Betonmaschinen-Hersteller Schwing entlässt 156 Mitarbeiter

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Der angeschlagene Betonmaschinen-Hersteller Schwing mit Stammsitz in Wanne-Eickel entlässt 156 Mitarbeiter. Die Gespräche über einen Sozialplan und Interessenausgleich wurden jetzt abgeschlossen.

Wanne-Eickel. Das bestätigt IG Metall-Chefin Eva-Maria Kerkemeier. Das Unternehmen wollte sich auf WAZ-Anfrage nicht äußern. Insgesamt scheiden in Wanne 170 Mitarbeiter über den Sozialplan aus.

Zur Erinnerung: Bei Schwing, weltweit aufgestellt, brachen die Umsätze im Zuge der Wirtschafts- und Finanzkrise vor drei Jahren um bis zu 50 Prozent weg. Als Konsequenz wurde Kurzarbeit eingeführt, 2010 kam die erste Entlassungswelle: 120 von knapp 1000 Mitarbeitern mussten an der Heerstraße gehen. Nun also folgt der nächste Schritt: Weitere 156 Mitarbeiter werden entlassen, weitere 14 scheiden freiwillig aus. Ende April ist für sie Schluss.

Perspektive fehlte schon lange

Dass nicht sogar 200 Beschäftigte – wie von Schwing noch vor einem Monat ins Gespräch gebracht – gehen müssen, wertet die IG Metall als positiv. „Jeder Arbeitsplatz, der erhalten bleibt, ist ein Erfolg“, sagt Eva-Maria Kerkemeier, die 1. Bevollmächtigte der IG Metall. Um anzufügen: „Die Kollegen, die nun betroffen sind, kann das nicht versöhnen.“ Schon in der Verhangenheit hatte sie die Unternehmensspitze scharf kritisiert. Drei Jahre lang habe die Belegschaft in Angst gelebt, die Geschäftsleitung es aber versäumt, den Betonmaschinenhersteller in dieser Zeit zukunftsfähig zu machen und ihm eine Perspektive zu geben.

Der Kern des Sozialplans sieht laut Kerkemeier eine Abfindung von 600 Euro pro Beschäftigungsjahr vor, außerdem wechseln die Betroffenen in eine Transfergesellschaft. Während der einjährigen Laufzeit sollen sie dort unter anderem beraten und weitergebildet werden, um bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu erhalten. In die Transfergesellschaft setzt sie große Hoffnungen: Auch nach der ersten Entlassungswelle sei sie eingerichtet worden, 80 Prozent der Betroffenen seien damals in anderen Unternehmen untergekommen.

Investor gesucht

Wie es nun weitergeht, steht (noch) in den Sternen. Wie berichtet, will Schwing einen Investor ins Boot holen, in Wirtschafts- und Finanzkreisen wird der chinesische Konzern XCMG als Partner gehandelt. Schwing hat dazu noch keine Stellung bezogen. Immerhin: In einem Schreiben an die Mitarbeiter, das der WAZ vorliegt, teilt Firmenchef Gerhard Schwing mit, „dass wir uns mit dem von uns bevorzugten Investor über ein gemeinsames Konzept zur Durchfinanzierung unseres Hauses einigen konnten“. Damit sei der finanzielle Handlungsspielraum „wieder hergestellt“, es würden sich „neue Chancen und Möglichkeiten für die Zukunft ergeben“, und nicht zuletzt werde „dauerhaft die Sicherheit unseres Standortes erreicht“, so Schwing weiter.

Eva-Maria Kerkemeier reicht das nicht. Sie erwartet bis Ende April ein Zukunftskonzept, ebenso Peter Brauer, der Betriebsratschef. Die Stimmung in der Belegschaft, berichtet er, sei ob der fehlenden Perspektive „sehr depressiv“ – auch bei jenen, die von den Kündigungen nicht betroffen seien, betont er.

IG Metall kritisiert den Firmenchef

Die IG Metall-Chefin geht in diesem Zusammenhang scharf ins Gericht mit Gerhard Schwing. Mit dem Mitarbeiterbrief konfrontiert, nennt sie ihn „deplatziert, instinktlos, skandalös“. Der Firmenchef gehe in seinem Schreiben mit keinem Wort auf die Entlassungen ein, äußere kein Wort des Bedauerns. Stattdessen berichte er über „erfreuliche Entwicklungen“ in seinem Hause.

 
 

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