Bahn sucht Pächter für Kneipe mit Geschichte

Die geschlossene Gastwirtschaft am Bahnhof in Wanne-Eickel.
Die geschlossene Gastwirtschaft am Bahnhof in Wanne-Eickel.
Foto: Haenisch / Funke Foto Services
Die Gaststätte im Hauptbahnhof Wanne-Eickel war eine wahre Goldgrube, als sie die Elternvon Heinz Rühmann bewirtschafteten. Jetzt steht sie leer.

Herne..  Es ist ein Bild des Jammers, die legendäre Bahnhofsgaststätte in Wanne-Eickel steht seit einem halben Jahr leer. Einst war das Lokal eine Goldgrube, zumindest vor 100 Jahren, als die Eltern des berühmten Schauspieler Heinz Rühmanns sie gepachtet haben. Allein die Automaten, die Rühmanns Vater als einer der ersten zwischen den Wartesälen aufstellte, warfen genügend Gewinn ab, um den Lebensunterhalt der Familie sicherzustellen. Auch die Küche der Mutter soll hervorragend gewesen sein. Es gehörte zum guten Ton, samstags oder sonntags zum Essen zu Rühmanns in die Bahnhofsgaststätte zu gehen. Doch jetzt, April 2015, sind Fenster und Türen verriegelt. Nichts deutet auf den Glanz vergangener Zeiten hin. Die Bahn sucht einen neuen Pächter, händeringend, wie es scheint.

Nur ein kleines „Schlöckchen“: Heinz Rühmann, einer der bekanntesten deutschen Schauspieler, verbrachte seine Kindheit in Wanne. Dort gab der kleine Heinz schon im Alter von vier Jahren erste Proben seines Könnens. Nur das Straßenschild „Heinz-Rühmann-Platz“ vor der Gaststätte erinnert an den großen Schauspieler. In den vergangenen Jahren ist es ruhiger geworden in den Kneipe, die zuletzt den Namen „Adler 1835“ trug. Ausnahmen machten Tage mit interessanten Fußballübertragungen, die dort live gezeigt wurden, und natürlich zur Cranger Kirmes. Zuletzt standen Sonja und Mario Buongiorno hinter dem Tresen, sagten dann aber „aus persönlichen Gründen“ tschüss, wie Mario Buongiorno auf WAZ-Anfrage mitteilte.

Mit der Verpächterin, der Deutschen Bahn, habe es aber immer ein gutes Verhältnis gegeben. „Die Bahn war sehr entgegenkommend, da kann man sich nicht beklagen“, sagt Buongiorno. Auch er bestätigt, dass die Kneipe keine Goldgrube mehr war wie am Anfang des 20. Jahrhunderts. „Es reichte für ein gutes Zweiteinkommen“, erklärt der Kraftfahrer, der sich jetzt ausschließlich seinem Hauptberuf widmen will.

Die Deutsche Bahn ist auf ihrer Suche nach einem neuen Betreiber der Wanne-Eickeler Bahnhofsgaststätte noch nicht fündig geworden. Entsprechend habe man auch noch keine Renovierungen vorgenommen: „Es kommt ja darauf an, was reinkommt“, erklärte ein Bahnsprecher in Düsseldorf auf Anfrage. Die Bandbreite sei groß, von Gastwirtschaft bis zur Pommesbude.

Die Einrichtung, jedenfalls, wird völlig neu angeschafft werden müssen. „Ich habe alles mitgenommen, auch die Theke“, erklärt Mario Buongiorno.

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