Bei „Open Surface“ in Herne ist der Betrachter mit im Bild

Der Kölner Künstler Raymund Kaiser in der Ausstellung „Open Surface“.
Der Kölner Künstler Raymund Kaiser in der Ausstellung „Open Surface“.
Foto: WAZ FotoPool
Der in Köln lebende Künstler Raymund Kaiser stellt ab Freitag in der Städtischen Galerie im Herner Schlosspark Strünkede aus. „Open Surface“ – offene Oberfläche – zeigt ein Wechselspiel von matten und glänzenden Flächen.

Herne..  Mit „Open Surface“ – offene Oberfläche – zeigt die Städtische Galerie ab heute eine Ausstellung, die den Betrachter mit einbezieht. „Farbe und ihre Eigenschaften sind der Gegenstand meiner Malerei“, sagt der Kölner Künstler Raymund Kaiser selbst. Aber das ist nicht alles.

Raymund Kaiser trägt zunächst mehrere Schichten aus durchsichtigem Hochglanzlack, der mit Farbpigmenten gemischt wird, auf die Bildfläche auf. Manchmal scheinen die einzelnen Flächen hindurch und lassen eine glänzende bewegte Fläche entstehen. Danach wird mit matter Ölfarbe im gleichen Farbton eine weitere Farbfläche aufgetragen. Sie zieht sich meist von den Bildrändern zum Zentrum und überdeckt die glänzende Farbe teilweise. In der Nahsicht wirkt die matte Schichte reliefhaft und steht wie eine zweite Ebene vor der glänzenden Fläche. Nur zur Bildmitte hin bleibt die glänzende Fläche sichtbar.

Reaktionen auf Licht

Diese beiden Flächen aus matter und glänzender Farbe reagieren völlig unterschiedlich auf das Licht. Scheint die matte Fläche alles Licht in sich zu verschlucken, lebt die andere von den Reflexionen, vom bewegten Lichtspiel. Das verändert sich mit dem Standort des Betrachters. Diese Bilder erschaffen so eine ganz eigenartige Räumlichkeit. Die glänzende Fläche führt in eine unbestimmte Bildtiefe, zugleich öffnen sie sich in den Raum. Der Betrachter wird hier ein Teil des Bildes, in dem er sich selbst in der glänzenden Fläche spiegelt und den ihm umgebenden Raum auch im Bild wahrnimmt.

Beides bricht aber abrupt ab, wenn er auf die matten Flächen schaut. Dieses Wechselspiel ist nicht nur von der Beleuchtung, sondern auch vom Standort des Betrachters abhängig. In den Bildern, die Raymund Kaiser direkt auf Spiegelglas malt, wird dieses Spiel mit der Wahrnehmung noch verstärkt.

In seinen Zeichnungen mit silbernem Lackmarker auf Transparentpapier bleiben die Spuren des Zeichnens bewusst stehen. Diese Blätter scheinen vor den weißen Wänden zu schweben. Die gedeckten, strukturierten Flächen stehen gegen das transparente Papier, das auch immer das Weiß der Wände sichtbar werden lässt.

In einem Raum hat Raymund Kaiser eine große Installation geschaffen. Mit industriellen Spiegelkartonplatten hat er zwei Wände über Eck verkleidet. Mit silbernem Lackmarker sind auch hier locker strukturierte Flächen auf die Platten gezeichnet. Der Betrachter wird Teil eines Raums, der sich in den Platten wieder spiegelt. Die gezeichneten Flächen stellen sich aber immer wieder gegen diese Illusion.

„Open Surface“ setzt nicht auf spektakuläre Effekte, sondern regt zu einer fast intimen Wahrnehmung an. Der Betrachter wird zum wichtigen Bestandteil der Bilder.

Raymund Kaiser ist 1955 in Wuppertal geboren. Er hat an der Fachhochschule Köln Kunst und Design studiert und war dort Meisterschüler. Seither hat er zahlreiche Einzel- und Gruppenausstellungen bestritten.

Die Ausstellung „Open Surface“ wird am Freitagabend, 14. November, um 19 Uhr in der Städtischen Galerie am Karl-Brandt-Weg eröffnet. Zur Einführung spricht der Bonner Kunsthistoriker Michael Stockhausen. Zu sehen sind die Arbeiten bis zum 11. Januar 2015. Die Öffnungszeiten sind Dienstag bis Freitag 10 bis 13 Uhr und 14 bis 17 Uhr, Samstag 14 bis 17 Uhr, Sonntag 11 bis 17 Uhr.

 
 

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