Das Buch „Heimspiel“ beleuchtet die Herner Fußballhistorie

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Westfalia Herne in der Hochzeit: 1958 errang das Team in der damals höchsten Spielklasse, der Oberliga West, die Herbstmeisterschaft.
Westfalia Herne in der Hochzeit: 1958 errang das Team in der damals höchsten Spielklasse, der Oberliga West, die Herbstmeisterschaft.
Foto: Thomas Schmidt
Zu Ralf Piorrs Ausstellung über die lokale Fußballhistorie gibt es nun ein Buch. Es heißt „Heimspiel“ und ist ab sofort erhältlich.

Herne.  Von Juni bis Oktober 2014 erlebten viele Fußballanhänger dieser Stadt ihr ganz persönliches Sommer- und Herbstmärchen: Die Fußballhistorie Hernes und Wanne-Eickels dokumentierte damals der Historiker, Autor und Stadtmitarbeiter Ralf Piorr im Heimat- und Naturkundemuseum Unser Fritz mit der Ausstellung „Ihr fünf spielt jetzt vier gegen drei“ in Wort, Bild und vielen Exponaten. Das Buch zur Schau heißt „Heimspiel“, kostet 18 Euro und ist ab heute im Handel erhältlich.

Ballett der Arbeiterklasse

„Es geht in dem Buch vor allem um Fußball als Element einer sozialen Kultur. In Herne und Wanne-Eickel gab es keine Oper. Fußball war so etwas wie das Ballett für die Arbeiterklasse“, sagt Ralf Piorr.

Der Anstoß

Viele hätten ihn während der Ausstellung angesprochen und gesagt: „So etwas gibt es nie wieder, daraus musst du ein Buch machen“, erzählt der 49-Jährige. Dank einiger Sponsoren ging der Wunsch von Besuchern dann doch noch in Erfüllung.

Wichtig is im Buch

„Heimspiel“ bietet auf 216 optisch ansprechend gestalteten Seiten – Layout: Stadtfotograf Thomas Schmidt – eine Mischung aus Sachbuch und Katalog, die den Zauber der Ausstellung in sieben Kapiteln rüberbringt. Die von Piorr ganz subjektiv zusammengestellte „Elf des Jahrhunderts“ für Herne und Wanne-Eickel beschließt das Buch.

Früher war alles besser

An die glorreichen Zeiten der heimischen Clubs wird erinnert. Zum Beispiel an die Glanzzeiten der Westfalia in der Oberliga West. Oder an die Erfolge des „letzten Kumpelvereins“ SV Sodingen, der in den 50er Jahren um die Deutsche Meisterschaft spielte. Und dann gab es Ende der 70er Jahre die (kurze) Phase, als mit Westfalia und DSC Wanne-Eickel gleich zwei Herner Vereine der Zweiten Liga angehörten. Die „kleineren“ Clubs kommen nicht zu kurz: Vereine wie BV Herne-Süd, DJK Falkenhorst, RSV Holthausen, der DSC-Vorläufer TB Eickel und und und sind in Wort und/oder Bild im Buch präsent.

Sonne, Mond und Sterne ...

... Scheiße über Herne – das hätten Fans von Borussia Dortmund einst im Auswärtsspiel bei der Westfalia gesungen, weiß Ralf Piorr. Im Buch sind zahlreiche weitere Anekdoten zu finden. Zum Beispiel, wie der Cranger Junge Werner Flachert im Box-Training bei Schwarz-Weiß Unser Fritz den jungen Stan Libuda derart vermöbelte, dass dieser sich fortan nur noch dem Fußball widmete und bekanntlich zur Legende wurde. Oder: Der Schauspieler und gebürtige Joachim Król berichtet, dass Westfalia eine ganz besondere Rolle im Verhältnis zu seinem Vater gespielt hat.

Das Westmeister-Bierglas

Zahlreiche Exponate machten den besonderen Charme der Ausstellung aus. In „Heimspiel“ gibt es ein Wiedersehen mit den alten Schätzchen und Heiligtümern – von der Ballpumpe der SpVgg. Röhlinghausen über die Cigaretten-Box des SV Sodingen bis hin zu Westfalias Westmeister-Bierglas aus dem Jahr 1959.

Der Rücktritt

„Das meiste, was ich über die Menschen im Ruhrgebiet gelernt habe, habe ich auf dem Fußballplatz gelernt.“ So beginnt das sehr persönliche Vorwort von Ralf Piorr, den es 1987 durch den Zivildienst von Niedersachsen nach Herne verschlagen hat. Nach mehreren Büchern insbesondere über den Kick im Ruhrgebiet sei das Buch „sein Abschied vom Fußball“. Das gilt aber nur fürs Schreiben: Seine aktive Karriere auf Asche als Kicker beim Kreisligisten ESV Herne will er nämlich fortsetzen. Und worum geht’s im nächsten Buch? „Um die Selbstwahrnehmung in Alt-Herne“, sagt Piorr. Arbeitstitel: „Dirty Old Town“.

Westfalia-Legende Wandolek Gast der Vorstellung

Mit dem (West-)Meisterspieler Horst Wandolek (79) haben Ralf Piorr und Thomas Schmidt ihr Buch „Heimspiel“ am Freitag in der Herner Mayerschen vorgestellt. Über alte Zeiten plauderte der einstige Spieler und Trainer von Westfalia Herne, der als Fußballlehrer auch mit BV Herne-Süd große Erfolge feiern konnte.

Wandolek sagte über ...

... den Stellenwert des Fußballs in den 50er und 60er Jahren: „Die Struktur hat sich verändert. Die Identifikation mit dem Fußball war damals viel größer, weil die schaffenden Menschen nicht so viel hatten.“

... über seinen Westfalia-Trainer, dem ehemaligen Oberfeldwebel Fritz Langner: „Unsere Pluspunkte waren Strenge, Disziplin und die harte Trainingsarbeit.“

... das damalige Westfalia-Image: „Wir galten immer als ,die Arroganten’. Das war aber nie der Fall.“

... die Zukunft des (Amateur-)Fußballs: „Die Amateurvereine gehen immer mehr kaputt. Samstags und sonntags werden schon mittags Spiele von Sky übertragen. Alles konzentriert sich nur noch auf den Profifußball.“