Cranger Kirmes ist Kult und Kulturgut zugleich

Gabriele Heimeier
Aufbau der Cranger Kirmes in Herne am 29. Juli 2010. Foto. Monika Kirsch / WAZ FotoPool
Aufbau der Cranger Kirmes in Herne am 29. Juli 2010. Foto. Monika Kirsch / WAZ FotoPool

Herne. Die 575. Cranger Kirmes wird vom 6. bis 15. August wieder viele tausend Besucher auf den Festplatz am Rhein-Herne-Kanal locken. Durch die gleichzeitige Local Hero-Woche gibt es im Kulturhauptstadtjahr viele zusätzliche Programmangebote.

„Crange ist nicht nur Kulturgut, Crange ist auch Kult“, charakterisierte gestern Kirmesdezernent Meinolf Nowak bei der traditionellen Auftaktpressekonferenz das große Wanne-Eickeler Volksfest, das vom 6. bis zum 15. August wieder viele tausend Besucher auf den Festplatz am Rhein-Herne-Kanal locken soll. Ein Kult, den sich auch die neue Ministerpräsidentin des Landes Nordrhein-Westfalen nicht entgehen lassen will: Sie kommt am Freitag, 6. August, um 14 Uhr zur offiziellen Eröffnung der 575. Cranger Kirmes. Damit ist nach Wolfgang Clement und Peer Steinbrück wieder ein Landeschef, in diesem Falle eine -chefin dabei, wenn Oberbürgermeister Horst Schiereck zum traditionellen Faßbieranstich ins Bayernzelt bittet. Für Hannelore Kraft ist es nicht der erste Crange-Besuch: 2004 war sie auch dabei - damals noch als Ministerin für Wissenschaft und Forschung.

Heiße Aufbauphase

Etwa drei Viertel der insgesamt 500 Schaustellerbetriebe sind jetzt schon da, einige Geschäfte bereits betriebsbereit. „Wir stecken jetzt in der ganz heißen Aufbauphase“, sagt Sabine Marek, die als „Kirmesarchitektin“ seit Jahren zentimetergenau die Fahrgeschäfte, Losbuden, Imbissstände und Gastronomien zusammenbaut. Immer mal etwas anders, damit sich neue Bilder für die Besucher ergeben: So zum Beispiel jetzt mit dem „Flash“ gegenüber der Achterbahn und dem XXL neben dem Bayernzelt.

In diesem Jahr ist die Cranger Kirmes auch deshalb etwas ganz Besonderes, weil die Stadt sie als Herner „Local hero“-Woche geadelt hat und damit ihren Status als (Volks-)Kultur unterstreicht. „Das ist keine Selbstverständlichkeit“, wissen Albert Ritter, Hans-Peter Arens und Wolfgang Lichte als Chefs verschiedener Schaustellvereinigungen das Bekenntnis der Stadt zur Cranger Kirmes zu schätzen.

So gibt es im Jahr der Kulturhauptstadt nach der Eröffnung der Kirmes am 6. August noch gleich eine zweite: am 8. August, wenn das Gospel Projekt Ruhr die „Local hero“-Woche um 11 Uhr mit einem großen Konzert im Bayernzelt einläutet. Die „Local hero“-Woche beschert den Besuchern viele zusätzliche Programmangebote: von den Fahrten der Kulturschiffe über die historische Jahrmarkt- und Kirmesausstellung auf dem Gelände der Künstlerzeche Unser Fritz bis hin zu Theateraufführungen und drei zusätzlichen Themenfeuerwerken.

Abgestimmtes Sicherheitskonzept

Die Katastrophe bei der Loveparade vor einer Woche in Duisburg sprach zwar gestern niemand an, aber sie spielte indirekt doch eine Rolle. So betonten sowohl Meinolf Nowak und Ralf Radloff von der Feuerwehr als auch Bernd Koch von der Polizei und die drei Vertreter der Schausteller, dass sie sich auf ein mit allen Beteiligten abgestimmtes Sicherheitskonzept stützten, das immer wieder überprüft und den Entwicklungen der Kirmes angepasst werde.

„Wir legen Wert darauf, eine Familienkirmes zu sein. Wir müssen nicht immer weiter, schneller, höher,“ machte Nowak die Zielsetzung der Kirmes deutlich. Albert Ritter äußerte sich ähnlich. Die Kirmes sei mit einer Retortenveranstaltung nicht zu vergleichen. „Hier gibt es ein gewachsenes Konzept, daran sind Experten mit jahrelanger Erfahrung beteiligt.“ Auch die Schausteller selbst legten großen Wert auf Sicherheit: „Wir haben schon vor 120 Jahren mit dem Vorläufer des TÜV zusammengearbeitet - das war damals der Dampfkesselüberwachungsverein.“