Blitzeis stoppt HCR-Busse am Abend

Bernd Nickel
Seltenes Bild: Ein Auto mit Schneeketten an der Herner Markgrafenstraße .                            Foto: Thomas Gödde
Seltenes Bild: Ein Auto mit Schneeketten an der Herner Markgrafenstraße . Foto: Thomas Gödde
Foto: WAZ FotoPool

Herne. Das Winterwetter hält die Menschen weiter in Atem: Eine Dachlawine beschädigte Polizeiautos, die HCR stellte am Abend den Betrieb ein und in den Krankhäusern herrscht Hochbetrieb.

Auch nach dem Fest beherrschen Schnee, Matsch und Eis die Gespräche. So schön anzusehen die weiße Pracht und die Eisgebilde auch sein mögen, sie sorgen auch für Ärger und Gefahren.

Hochbetrieb in den Krankenhäusern

In den Notaufnahmen der Krankenhäuser geht es teilweise turbulent zu. Besonders gefragt scheinen die Chirurgen in den beiden evangelischen Krankenhäusern an der Wiescherstraße und der Hordeler Straße zu sein. Pressesprecherin Andrea Wocher: „Wir haben gut zu tun. Extrem ist es seit etwa 14 Tagen an der Wiescherstraße. Insgesamt hat sich die Zahl der Patienten, die mit Sturzverletzungen zu uns kommen, mindestens verdoppelt. Allein am Montag zwischen 6 und 13 Uhr meldeten sich 70 Menschen, die gestürzt waren. Betroffen waren fast alle Körperbereiche, und auch Mehrfachverletzungen wie Bein- und Armfrakturen mussten bei einigen Patienten behandelt werden.“

Von einem Anstieg der Sturzpatienten um das Drei- bis Vierfache spricht Dr. Jürgen Kozianka, Chef-Chirurg am St. Anna Hospital: „Die Zahlen des Vorwinters werden weit übertroffen. Spitzenreiter bei den Frakturen sind die Oberarmbrüche. 20 davon hatten wir in dreieinhalb Wochen. Was sogar für einen Engpass in unserem Implantate-Lager (Platten und Schrauben) sorgte. Gerade bei älteren Frauen häuften sich Schenkelhalsbrüche. Allerdings scheinen sich die Menschen langsam auf die Winterbedingungen einzustellen. Die Zahl der Sturzverletzungen geht wieder zurück.“

Diesen Trend bestätigt Mona Schamp vom St. Marien-Hospital: „Vor einigen Tagen waren es noch drei bis vier Sturzpatienten, die sich in unserer Notfallambulanz meldeten, mittlerweile nur noch ein bis zwei. Das Spektrum der Frakturen reicht von Ober- und Unterarmbrüchen bis zu Schenkelbrüchen.“

Straßenbahn trotzt den Unbilden des Wetters

Natürlich litten auch Montag wieder die Busse und Bahnen der Verkehrsunternehmen unter den Straßenverhältnissen. Für die HCR sagte Oberverkehrsmeister Peter Hirs: „Unsere Busse fahren. Aber in Bickern gibt es Probleme. Die Busse der Linien 323 kommen nicht durch, ebenso die der Linie 312 an der Vöde. Ansonsten gibt es Verspätungen von bis zu 15 Minuten.“ Am Abend aber stellte die HCR den Betrieb ab 18.30 Uhr wegen Blitzeises bis auf Weiteres ein.

Im gleichen Rahmen bewegte sich gestern der Verzug der Bogestra-Busse und Bahnen. Für die Linie 368 räumte Sprecher Christoph Kollmann gar teilweise 30 Minuten Verspätung ein. „Aber alle Busse sind unterwegs, und besonders gut hat sich bisher unsere Straßenbahn 306 geschlagen. Zwar hatte auch sie zwischenzeitlich Verspätung, aber Eis und Schnee konnten sie nicht stoppen.“ Dies „gelang“ aber Autofahrern, die mit ihren Pkw die Gleise blockierten. Die Bogestra fordert mehr Rücksicht und lässt notfalls abschleppen.

Stadtverwaltung warnt: Eiszapfen und Lawinen

Überall an den Hausdachrinnen haben sich teils gigantische Eiszapfen gebildet. Genau wie Dachlawinen sind sie eine Gefahr für Fußgänger. Passanten sollten die potenzielle Zapfen-Fall-Linie meiden. Zuständig für die Beseitigung seien die Hausbesitzer, sagt die Stadtverwaltung. Zumindest sollten Warnschilder aufgestellt werden. Der Chef der Entsorgung Herne Bernd Westemeyer erinnert die Bürger nochmals an ihre Räumpflichten und bittet zudem darum, möglichst die Arbeit der Profis tatkräftig zu unterstützen. Eine Dachlawine ging gestern auf dem Innenhof der Polizei an der Freiligrathstraße nieder und beschädigte Polizeiautos. Der Hof wurde geräumt und die Einsatzfahrzeuge auf dem Rathausplatz abgestellt.

Vorsicht unter Bäumen
mit Schneelast

Die Stadt warnt ausdrücklich davor, dass Bäume eventuell unter der Schneelast umstürzen können und rät Spaziergängern und Joggern – wenn sie denn partout nicht auf ihre Aktivitäten verzichten wollen – zu erhöhter Vorsicht.

Feuerwehr räumt
Busbahnhof-Dach

Die Feuerwehr rückte am 2. Weihnachtstag aus, um das Dach des Herner Busbahnhof-Dachs zu räumen. Während der Arbeiten fuhr ein Pkw zunächst gegen eine Drehleiterstütze und beim Umsetzen dann einen Feuerwehrmann an. Der Verletzte wurde ins Krankenhaus transportiert.