Crange am Morgen - das ist die Stille vor dem Trubel

William Fuhrmann von Drive-In Super-Scooter wechselt am Freitagmorgen ein Vorderrad bei einem Scooter.
William Fuhrmann von Drive-In Super-Scooter wechselt am Freitagmorgen ein Vorderrad bei einem Scooter.
Foto: Ralph Bodemer
Kein Karussell bewegt sich, statt Trubel und Lärm allerorten herrscht auf dem Kirmesplatz am Morgen Ruhe. Die WAZ hat sich umgeschaut.

Herne..  Das Grauen am Morgen hat ein riesiges Maul, brutale Fäuste und einen haarigen Körper. Es bewegt sich nicht. Der Gorilla am Fahrgeschäft Konga bleibt ganz ruhig, wie alles andere um zehn Uhr auf der Cranger Kirmes.

Wo ist der Krach, wo sind die tausend bunten Lichter, der intensive Geruch von Backfisch und die Schreie in der Nacht?

Am Morgen danach bewegt sich nichts mehr. Circus Circus steht still. Die wilde Maus wird ihrem Namen nicht gerecht. Die Rollläden der Buden sind geschlossen. Als wären ihre Besitzer für längere Zeit im Urlaub. Nur das Riesenrad setzt sich langsam in Bewegung, dreht schwerfällige Kreise in der Stille, geisterhaft.

An der Alpen-Achterbahn arbeiten die Männer schon, schrubben die Platten in der Wartezone sauber. Nach und nach kommen mehr hinzu, aus ihren Wohnwagen, verschlafen, in Jogginghosen und alten Schuhen. Mit einer Zigarette im Mund und einem Eimer in der Hand wienert ein Mann ein Kassenhäuschen. Die Nacht war kurz auf der Cranger Kirmes. Wie jede Nacht in diesen verrückten Tagen.

Autoscooter liegen auf der Seite, Männer mit Schraubenziehern sitzen davor und inspizieren den Untergrund der Elektro-Flitzer. In drei Stunden müssen sie startklar sein, dann sausen sie dahin mit den „Schumis“ von Morgen, den Krawall-Köpfen und den Verliebten.

Ein Postwagen fährt durch die Gassen, Fahrradfahrer mit Brötchentüten in der Hand und Spaziergänger mit Hunden hinterher. Alles vor den Augen des Riesen, der vor der Achterbahn „Höllenblitz“ regungslos auf den Asphalt stiert.

Die Kirmeswelt ist eine andere am nächsten Tag, irgendwie sauberer. Die Straßen sind gefegt, die Mülltonnen leer. Entsorgung Herne hat gute Arbeit geleistet. Auf andere wartet sie noch: Die Arbeiter, die auf den Absperrungen sitzen mit einem Kaffee in der Hand und ein paar fremde Worte wechseln. Sie müssen die Fahrgeschäfte wieder ans Laufen bringen, sie herausputzen für die etwa vier Millionen Euro Besucher und später unzählige Chips einsammeln und Bügel festdrücken.

Beim Schaustellerbetrieb Lehmann ist man auch schon auf den Beinen, Kopfkissen und Decken hängen aus den Fenstern der Wohnwagen, Gesichter lugen aus der Dunkelheit der Achterbahn hervor. Lehmann junior bewacht alles mit aufmerksamen Augen. Nicht alle wohnen auf der Kirmes, direkt an oder hinter ihren Fahrgeschäften. Andere leben während der neun Tage auf dem Wohnmobilplatz.

Kinderstimmen. Eine kleine Gruppe mit Erwachsenen geht die Straße entlang. Sie reden wild und durcheinander, als wären sie auf der Kirmes. Die Erwachsenen haben Glück, dass es morgen ist und sie flehende Kinderaugen nicht enttäuschen müssen.

Dahinter Andreas Bouranis Stimme. Eine der Bars hat die Anlage angeschmissen. Hier wird heute Abend wieder getratscht mit alten Arbeitskollegen und Freunden. Manche nehmen sich ja extra Urlaub.

Zwei ältere Menschen sitzen auf einer der einsamen Bänke. Es ist eines der Paare, die man auf Autobahnbrücken sieht. Sie schauen auf den Verkehr, auf das Treiben, als ob sie es nicht verstehen würden, aber trotzdem aufregend fänden.

 
 

EURE FAVORITEN

Warum sich die Polizei bei Fahndungen nicht direkt an die Öffentlichkeit wendet

Öffentlichkeitsfahndungen: Annika Koenig, Sprecherin der Polizei Essen, erklärt unter welchen Umständen die Polizei sich bei der Suche nach Tatverdächtigen oder Vermissten an die Bürger wendet.
Mi, 19.09.2018, 16.32 Uhr

Öffentlichkeitsfahndungen: Annika Koenig, Sprecherin der Polizei Essen, erklärt unter welchen Umständen die Polizei sich bei der Suche nach Tatverdächtigen oder Vermissten an die Bürger wendet.

Beschreibung anzeigen