Bastian Pastewka & Co führen Krimi als Live-Hörspiel auf

Bastian Pastewka & Komplizen führen das Live-Hörspiel „Paul Temple und der Fall Gregory“ im Kulturzentrum Herne auf.
Bastian Pastewka & Komplizen führen das Live-Hörspiel „Paul Temple und der Fall Gregory“ im Kulturzentrum Herne auf.
Foto: FUNKE Foto Services
„Paul Temple und der Fall Gregory“: Francis Durbridges Straßenfeger aus guten alten Radio-Zeiten wird neu aufgelegt und mit Comedy garniert.

Herne..  Einen Straßenfeger aus der guten, alten Radio-Zeit haben Bastian Pastewka & Komplizen am Freitagabend im Kulturzentrum als Live-Hörspiel auf die Bühne gebracht. Dort saßen sie, zu fünft nebeneinander, und lösten den ersten Fall der späteren Hörspiel-Kult-Serie von Francis Durbridge um den Ermittler Paul Temple: den Fall Gregory.

Durbridge? Temple? Man musste kein Hörspiel-Fan sein, wie Pastewka selbst einer ist, um eintauchen zu können in die Zeit und das Genre: Der Schauspieler und Comedian selbst sorgte für die Einführung, berichtete, dass das Stück aus dem Jahre 1949 nach seiner Ursendung aus den deutschen Rundfunkarchiven verschwunden sei, und nun, nach dem Auftauchen einiger Fragmente des deutschen Skripts, wieder aufgerollt werden konnte.

Nebel aus der Maschine

Sich das neblige London vorzustellen, in dem ein Unbekannter für eine Mädchenmord-Serie verantwortlich zeichnet, war im ausverkauften Kulturzentrum, inmitten von Hunderten Besuchern, erst mal nicht einfach, trotz Nebelmaschine. Hier wäre die kleinere, historische Flottmann-Halle die deutlich bessere Wahl gewesen.

Das Quartett arbeitete sich aber kurzweilig am Originalskript ab, das die Regie immer wieder groß über ihren Köpfen einblendete, und so entwickelte sich nach und nach eine Geschichte, die fesselte, obwohl sie, ist man ehrlich, das breite Publikum heute in Zeiten von YouTube und Serien-Streaming kaum noch hinter dem Ofen hervorlockt.

Dass der Fall Gregory nicht nur für Nostalgiker unterhaltsam war, lag an den fünf Schauspielern, die Spaß am Spielen hatten, Charme versprühten, ihre Rollen so gekonnt zu wechseln wussten — sei es durch die Benutzung eines anderen Akzents oder nur einer anderen Kopfbedeckung —, dass es eine Freude war.

Jede einzelne Szene des einstigen Straßenfegers machten sie lebendig, die im nächtlichen, verlassenen Gemäuer genauso wie die auf der rummeligen Polizeiwache, ja sogar die am morgendlichen Frühstückstisch. Pastewka und seine Mitstreiter Kai Magnus Sting, Alexis Kara, Britta Steffenhagen und Janina Sachau nutzten dabei das ganze Repertoire an Geräusch-Requisiten, ließen etwa einen Kühlschrank zufallen, wenn eine Autotür gemeint war, oder den Luftballon zerplatzen, wenn geschossen wurde, stimmten aber auch gekonnt ein Lied an, wenn es in den bei Durbridge unvermeidlichen Nachtclub ging.

Kommentare der Kollegen

Geschickter Kunstgriff, das Tüpfelchen auf dem i an dem langen, aber kurzweiligen Abend, waren die Diskussionen und der Schabernack, den die Akteure zwischen den Szenen miteinander führten, denn die drückten dem Krimi-Genre noch den Comedy-Stempel auf. Da kommentierten die Mimen die Arbeit der anderen, nicht selten süffisant, oder fragten Pastewka, der natürlich den Temple gab, nach Hintergrund-Informationen zum Autor oder Stück. Warum nur, so hieß es einmal, gab Durbridge der Temple-Gattin nur den Namen Steve? Lakonische Antwort von Pastewka: „Sollte er sie Günther nennen?“

Das Publikum brüllte, gab zum Schluss zurecht stehenden Applaus und erhielt, als Dankeschön, noch einmal ein Ständchen - natürlich wieder aus der guten, alten Zeit. „Maria aus Bahia“ - da stimmten viele beim Rausgehen gleich mit ein.

 
 

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