DGB: Treffen sind wichtiger denn je

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Nach dem Zweiten Weltkrieg

Am 1. Mai 1946 strömten die Massen zusammen: Aus Zechen, Werkstätten und Betrieben, so ist in der WAZ Herne 1966 zum 20. Jahrestag zu lesen, bewegten sich Menschensäulen mit Musik bei strahlendem Sonnenschein zum Preußenplatz an der Wanne-Eickeler Stöckstraße, wo sich 14 000 Demonstranten versammelten. Die Herner Rundschau kommentierte die Mai-Kundgebungen nach dem Kriege am 1. Mai 1952: „Die Kraft der freien Maidemonstrationen lässt die arbeiterfeindliche Welt und auch jene Kräfte zittern, die die Menschen unterdrücken.“

In den 60er Jahren, sagt DGB-Vorstand Arndt, sei es im Zuge des Wirtschaftswunders deutlich ruhiger geworden. So ruhig, dass die Kundgebungen wieder in die Säle verlegt wurden. Bis den führenden Nachwuchsköpfen – dort schlossen sich Gewerkschaftsjugend, Jusos oder Falken in einem „Mai-Komitee zusammen – der Kragen geplatzt ist: „Sie wollten den 1. Mai wieder in den öffentlichen Raum zurückholen.“ Mit Erfolg: Seit 1977 gibt es im Wechsel in Herne und Wanne wieder Kundgebungen vor dem Rathaus. Seither, so Arndt, kommen jeweils 1500 bis 2000 Menschen, um die Idee des 1.Mai hochzuhalten.

Heute

Ist der 1. Mai noch zeitgemäß? „Mehr denn je“, meint Arndt. Es gelte, die Errungenschaften der Arbeiterbewegung zu verteidigen, diese gerieten seit einigen Jahren zunehmend unter Druck und würden angegriffen: „Wir mussten die Erfahrung machen, dass nichts für alle Zeiten gesichert ist.“ Und es gelte, für weitere Erfolge zu kämpfen, etwa die 30-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich. Was Letztere angeht: „Die Arbeit muss auf mehr Schultern verteilt werden.“ Nicht zuletzt sei der 1. Mai auch ein Tag der Völkerverständigung, der internationalen Solidarität und des Friedens. Angesichts der Flüchtlingskatastrophe im Mittelmeer und der Kriege, die nun auch nach Europa geschwappt seien, sei dieser Protesttag dringend nötig. Darüber hinaus sei der 1.Mai ein Tag der Mahnung „gegen alle Spielarten von Rechts und der Erinnerung an die vielen Opfer, die er auch in dieser Stadt gefordert hat“.

Was er selbst an diesem Tag mache? „Bei uns ist der 1. Mai Pflicht“, schmunzelt Arndt, „es ist der höchste Feiertag der Familie.“ Heißt: Es geht, natürlich, vor das Rathaus. Mit Kind und Kegel. Dazu gehören auch seine fünf Kinder.

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