Butterfahrt durch Flottmanns Hallen

Butterfahrt 5 gastierten in den Flottmann-Hallen. Foto: Archiv
Butterfahrt 5 gastierten in den Flottmann-Hallen. Foto: Archiv
Foto: Heiko Kempken / WAZ FotoPool

Herne.. Die Comedy-Truppe „Butterfahrt 5“ machte in den Flottmann-Hallen „Musik-Comedy für Fortgeschrittene“.

„Die Liebe darf nicht sterben“ hatten Butterfahrt 5 während ihres Auftritts verkündet. Bei so viel Liebe und Begeisterung der fünf Herren für das, was sie auf der Bühne tun, besteht da gar keine Gefahr.

Der Begriff „Butterfahrt“ ruft so einiges an Assoziationen hervor: zum Beispiel Busfahrten ins Freie und wehrlose Menschen, denen für teures Geld unnützes Zeug verkauft wird. Man darf davon ausgehen, dass die Besucher von „Butterfahrt 5 - Musik-Comedy für Fortgeschrittene“ wussten, dass sie so etwas in den Flottmannhallen nicht erwarten wird. Schließlich heißt es auf der Internetseite der musikalischen Komödianten: „Sie verkaufen keine Rheumadecken, keine Dosenwurst, keinen Brombeerwein“.

Jede Menge Hits im Gepäck

Statt Rheumadecken haben die fünf Butterfahrer in Herne jede Menge Hits dabei, die sie mit 30 Instrumenten, wie soll man sagen, interpretieren. Denn das Konzept von Butterfahrt 5 lautet: Nimm’ dir einen Song und mach’ mit ihm, was du willst. Da wird aus dem Schlager-Klassiker „Tausendmal berührt“ mal eben eine Hip-Hop-Performance. „Wollt ihr noch mehr von diesem Hip-Hop-Stoff?“ rufen die stilecht mit schwarzen Anzügen, weißen Hemden und Schuhen auftretenden Künstler – nur um dann zu zeigen, dass es gegen ihre Überzeugung geht, auch nur ein einziges Lied zweimal im gleichen Stil zu spielen. Stattdessen folgt eine Darbietung von Tokio Hotels „Durch den Monsun“ mit Ukulelen, nicht ohne dieses außergewöhnliche Instrument (Übersetzung: „hüpfender Floh“) vorher mit einem kleinen Einspieler vorzustellen.

Butterfahrt 5 beherrschen ihr Handwerk: die Jungs sind alle studierte Musiker und ein jeder von ihnen ein Multiinstrumentalist. Sie beherrschen mehr oder weniger fließend diverse Sprachen. Mithilfe von Zigaretten und dem Rezitieren französischer Namen („François Mitterrand, Mireille Mathieu, Jacques Chirac…“) zaubern sie im Handumdrehen die intime Atmosphäre eines französischen Bistros auf die Bühne. Sie singen Queens „Don’t stop me now“ in der Sprache des Fußballers Zinedine Zidane, der im WM-Finale 2006 seinen Gegenspieler Marco Materazzi mit einem Kopfstoß niederstreckte.

Qualitäten als Partnervermittler

Butterfahrt 5 haben außerdem Qualitäten als Partnervermittler. Während des lasziven „Je t’aime… moi non plus“ fordern sie das Publikum auf, sich gegenseitig tief in die Augen zu schauen: „Gehört ihr beide zusammen? Nein? Ihr kennt euch gar nicht? Ist doch schön!“

Was wird sonst noch geboten? Auf jeden Fall eine Menge Stargäste: Sido aus Berlin gibt sich die Ehre und Bärbel, die präsentiert, was sie im Volkshochschulkurs „Rockgitarre für Alleinerziehende“ gelernt hat (viel war das allerdings nicht). Besonderer Beliebtheit beim Publikum erfreut sich „Über den Wolken“ – das wird allerdings nicht à la Reinhard Mey mit Akustikgitarre performt. Nein, Butterfahrt 5 lassen sich von Scooters „Hyper Hyper“ inspirieren und sofort macht sich eine gewisse Ballermann-Atmosphäre breit.

„Die Liebe darf nicht sterben“

Generell sind jedoch große Gefühle wie Liebe, Schmerz und Einsamkeit vielmehr die Herzensangelegenheit der Musik-Komödianten. Ob Sinéad O’Connors „Nothing compares to you“ als Heulballade oder „I was made for lovin’ you“ der Glamrockband KISS mit südamerikanischen Panflöten – stets sind die passenden Accessoires in Form von Taschentüchern, albernen Mützen oder Masken dabei. Im Publikum löst so viel musikalischer und schauspielerischer Einsatz Euphorie aus. „Sexy“ schallt es an einer Stelle den Musikern entgegen und die bedankten sich mit einer Zugabe, mit der sie an alte Boygroup-Zeiten anknüpfen, inklusive ausgefeilter Tanzeinlage.

„Die Liebe darf nicht sterben“ hatten Butterfahrt 5 während ihres Auftritts verkündet. Bei so viel Liebe und Begeisterung der fünf Herren für das, was sie auf der Bühne tun, besteht da gar keine Gefahr.

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