Der Basteltrend ist zurück in Herne

Stolz präsentiert Sigrid Wille ihre gebastelten Produkte. Dazu gehören Postkarten, Körbchen und Fotoalben.
Stolz präsentiert Sigrid Wille ihre gebastelten Produkte. Dazu gehören Postkarten, Körbchen und Fotoalben.
Foto: WAZ Fotopool
Die Hernerin Sigrid Wille stellt aus allerlei Materialien Dekoartikel, Grußkarten oder Geschenktüten her. Sie gibt auch Kurse zum sogenannten „Scrappen“, was übersetzt „Schnipsel verarbeiten heißt

Herne.  Schneiden, Stempeln, Kleben, Verzieren – Basteln als moderne Freizeitbeschäftigung ist zurück. Fern des Kindergarten-Images lässt es sich sogar Geld damit verdienen. Es heißt nur nicht mehr Basteln, sondern Scrappen.

Der englische Begriff bedeutet eigentlich nicht mehr als „Schnipsel zu verarbeiten“, erklärt Sigrid Wille. Die 43-jährige Hernerin ist begeisterte Bastlerin und bietet seit fünf Jahren Kurse zum Thema „Scrappen“ an. „Beim Scrappen geht es darum, einzelne Materialien zu verarbeiten.“ Schachteln oder Menükarten aus buntem Pappkarton werden etwa mit Federn, Knöpfen, Schleifen und weiteren Akzenten kombiniert. Die Anleitungen können dabei jederzeit abgewandelt werden, „wie es einem persönlich gefällt“, so Wille.

Wie die englische Bezeichnung schon vermuten lässt, kommt die neue Bastelbewegung aus Amerika. Dort sitzt auch die Firma für die Sigrid Wille die Bastelkurse anbietet. Ähnlich einer Tupperparty besucht sie Interessenten zu Hause und präsentiert ihnen die neusten Bastelutensilien und was daraus entstehen kann. Zu ihren Kunden gehören in der Regel Frauen, aber auch Schülerinnen und Männer – meistens Partner – haben mit Sigrid Wille schon gescrappt.

Nach einer kurzen Einführung können die Teilnehmer selber zur Schere greifen und sich ausprobieren. „Lesezeichen eignen sich hervorragend, um anzufangen“, so Wille. Es gibt für den Einstieg aber auch einfache Grußkarten. Rund zwei Stunden dauert eine Bastelparty, dann erhalten alle Teilnehmer ein Bestellformular. Wer mit dem Scrappen weitermachen möchte, kann über Sigrid Wille eigenes Material kaufen. „Oft denken die Leute, dass sie dann was kaufen müssten, müssen sie aber nicht.“ Die einzigen Kosten, die an einem solchen Abend tatsächlich anfallen, seien ein bis zwei Euro Materialgebühr. Sigrid Wille selbst bekommt keinen Stundenlohn. „Das ist Privatvergnügen“, sagt die Hernerin und lacht. „Für den Direktvertrieb braucht man schon einen gewissen Enthusiasmus“, denn sie verdient allein über den Verkauf der Materialien im Anschluss.Ernähren könne sie sich davon nicht, aber das muss sie auch nicht. Hauptberuflich arbeitet die 43-Jährige nämlich bei der Stadt Bochum als Verwaltungsangestellte.

Die neu aufgekommene Beliebtheit des Bastelns erklärt sich Sigrid Wille wie auch die ganze „Do It Yourself“-Bewegung mit dem Wunsch der Leute, „etwas zu haben, was andere nicht haben“. Sie selbst hatte schon in ihrer Jugend einen Hang zum Kreativen. Daher sind für die Hernerin die Grenzen zwischen Hobby und Beruf beim Scrappen auch fließend: „Sollte ich irgendwann den Begriff ,Arbeit’ dafür verwenden, ist die Kiste gelaufen. Arbeit habe ich ja schon.“

 
 

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