Damaged Justice - Metal ohne Schublade

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Herne. Damaged Justice entsprechen so gar nicht dem Klischee. Ein Bandportät über die Musik der Jungs, über Basisdemokratie und Vollidioten.

An der Wand hängen Poster von Bands namens Megadeth und Iron Maiden, es ist dunkel, es wird geraucht. Daniel Lucas steht in der Mitte des Probenraums, trägt lange Haare, dazu ein schwarzes T-Shirt. Lucas drückt sich gewählt aus, wenn er spricht, erzählt von „Aufnahmephasen“ und der „Anschlagdynamik“ beim Gitarrespielen. Er erzählt vom neuen Album, dass Damaged Justice im kommenden Jahr veröffentlichen wollen und vom Schubladendenken vieler Zuhörer.

„Wir machen Metal für Leute, die kein Metal hören“, beschreibt der Bassist die Musik seiner Band. Was er da sagt, scheint ein Grundprinzip von Damaged Justice zu sein. Denn Ron Michel, Maik Stiens, Mario Bänsch, Christian Michalak und Daniel Lucas spielen ganz eindeutig Metal, wollen aber eines auf gar keinen Fall: als Klischee abgestempelt werden.

„Wir tragen kein Leder und meiden Fantasytexte“, stellt Gitarrist Maik Stiens klar, „das neue Material wird auch noch vielschichtiger.“

Zwei Alben hat die Band bereits veröffentlicht, dazu eine EP und, zu Beginn ihrer Laufbahn, ein Tape, Aufnahmen auf Kassette. Nicht etwa aus ästhetischen Gründen, sondern aus einem ganz einfachen: Die Technik gab anfangs nicht mehr her. Denn Damaged Justice sind keine Neulinge in der Herner Musikszene, sondern fast schon Urgesteine. Seit 15 Jahren sind sie dabei.

„Am Anfang war das alles noch sehr postpubertär“, erinnert sich Sänger Christian Michalak. Heute habe sich das geändert, genauso wie die Formation der Band. „Der erste Gitarrist ist gegangen, als er gemerkt hat, dass wir keinen Blues machen“, sagt Michalak schmunzelnd. „Das war die Selbstfindungsphase“, ergänzt Ron Michel, Keyboarder und ebenfalls Gründungsmitglied. Als Quartett gestartet, wandelte sich die Band zum Quintett. Der Sound wurde voller, die Musik melancholischer. Und die Texte von Christian Michalak ernster.

„Um zwischenmenschliche Geschichten und Politik geht es“, fasst der Sänger seine Inhalte zusammen, „um das, was mich richtig anpisst.“ Einige sozialkritische Songs sind dabei, gerade solche, die sich gegen Ausgrenzung wenden. „Antifaschismus ist hier ein Grundkonsens“, erklärt Daniel Lucas. Der ist für die Textarbeit zwar nicht hauptverantwortlich, darf aber mitreden. „Wir sind eine absolut basisdemokratische Band“, erklärt Sänger Michalak. Auch das, ein Grundprinzip.

Damaged Justice haben viel zu sagen, verstehen sich nicht als Einzelkämpfer, sondern als musikalisches Team. Sie nehmen ihre Musik ernst, an ihr Spaß zu haben aber umso ernster – gerade auf Konzerten. „Sofern wir darauf Einfluss haben, versuchen wir mit Bands zu spielen, die uns sympathisch sind“, sagt Daniel Lucas, „im Grunde ist das unsere Freizeit, die will man ja nicht mit irgendwelchen Vollidioten verbringen.“

Da wird auch schon mal über den städtischen Tellerrand geschaut, nicht wegen der Vollidioten, sondern aufgrund der heimischen Strukturen. „Es ist hier schon überschaubar“, findet Ron Michels mit Blick auf Konzertmöglichkeiten und die Herner Metal­szene. „Aber man ist hier ja nicht weg vom Fenster“, entgegnet Christian Michalak, „man kann sich auch noch in die Nachbarstädte einschleichen.“

 
 

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