Bei Hassan Jelveh herrscht ein kreatives Chaos im Keller

Atelierbesuch bei Hassan Jelveh an der Unser-Fritz-Straße in Wanne.
Atelierbesuch bei Hassan Jelveh an der Unser-Fritz-Straße in Wanne.
Foto: Haenisch / waz fotopool
„Atelierbesuch“ heißt die kleine Serie, die die WAZ heute startet: Falko Herlemann hat einige Künstlerinnen und Künstlern des Herner Künstlerbundes (HKB) besucht, die ihn ihren Arbeitsräumen empfangen und über sich und ihr künstlerisches Schaffen erzählt haben.

Herne..  Es geht eine enge Treppe herunter, dann weiter durch verwirrende Raumfluchten. Dort stehen neben Fahrrädern und Gartengeräten die ersten ordentlich voreinander gestapelten Bilder. Eine Reihe von Staffeleien lehnt an den Wänden. Dann sind wir im Atelier von Hassan Jelveh.

Es ist ein großer Kellerraum eines ehemaligen Pfarrhauses, in dem er auch wohnt. Die Fenster sind mit Bildern oder Regalen zugestellt, erhellt wird der Raum durch Neonröhren. In den Regalen Farbtuben, Gläser mit Pigmenten, neue und alte Pinsel, auf Keilrahmen gespannte Leinwände, Bücher über Kunst. Und natürlich Bilder. Auf einer Staffelei steht ein gerade fertig gewordenes Bild. Auf dem Arbeitstisch liegt eine kleinere Leinwand, an der Hassan Jelveh gerade arbeitet. Jede Ecke des niedrigen Raumes ist vollgestopft mit Materialien und Bildern. „Mein Wohnzimmer muss fast leer und ordentlich sein. Im Atelier herrscht aber immer das kreative Chaos“, erklärt Hassan Jelveh lachend.

Künstlerisch begabte Familie

Gemalt habe er schon im Iran, erzählt er, wie drei seiner Brüder und seine Mutter. Bei ihrem letzten Besuch hat sie sich mit 78 Jahren sogar an ihre ersten gegenstandslosen Bilder gewagt. „Bei uns liegt die Kunst in der Familie.“ Im Iran hat Hassan Jelveh eine Ausbildung in traditioneller Kalligrafie gemacht. Einige seiner ersten Werke in Herne setzen sich mit dieser alten arabischen Kunstform auseinander. Seine aktuellen Bilder leben von den Farben, die er spontan in mehreren Schichten auf die Leinwand aufträgt. Meist sind es gestisch gesetzte Schwünge, die von breiten exakten Linien kontrastiert werden. Nur noch selten tauchen in ihnen landschaftliche Formen auf.

„Ich habe noch einen zweiten Raum, in dem die großen Bilder entstehen“, erklärt Hassan Jelveh. Natürliches Licht braucht er nicht. Er weiß, wie seine Farben wirken. „Und bei schönen Wetter male ich auch im Garten“.

In den letzten Jahren hat er zahlreiche kunstpädagogische Aktionen geleitet, meistens mit Kindern mit Lernstörungen. „Sie sollen beim Malen ihre Kreativität entdecken und selbstbewusster werden.“ Gezeigt wurden Arbeiten einer Aktion 2012 in der „Alten Druckerei“. Selbst hat Jelveh zuletzt 2009 in der GEA-Reihe „Kunst in der Rotunde“ ausgestellt. 2011 war er bei „Villa Kunst Global“ in der Städtischen Galerie dabei.

Auf seine nächste Ausstellung freut er sich besonders. Die findet im Oktober in Teheran statt. Um den Transport zu erleichtern, werden die Bilder von den Keilrahmen genommen, aufgerollt und wieder aufgezogen.

Hassan Jelveh ist 1957 im Iran geboren. Dort hat er eine Ausbildung in traditioneller Kalligraphie gemacht. 1993 kam mit seiner Familie nach Herne.

Seine Bilder waren in verschiedenen Gemeinschaftsausstellungen des Herner Künstlerbundes zu sehen, zuletzt in der Ausstellung für das Herner Kulturfestival in der Städtischen Galerie

Seit 2008 leitet er kunstpädagogische Aktionen an der Bochumer St. Vinzenz Schule und war an einigen Projekten der „Kulturmäuse“ beteiligt.

EURE FAVORITEN