Bürger fordert nach Sturm "Ela" 17.000 Euro von der Bahn

Martin Tochtrop
Klaus Stanke klagt gegen die Bahn, weil Bäume beim Sturm Ela auf sein Grundstück fielen.
Klaus Stanke klagt gegen die Bahn, weil Bäume beim Sturm Ela auf sein Grundstück fielen.
Foto: Ralph Bodemer
Unwetter "Ela" traf Klaus Stanke besonders schwer: Sein Haus und Garten wurden arg verwüstet. Zum Glück zahlt die Versicherung - aber nicht alles. Zaun und Gartenhäuschen waren nicht versichert. Stanke verlangt nun Schadensersatz von der Deutschen Bahn - umgeknickte Pappeln standen auf deren Grundstück.

Herne. Es sind nicht Spuren der Verwüstung, sondern es ist die Verwüstung in Reinform, die im Garten und am Haus von Klaus Stanke an der Feldstraße in Bickern zu sehen ist. Ein Gutachter macht gerade Fotos vom Wohngebäude, das vom Unwetter Ela am Pfingstmontag teilweise abgedeckt wurde. Die Versicherung will zahlen, über 20.000 Euro, wie der Experte schätzt. Der demolierte Zaun und das zerstörte Gartenhäuschen waren aber nicht versichert. Hier soll die Deutsche Bahn blechen, wenn es nach Klaus Stanke geht. Denn: „Die umgestürzten Pappeln stehen auf Bahngelände, also mache ich das Unternehmen haftbar.“

Die Bahn hat die Bäume inzwischen zersägt. Lediglich Stümpfe ragen noch aus der Erde jenseits der Grundstücksgrenze, und man erahnt, dass es sich um echte Riesen handelte. Auf 17.000 Euro setzt Stanke den Schaden fest, doch die Sachlage ist kompliziert, wie Stankes Anwalt Joachim Heinze im Gespräch mit dieser Zeitung erläutert: „Die Problematik ist, wenn ein Baum auf ein Nachbargrundstück fällt, muss man beweisen, dass der Verursacher seiner Verkehrssicherungspflicht nicht nachgekommen ist.“ Das heißt konkret: Man muss beweisen, dass die Bäume morsch waren. Klaus Stanke sagt deshalb: „Wir haben die Bahn lange vor dem Unwetter am Pfingstmontag darauf aufmerksam gemacht, dass sie die Bäume auf ihre Verkehrssicherheit überprüfen soll.“ Unterlagen darüber habe er allerdings nicht mehr.

Deutsche Bahn will sich aktuell nicht dazu äußern

Rechtsanwalt Heinze setzt ebenfalls auf die Vernachlässigung der Verkehrssicherungspflicht seitens der Bahn: „Es gibt Hinweise darauf, dass die Bäume wirklich morsch waren.“

Auch die Versicherungen sehen den Knackpunkt in der Verkehrssicherungspflicht: „Wer einen Baum im eigenen Garten hat, der beim Umfallen andere Personen oder fremdes Eigentum gefährden würde, muss diesen Baum regelmäßig auf Krankheiten oder Schäden inspizieren“, berichtet die Pressesprecherin der Ergo-Versicherung in Düsseldorf, Monika Stobrawe, nach einem Gespräch mit ihrer Rechtsabteilung . „Führt der Eigentümer keine solche Prüfung durch, haftet er. Hat er die Prüfung durchgeführt, es waren keine Schäden erkennbar und der Baum fällt trotzdem um, haftet er nicht.

Bahn verweigert die Aussage

Die Bahn will sich zwar aktuell zu dem Fall nicht äußern, „weil ein schwebendes Verfahren vorliegt“, so ein Sprecher. In einem Schreiben an Stanke macht sie aber deutlich: „Sowohl bei der Inaugenscheinnahme vor Ort als auch der bildlichen Dokumentation zufolge waren die Pappeln zum Schadenszeitpunkt gesund.“