieser Stelle unerwähnt bleiben. Und auch, was es heißt, „näher zum Fenster“ zu rücken. Nur so viel: Hier geht es zentral gar nicht um Sex. Es geht um Liebe. Prädikat: Besonders empfehlenswert.

 

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