Bernd Faust: Der Westfalia-Mann mit den verrückten Ideen

Michael Muscheid
Foto: WAZ FotoPool
Der 43-jährige Bernd Faust, seit neustem Aufsichtsratsmitglied bei Westfalia Herne, startete die „Apokalypse Blau“ und rettete einen betagten Stadion-Kiosk. Ein Porträt.

Herne.  Bernd Faust ist der Westfalia-Mann mit den verrückten Ideen. „Je auffälliger sie sind, desto besser“, sagt der 43-Jährige. In diesem Jahr waren sie besonders auffällig. Erst gab’s die Aktion mit dem alten Kiosk, der dann doch nicht so alt war, und zuletzt die mit den Freikarten für Innenstadt-Kunden unter dem Titel „Apokalypse Blau“, die bundesweit Schlagzeilen machte. Was ihn antreibt? „Der Lohn ist der Zuspruch der Zuschauer“, sagt Faust. Und klar, gibt er zu, ein bisschen eitel sei er auch.

Anfang Dezember wurde Faust bei Westfalia Herne in den Aufsichtsrat gewählt. Welche Funktion er in dem Gremium genau übernimmt, wird noch geklärt. Das passt irgendwie, denn in den vergangenen Jahren wusste man auch nie so genau, was er da eigentlich macht in dem Verein. Eine offizielle Funktion hatte er nie. Dafür viele Ideen. Verrückte eben.

Zum Fußball, zur Westfalia, kam der gelernte Büro- und Industriekaufmann erst spät. Zur Jahrtausendwende, erinnert er sich, nahm ihn ein Kumpel mit ans Schloß Strünkede, „und dann war ich Feuer und Flamme“. Fortan stand er in Baukau regelmäßig am Spielfeldrand, litt und jubelte, und mit der Jugend reiste er bald regelmäßig zu den Auswärtsspielen. Als dann die ersten Projekte anstanden, etwa die Eröffnung eines Kunstrasenplatzes für den Nachwuchs oder die 100-Jahr-Feier des Vereins, hob er den Finger, anfangs noch zaghaft, und brachte erste Ideen ein. So ging’s los.

Heute hat Faust eine ganze Mappe mit Artikeln aus diversen Zeitungen, die über seine PR-Gags berichten. Weil das Stadion am Schloss keine Flutlichtanlage hat, organisierte er etwa 2009 „Die hellste Nacht in Herne“. Dafür ließ er medienwirksam mobile Baustellen-Lichtmasten herankarren. Als im selben Jahr nach sturzflutartigen Regenfällen im Stadion der Fußballplatz unter Wasser stand, kaufte er ein Gummiboot, ließ es zu Wasser und ein Foto davon machen. Drin saß: auch er, mit geschulterter Vereinsfahne. Sogar die „Bild“ druckte das Ganze ab.

In diesem Jahr nun rief er zur Rettung des betagten Stadion-Kiosks auf, den der Verein loswerden wollte. Dass die Mondritter aus Wanne-Eickel die Bude dann doch nicht wollten, weil sie ihnen nicht alt genug war – Schwamm drüber. „Man muss Ideen in die Tat umsetzen, auch wenn sie mal nach hinten losgehen“, sagt Faust. Um anzufügen: „Viele meckern nur, tun aber nix.“

Verein ist ein „schlafender Riese“

Die „Apokalypse Blau“ ging nicht nach hinten los – auch wenn der Fünftligist gegen Wattenscheid 09 verlor. Freikarten hatte Westfalia Herne für das letzte Heimspiel vor der Winterpause verschenkt, unter dem Motto „Apokalypse“ deshalb, weil ja laut Maya-Kalender der Weltuntergang bevor steht. Da machten die Blauen mit, Fausts PR-Gag zündete: Die Presse berichtete, Land auf, Land ab, und ein paar tausend Zuschauer kamen.

Was Aktionen wie diese bringen? Auf Dauer mehr Zuschauer, hofft Faust. Westfalia sei „ein schlafender Riese“, den er mit Aktionen wie diesen wecken will. Mittelfristig, sagt der Mann, der in einer Düsseldorfer Unternehmensberatung als Finanzbuchhalter arbeitet, gehört der Verein eine Liga höher. Dafür müssten auch mehr Besucher her, für die Unterstützung, klar, aber auch um mehr Geld einzunehmen . Nicht 200 bis 300 pro Spiel sollen ans Schloss kommen, „sondern 600 bis 700“.

Dass er mit seinen Ideen, allesamt ehrenamtlich und mit viel nächtlichem Hirnschmalz versehen, so manchem auf den Keks geht, weiß er. „Das macht mir nichts“, sagt er schmunzelnd. Weil er glaubt: „Sie bringen was.“ Er verspricht: „Ich bleibe hartnäckig.“ Als Drohung soll das nicht verstanden werden.

Natürlich hat Bernd Faust auch für 2013 bereits Ideen in der Pipeline. Eine soll schon bis zum Start in die Rückrunde umgesetzt sein. Dafür sucht er „Mitspieler“ – und zwar ab sofort.

Konkret: Das Aufsichtsratsmitglied will kurz vor Toresschluss noch einen Westfalia-Kalender für 2013 produzieren. Keinen „normalen“, versteht sich. Sondern: nichts Geringeres als einen „außergewöhnlichen Kalender mit durchaus explosiven und provozierenden Themenfotos“. Dafür werden nun elf (Hobby-)Fotografen gesucht; elf deshalb, weil der Kalender erst im Februar (zum besagten Start in die Rückrunde) beginnt. Für jeden Monat wird dabei ein Thema vom Verein vorgegeben, ein Fotograf soll es dann nach seinen Vorstellungen umsetzen. Das Besondere: Der Verein stellt für jedes Motiv zwei Westfalia-Spieler als Models zur Verfügung.

Im Mittelpunkt, verrät Faust, steht die angespannte finanzielle Lage der Fußballclubs. Denkbar sei also etwa ein Motiv, bei dem Spieler Giftmüll-Fässer auf dem Platz vergraben – um Geld einzunehmen. Das beste Motiv soll auf einer angemieteten Werbe-Wand mit Porträt und Vita des Künstlers präsentiert werden. Wichtig: Die Fotografen sollen umsonst arbeiten, die Einnahmen der klammen Kasse zugeführt werden. Weitere Informationen gibt’s unter info@westfalia-herne.de.