Das Herner Unternehmen Heitkamp saniert die Envio-Hallen

Tobias Bolsmann
Bevor die eigentlichen Arbeiten beginnen konnten, musste ein Materialschleusensystem installiert werden.
Bevor die eigentlichen Arbeiten beginnen konnten, musste ein Materialschleusensystem installiert werden.
Foto: Heitkamp
Das Herner Unternehmen Heitkamp saniert die versuchten Envio-Hallen in Dortmund und beseitigt die Hinterlassenschaften des Umweltskandals.

Die Umweltsparte der Wanner Heitkamp-Unternehmensgruppe hat den Auftrag erhalten, die Betriebshallen der Dortmunder Envio GmbH zu sanieren. Die Arbeiten laufen bereits und sollen insgesamt etwa neun Monaten dauern.

Hinter diesem Auftrag für das Unternehmen mit Sitz an der Wilhelmstraße in Wanne verbirgt sich einer der größten Umweltskandale in Deutschland: Das Geschäftsmodell von Envio bestand darin, die giftige Chemikalie PCB aus Transformatoren und Kondensatoren aus Umspannwerken zu holen. Allerdings ist PCB hierzulande seit Ende er 80er-Jahre verboten, deshalb nahm das Unternehmen auch Teile aus dem Ausland an.

Auf dem Betriebsgelände im Dortmunder Hafen nahmen Envio-Mitarbeiter die Teile auseinander, allerdings sollen dabei Arbeitsschutzvorschriften vernachlässigt worden sein. Mehr als 50 Mitarbeiter sollen sich bei ihrer Arbeit mit den Transformatoren und Kondensatoren vergiftet haben. Nach dem Bekanntwerden des Skandals wurde der Betrieb im Mai 2010 stillgelegt. Neben Envio-Geschäftsführer Dirk Neupert mussten sich drei weitere leitende Mitarbeiter vor Gericht verantworten.

Fünf Jahre lang passierte auf dem Gelände nichts, bis Heitkamp im vergangenen Jahr mit der Sanierung beauftragt wurde. Der Auftrag hat nach den Worten von Heitkamp-Geschäftsführer Jörg Kranz einen Wert von etwa zwei Millionen Euro.

Bezirksregierung überwacht

Die Arbeiten erfordern hohen Aufwand. So wurde vor Beginn der eigentlichen Sanierung ein Schleusensystem installiert, in den insgesamt vier Hallen wird ein Unterdruck erzeugt. Alles erdenkliche Material wird über Materialschleuse aus den Hallen transportiert. Nach Angaben von Heitkamp handelt es sich um etwa 3000 Tonnen.

Diese Material wird in drei Entsorgungsklassen eingestuft. Ohne „Behandlung“ verwertbare Güter sind solche, die eine PCB-Belastung von weniger als 50 Milligramm pro Kilogramm aufweisen. „Wir müssen immer eine Reinigung der Oberflächen durchführen, außerdem sind wir verpflichtet, in entsprechenden Abständen Wischproben zur Eigenüberwachung durchzuführen“, erläutert Kranz die Vorgehensweise. Außerdem führe die Bezirksregierung Arnsberg als Auftraggeber eine Überwachung der Arbeiten durch.

Materialien der zweiten Stufe (mehr als 50 mg/Kg PCB) werden staubdicht verpackt und per Lkw nach Lyon transportiert, wo sie in einer Spezialanlage dekontaminiert werden.

Und Dinge, die auf Grund ihrer Beschaffenheit nicht gereinigt werden können, werden in einer Spezialanlage verbrannt.

Unternehmensgruppe eröffnet Standort in Berlin-Köpenick

Die Heitkamp-Unternehmensgruppe, zu der die Bereiche Erd- und Straßenbau, Umwelttechnik sowie Brücken- und Ingenieurbau gehören, hat zu Beginn des Jahres eine Zweigstelle in Berlin gegründet. Ziel sei es, so Heitkamp-Geschäftsführer Jörg Kranz, das Geschäft in den östlichen Bundesländern neu zu entwickeln.

Der frühere Baukonzern Heitkamp war bis 2001 dort aktiv, ehe er sich zurückzog. Wenn man nicht ständig vor Ort sei, habe man kaum eine Chance einen Auftrag zu erhalten, schildert Kranz die Erfahrung der vergangenen Jahre. Das soll sich mit dem neuen Büro ändern. Leiter des Berliner Standortes in Köpenick ist Norman Seher.

Der Auftakt ist bereits erfolgreich: Heitkamp hat in Freital den Auftrag erhalten, ein ehemaliges Absetzbecken, in das Rückstände der Uranerzaufbereitung gespült wurden, zu sanieren. Heitkamp wolle in den östlichen Bundesländern nicht im klassischen Erd- und Straßenbau tätig sein, sondern sich Nischen suchen, so Kranz.