Börnigerin steuert die „Quantum of the Seas“

Die „Quantum of the Seas" in Hamburg vor den St. Pauli Landungsbrücken.
Die „Quantum of the Seas" in Hamburg vor den St. Pauli Landungsbrücken.
Foto: dpa
Dorothee Winter steht auf der Brücke der „Quantum of the Seas“ mit 5000 Passagieren. Nach dem Abi am Otto-Hahn-Gymnasium studierte sie Nautik.

Herne..  Da fragt man sich, was ist hier schöner, Arbeit oder Urlaub? Wenn Dorothee Winter an ihrem Steuerstand steht und den Blick über die blendend weißen Strände der Karibik streifen lässt, muss man sie beneiden. Aber sie selber bleibt bescheiden: „Das ist wohl einer der schönsten Arbeitsplätze der Welt, aber eben auch ein Arbeitsplatz und kein Urlaubsort.“ Die 31-jährige Börnigerin befindet sich gerade auf Heimaturlaub. Ab April lenkt sie wieder die „Quantum of the Seas“ der US-amerikanischen Reederei Royal Caribbean – das zweitgrößte Kreuzfahrtschiff der Welt und das größte, das jemals in Deutschland gebaut wurde.

So oder so, ein Riesenpott wie dieser muss von der Ersten Offizierin gelenkt werden wie jeder andere. Auch wenn er quasi erst gerade zu Wasser gelassen wurde und 5000 Passagiere sowie 1600 Besatzungsmitglieder befördert. Elf Stunden dauert eine Schicht, am Ruder stehen Dorothee Winter oder ein Kollege aber höchstens fünf Stunden am Stück. Und natürlich nicht an einem Steuerrad aus Holz, sondern an einer überdimensionalen Maus und einem Computerbildschirm. „Steuermann“ sagte man früher, als es noch keine Steuerfrauen gab, aber auch im Jahr 2015 sind diese noch eine kleine, aber wachsende Minderheit: „Der Frauenanteil in diesem Job liegt nur bei rund zehn Prozent“, erläutert die 31-Jährige. Nach dem Abi am Otto-Hahn-Gymnasium wusste sie zuerst gar nicht, was sie studieren sollte. Aber die Liebe zur See – ihre Familie macht seit Ewigkeiten Urlaub im Wohnwagen auf Fehmarn – und ein gutes Gespür brachte sie zum Nautik-Studium in Elsfeld bei Oldenburg. Mathe pauken, Physik, Recht, Navigation und Wetterkunde. Zuerst wollte sie nur schnuppern, doch dann war sie fasziniert von diesem Beruf. Praxis sammelte sie während des Studiums und danach auf Containerschiffen, die bis nach Australien schipperten. Mittlerweile ist sie, man sagt wohl: mit allen Wassern gewaschen, hat gerade ihr Kapitänspatent erhalten und darf, wenn es so weitergeht, in ein paar Jahren Kapitänin zur See werden, also die Chefin vom Schiff.

Vom Heimathafen bei New York fährt die Quantum of the Seas zu acht- bis zehntägigen Kreuzfahrten in die Karibik, u.a. nach Barbados, St. Martin, St. Thomas, St. Kitts und nach Coco Cay, einer Insel, die die Reederei ganz für sich gepachtet hat.

Jetzt – zurück in Europa – geht es zum Skifahren in die Steiermark mit ihrem Freund, der ebenfalls auf der Quantum arbeitet und in Kroatien wohnt. Auch da ist es ja ganz nett. „Wir gehen dort auch segeln. Vom Meer kann ich einfach nicht genug bekommen.“ Ihr Schiff mit 16 Stockwerken, Shopping-Meile, Kletterwand, Freier-Fall-Simulator und Auto-Scooter und was es sonst noch alles gibt auf einem modernen Kreuzfahrer hat genügend Programm für die Freizeit auch der Besatzung. Ein eigener Bereich mit Fitnessraum und Tischtennisplatte sorgt nach den langen Schichten für Entspannung. Zehn Wochen Arbeit, zehn Wochen Urlaub: So ist Dorothee Winters Jahr aufgeteilt, in diesem Fall sagen wir wohl besser: filetiert.

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