Bei den Kochprofis

Der Genuss beginnt beim Kochen: Die Brüder Stefan und Christian Zurbrüggen (re. und li.) mit Hausleiter Dirk Melches (Mitte) und  Teilnehmern des Kochabends in der Lehrküche des Herner Möbelhauses.  Foto Thomas Schild / WAZ FotoPool
Der Genuss beginnt beim Kochen: Die Brüder Stefan und Christian Zurbrüggen (re. und li.) mit Hausleiter Dirk Melches (Mitte) und Teilnehmern des Kochabends in der Lehrküche des Herner Möbelhauses. Foto Thomas Schild / WAZ FotoPool
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Das Möbelhaus Zurbrüggen veranstaltet jetzt in Herne Kurse und Events. Bis zu 15 Personen stehen zusammen am Herd und verzehren anschließend gemeinsam ihr Menü.

Herne. Vielleicht ist das der Grund, dass Kochen so populär ist: Mit umgebundener Schürze lässt es sich so ungezwungen reden. Mit dem Chef eines großen Möbelhauses, der gerade sorgfältig die Sehnen vom Rindfleisch trennt. Oder mit seinem Bruder, er schneidet ein paar Meter weiter am selben Küchenblock die Zucchini in Stifte. Frühlingsrollen sollen das dreigängige Menü eröffnen, an dem ein paar Journalisten und Fotografen an diesem Abend mitwirken. Mit „Spargelzeit I“ ist am Vortag der erste Kochkurs in der Zurbrüggen-Küche über die Bühne gegangen, nun soll es ein Vierteljahr nach Eröffnung des Wohnzentrums an der Holsterhauser Straße richtig losgehen mit Kursen und Kochevents.

Natürlich haben Christian und Stefan Zurbrüggen schon am Herd gestanden in der modernen Küche mit Panoramablick und später an der langen Tafel gegessen, wie sie es gerne zu Hause mit Freunden tun. Schließlich waren es die beiden Geschäftsführer aus Unna, die beschlossen haben, dass in Herne nicht nur Möbel verkauft werden sollen. Und auch der Leiter des Hauses, Dirk Melches, hat mit seinen Nachbarn hier schon gekocht, Sushi. In Urs Bischof haben die Zurbrüggens den Mann gefunden, der ihre Idee vom gemeinsamen Genuss in ein Konzept gegossen hat. Der Koch und Caterer aus der Schweiz, der heute in Herne wohnt, hat früher u.a. in Dortmund ein Sternerestaurant geführt und die Verpflegung bei der Fußball-WM in Deutschland übernommen. Jetzt managt er mit Kerstin Heyn, die aus dem Eventbereich der Spielbank Hohensyburg kommt, das Kochstudio.

Drei Profis lassen an diesem Abend ahnen, wohin in den nächsten Monaten die kulinarische Reise geht. Alexandre Mathon, dessen französischer Akzent sich in vielen Jahren in Deutschland und der Schweiz fast verflüchtigt hat, erklärt, warum er die Enden vom Spargel abbricht: „So sieht man, ob er richtig geschält ist.“ Der Chef de Cuisine ist für die klassisch-französische Richtung zuständig. Heißt heute: „Filet mit Spargel gespickt auf Erbsensugo und knusprige Nudelnester“. Um die vegetarischen Harumaki-Frühlingsrollen kümmert sich Atsumi Aumueller aus Japan, sie kennt sich aus mit asiatischen Spezialitäten. Die Italienerin Adele Autouri lässt Blockschokolade schmelzen, für die „Torta Caprese“.Künftig wird jede(r) eigene Themenabende gestalten.

Vorkenntnisse werden nicht erwartet, schaden aber nicht. „Hobbyköche, die sich auf gehobenem Niveau fortbilden wollen“, sagt Stefan Zurbrüggen, seien willkommen wie Leute, „die noch nie groß gekocht haben“. Auch Kinder sollen das Kochen und Backen lernen. Bis zu 15 Personen finden an sechs Herden Platz, dank des Außenzugangs auch außerhalb der Ladenöffnungszeit. „Wir wollen, dass sich Leute treffen“, ergänzt Hausleiter Dirk Melches. Das können Freunde sein oder Vereine, aber auch Firmen, die jetzt schon nach Terminen in der Vorweihnachtszeit fragen.

„Fühl doch mal“, fordert Chefkoch Alexandre dazu auf, das Rinderfilet mit dem Daumen zu prüfen. Man duzt sich. Die Kochschüler sollen mitmachen und nicht nur zugucken. Deshalb orientiert sich die Küchenausstattung am (gehobenen) häuslichen Standard, abgesehen von den Kameras, die das Geschehen am Herd auf Flachbildschirme übertragen. „Was hilft mir die Profiküche“, sagt Mathon. „Die Leute möchten unter Bedingungen wie zu Hause kochen.“ Und sich nebenbei ein paar Kniffe vom Experten abgucken. Kein Olivenöl zum Anbraten! Den Spargel nach dem Aufkochen vom Herd nehmen!

Das Menü ist verzehrt, der Espresso getrunken. Auf dem Bildschirm flackert jetzt ein Feuer. „Essen ist ein Bedürfnis, Genießen ist eine Kunst“, steht an der Wand. Und Kochen kann ein Vergnügen sein.

 
 

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