Die Macht der Metropole

Ein Plädoyer für eine Metropole Ruhrhielt Gelsenkirchens Oberbürgermeister Frank Baranowski auf dem Parteitag der Herner SPD.Foto: Joachim Kleine-Büning/WAZ Fotopool
Ein Plädoyer für eine Metropole Ruhrhielt Gelsenkirchens Oberbürgermeister Frank Baranowski auf dem Parteitag der Herner SPD.Foto: Joachim Kleine-Büning/WAZ Fotopool
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Herne. Die Bildung einer „Metropole Ruhr“ forderte Gelsenkirchens Oberbürgermeister Frank Baranowski als Gast des Partetags der SPD Herne. Eine solche Reform sei überfällig.

„Wer Visionen hat“, pflegte einst SPD-Bundeskanzler Helmut Schmidt zu sagen, „sollte zum Arzt gehen.“ Wenn die Herner Genossen sich dies zu Herzen nehmen würden, müssten die örtlichen Praxen wegen Überfüllung schließen. Denn die Diagnose auf dem Parteitag am Mittwochabend im Volkshaus Röhlinghausen war eindeutig: Die Herner SPD steht hinter der Vision der „Metropole Ruhr“.

Als Anwalt für ein „starkes und einheitliches Ruhrgebiet“ trat in Röhlinghausen Gelsenkirchens OB Frank Baranowski auf. Ein Miteinander der Städte gebe es längst, erklärt der Vorsitzende der SPD-Ruhr. „Man muss aber das, was schon da ist, organisieren und bündeln“, so der 48-Jährige. Eine kluge und nachhaltige Planung müsse her: „Ein starkes Ruhrgebiet, das gemeinsam auftritt, ist eine Macht.“

Eine solche Macht brauche einen starken Repräsentanten an der Spitze, der wie ein ebenfalls zu installierendes Ruhr-Parlament von Bürgern direkt gewählt werden müsste. Dieser Repräsentant könne nicht nur die Region nach außen vertreten, sondern auch den Oberbürgermeistern auf Augenhöhe begegnen. Dass die SPD hier die Führungsrolle übernehmen würde, steht für Baranowski außer Frage: „Sozialdemokraten können Metropolen am besten.“

Direkten Widerspruch gab es nicht, nur Ergänzungen und leise Zweifel. Während SPD-Vize Michelle Müntefering die Bedeutung der Bildung und des demografischen Faktors fürs Ruhrgebiet betonte, brach Ratsfraktions-Chef Frank Dudda eine Lanze für den (ökologisch verträglichen) technologischen Fortschritt. Industrielle Strukturen seien das „Rückgrat“ der Region.

Ein wenig Wein ins Metropolen-Wasser goss OB Horst Schiereck. Eine Strukturreform sei kein Spaziergang, mahnte er. Gegenwind sei u.a. von den großen Städten zu erwarten. Auch in der NRW-SPD werde es Widerstand geben, so der Tenor.

Trotz der Skepsis gab es im Volkshaus bereits eine Antwort auf die Frage nach der Hauptstadt einer Metropole Ruhr. „Röhlinghausen ist der geografische Mittelpunkt des Ruhrgebiets. Also kann nur Herne das Zentrum sein“, so Michelle Müntefering mit einem Augenzwinkern. Was würde wohl Helmut Schmidt zu dieser Vision sagen?

 
 

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