Der Weltuntergang zog 3200 Besucher an

Anna Hückelheim
Familie Wawrziniok besucht die Heimspiele der Westfalia regelmäßig.
Familie Wawrziniok besucht die Heimspiele der Westfalia regelmäßig.
Foto: WAZ
Die Werbe-Aktion „Apokalypse Blau“ des Fußballclubs lockte sogar Fans aus Bayern und Niedersachsen nach Baukau. Die Niederlage Westfalias konnten die vielen Zuschauer allerdings nicht verhindern.

Herne. Autos aus Herne, Wattenscheid und Umgebung waren am Sonntag auf dem zum Parkplatz umfunktionierten Baukauer Kirmesplatz nichts Besonderes. Die Wagen aus Aachen, Olpe oder Coesfeld dagegen schon. Sogar Fans aus München und Oldenburg in Niedersachsen lockten die Freikarten für das letzte Heimspiel der Westfalia vor dem Weltuntergang ins Stadion am Schloss.

Unter dem Motto „Apokalypse Blau“ hatte der Fußballclub 10 000 Freikarten im Vorfeld seines Heimspiels gegen die SG Wattenscheid 09 verteilt. Jeder, der seit dem 22. November in der Herner Innenstadt in einem Geschäft einkaufen war, das Teil der Werbegemeinschaft IG City Herne ist, bekam eine Karte. Ziel der Aktion: Endlich wieder mehr Zuschauer für das junge Team der Westfalia zu begeistern, das sonst nur vor wenigen Hundert Fans aufläuft.

Stammzuschauer nutzten Freikarten

So spielte der Tabellenelfte am Sonntag zum ersten Mal vor einer gut gefüllten Sitztribüne. Insgesamt 3200 Zuschauer kamen nach Angaben des ersten Vorsitzenden des SC Westfalia 04, Sascha Loch, um die Partie gegen den Tabellenzweiten zu verfolgen.

Die Aktion lockte aber nicht nur neue Besucher ins Stadion, auch alteingesessene Fans profitierten von den Freikarten. Sie nutzten die Möglichkeit, ihrer Mannschaft einmal kostenlos zuzujubeln, so wie Familie Wawrziniok. „Ich begleite den Verein schon seit 30 Jahren“, sagt Frank Wawrziniok (46), der mit seiner Westfalia-Begeisterung schon Ehefrau Tanja und Sohn Nico angesteckt hat. Bei der elfjährigen Tochter Meike sei allerdings „noch Erziehung erforderlich“, scherzt der Familienvater.

Unterhaltung nur vor dem Anpfiff

Die Stimmung war derweil nicht nur bei den Wawrzinioks eine Stunde vor Spielbeginn ausgelassen. Eingehüllt in dicke Jacken bevölkerten Wattenscheider- und Westfalia-Anhänger die Verkaufsstände, um sich noch schnell mit Bratwurst und Bier oder – wem das zu kalt war – einem heißen Glühwein zu versorgen. Andere Zuschauer hatten sich bereits ein Plätzchen auf der Sitztribüne gesichert. Randolf Quade (50) und seine Frau warteten dort in ihre Zeitung vertieft auf den Anpfiff. Sie waren wegen der Freikarten ins Stadion gekommen, denn eigentlich hält die Familie zum SV Sodingen. „Deshalb bin ich auch nicht mit ganzem Herzen dabei“, gesteht Randolf Quade. Ein Besuch im Westfalia Stadion sei aber sowieso geplant gewesen.

Den neuen Besuchern und der Stammbesetzung bot der Fußballclub allerdings nur vor Spielbeginn gute Unterhaltung. Im Zuge der Aktion „Apokalypse Blau“ trat die Herner Sängerin Laura Marie Petrikowski auf. Für ihre Darbietung von Adeles „Skyfall“ und Whitney Houstons „One Moment in Time“ wurde sogar der Anstoß um zehn Minuten verschoben.

Beim anschließenden Fußballspiel konnte die Westfalia dagegen nicht überzeugen. 1:3 unterlag sie Wattenscheid. „Das Spiel war nicht ganz so prickelnd“, gibt der erste Vorsitzende Sascha Loch zu. Doch mit dem Ergebnis der Werbeaktion ist er zufrieden. Loch hofft, dass einige der 3200 Gäste im nächsten Jahr wiederkommen werden. An den Weltuntergang glaubt er nämlich nicht.