Der ADFC fragt: Wie fahrradfreundlich ist Herne?

Daniel Schreckenberg
Alle zwei Jahre will der ADFC wissen, wie gut das Radnetz in den deutschen Städten ist. Bei der aktuellen Umfrage erhofft sich die Stadt, dass viele ihrer Baumaßnahmen auch positiv von den Radlern genutzt werden.
Alle zwei Jahre will der ADFC wissen, wie gut das Radnetz in den deutschen Städten ist. Bei der aktuellen Umfrage erhofft sich die Stadt, dass viele ihrer Baumaßnahmen auch positiv von den Radlern genutzt werden.
Foto: WAZ Fotopool
Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club bittet Radfahrer, die Verkehrssituation in den Städten zu bewerten. Beim letzten Test schnitt Herne mäßig ab.

Herne. Nur ausreichend und trotzdem unter den Top Ten, das war das Urteil des Fahrradklima-Tests über die Situation von Zweiradfahrern in Herne vor zwei Jahren. Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club hatte in einer bundesweiten Umfrage ermittelt, wie fahrradfreundlich die Städte zwischen Nordsee und Alpenrand sind.

Trotz Schulnote 3,7 - vergleichbare Städte waren noch schlechter - waren Verkehrsdezernat und der Herner ADFC glücklich über das Abschneiden, konnten sie dadurch doch gezielte Verbesserungsmaßnahmen angehen. Diese werden nun erstmals überprüft, denn seit Beginn des Monats ist der neue Fahrradklima-Test zur Beantwortung freigeschaltet.

„Natürlich wollen wir besser als vor zwei Jahren abschneiden“, gibt Verkehrsdezernent Karlheinz Friedrichs die Marschroute vor. Er hat ein ambitioniertes Ziel vor Augen: „Wir wollen weg davon, dass in Herne nur in der Freizeit geradelt wird, hin dazu, dass das Rad ein Alltagsverkehrsmittel wird.“ Aktuell sei gut jeder zehnte Verkehrsteilnehmer in der Stadt auf dem Rad unterwegs, Tendenz: steigend.

Dennoch gibt es bei der Verbesserung des Radverkehrs immer ein Problem, wie Josef Becker, Leiter der städtischen Referats für Tiefbau und Verkehr, verdeutlicht: „Der Verkehrsraum ist beschränkt. Wenn wir neue Maßnahmen planen und umsetzen, steht uns dafür kein unendlicher Platz zur Verfügung.“ Dennoch versuche die Stadt schon seit vielen Jahren bei jeder Baustelle auch die Verkehrswege für die Fahrradfahrer zu berücksichtigen.

Trotzdem hatte die letzte ADFC-Umfrage allem voran ein permanentes Unsicherheitsgefühl auf der Straße als Problem in Herne ausgemacht. Friedrichs: „Wir haben Unfallschwerpunkte abgebaut, zum Beispiel am Wanner Hauptbahnhof in Richtung Rathausstraße.“ Fühlten sich hier bei der Umfrage besonders viele Menschen unsicher, habe es, seitdem eine neue Verkehrsführung eingerichtet wurde, keinen einzigen Unfall mehr gegeben. Auch andere Maßnahmen seien ergriffen worden: So trenne auf der Bahnhofstraße statt eines „Alibistreifens“ eine gut sichtbare weiße Linie Auto- vom Radverkehr. Dazu seien Einbahnstraßen, die vorher „wild“ von Fahrrädern in beide Richtungen genutzt worden seien, offiziell freigegeben worden. Dadurch soll sich das Sicherheitsgefühl ebenfalls verstärken.

Ob das gelingt, daran zweifelt Christian Ehrecke, Vorsitzender des Herner ADFC. Weniger, weil er mit den Maßnahmen der Stadt unzufrieden wäre, diese lobt er wie die Zusammenarbeit mit den Gremien, sondern, weil Sicherheit immer subjektiv zu sehen ist. „Sie können auf einer Straße mit nur einem Auto fahren, manche Menschen fühlen sich dann trotzdem unsicher.“