Der letzte Metzger im Herner Feldherrenviertel

Fleischermeister Detlef Holz und seine Frau Jutta stehen in der  Fleischerei Holz hinter der Theke. Sie ist eines der letzten Geschäfte im Quartier.
Fleischermeister Detlef Holz und seine Frau Jutta stehen in der Fleischerei Holz hinter der Theke. Sie ist eines der letzten Geschäfte im Quartier.
Foto: FUNKE Foto Services
Detlef Holz führt die Fleischerei seines Vaters Willi Holz an der Scharnhorststraße in Horsthausen weiter. Mit Catering hat er sich ein zweites Standbein aufgebaut.

Herne..  Der Laden im Feldherrenviertel wirkt von außen unscheinbar. Kein Schild über dem Eingang, nur der Blick durch das Schaufenster verrät, was da verkauft wird: Wurst und Fleisch. Die Fleischerei Willi Holz, ein Familienbetrieb, hat das Einzelhandelssterben in Horsthausen überstanden. Es ist mit das letzte verbliebene Geschäft in einem Viertel, das früher über ein reges Geschäftsleben verfügte.

„Man kann im Kühlhaus nicht eingeschlossen werden, das ist eine Mär“, scherzt Inhaber Detlef Holz, als er Waren aus der Kühlung holt. Die Metzgerei, die er heute führt, ist vor 22 Jahren vom Berliner Platz in die Scharnhorststraße in Horsthausen gezogen. 2002 übernahm der Junior den Betrieb von seinem Vater Willi Holz, nachdem das Geschäft bis heute benannt ist. Die Familie kommt aus Recklinghausen und wohnt dort noch immer, wenige Kilometer von der Herner Filiale entfernt. Und trotzdem: Herne ist zu einem zweiten Zuhause geworden. „Den Großteil des Tages verbringen wir hier“, berichten Detlef und Jutta Holz. In diesem Jahr wird 33-jähriges Bestehen gefeiert. Eine Traditionsgeschichte.

Sohn sollte Abitur machen

Dass es einmal so kommen würde, hätte Willi Holz wohl nie gedacht. Es gefiel ihm nicht, dass sein Sohn in seine Fußstapfen treten wollte. „Ich sollte Abitur machen, einen anständigen Beruf lernen“, erinnert sich Detlef Holz an die Worte seines Vaters. Er aber hatte Lust auf eine Ausbildung. Mittlerweile ist er Fleischermeister und Betriebswirt des Handwerks, um auch ein Gewerbe betreiben zu dürfen. „Sind ja nur Titel“, meint er.

Aber die Geschichte verläuft nicht ohne Hürden. „Leben ist Veränderung“, weiß Detlef Holz. Seit Jahren nimmt die Kundschaft ab. Das hat seiner Ansicht nach verschiedene Gründe. Zum einen den demografischen Wandel Horsthausens, meint der Fleischer. Durch günstigen Wohnraum ziehe es vermehrt sozial und finanziell schwache Bürger in die Gegend. „Diese kaufen dann lieber bei den Discountern zu Dumpingpreisen.“

Doch Detlef Holz und seine Frau Jutta wissen sich zu helfen. Sie haben sich noch einmal neu aufgestellt, ein weiteres „festes Standbein“ aufgebaut: Neben dem Ladenverkauf betreiben sie seit einigen Jahren eine „Menüküche“. Mit seinem Cateringservice beliefert die Fleischerei Willi Holz mittlerweile Kindertageseinrichtungen und Unternehmen in der ganzen Stadt.

Die Stammkunden in Horsthausen möchte das Ehepaar dennoch nicht missen. „Das wirklich Persönliche bekommt man nur hier. Zu uns kommen Herr Müller oder Frau Schulz. Beim Discounter sind sie nur irgendwelche Kunden“, erklärt Jutta Holz den einmaligen Charakter kleiner Geschäften wie ihrer Metzgerei. Dieses persönliche Flair sei früher noch viel stärker ausgeprägt gewesen, als Mitarbeiter mit im Haus über dem Laden wohnten. Ein heute über 70 Jahre alter ehemaliger Mitarbeiter kann sich immer noch nicht vom Geschäft trennen - und kommt einmal in der Woche für vier Stunden zum Arbeiten.

 
 

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