Bärbel Beuermann will sich aktiv in die SPD einbringen

Michael Muscheid
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Bärbel Beuermann will sich aktiv in die SPD einbringen: Wenn sie von ihrer neuen Partei gefragt wird, möchte die ehemalige Fraktionschefin der Linken im Landtag ihr Fachwissen nutzen, sagt sie im WAZ-Interview. Ein erneutes Ratsmandat habe sie nicht angestrebt.

Herne.  In dieser Woche trat Bärbel Beuermann, die ehemalige Fraktionsvorsitzende von Die Linke im Landtag von Nordrhein-Westfalen, zur SPD über. Darüber sprach die WAZ mit der 58-jährigen Hernerin.

Vor einem halben Jahr sind Sie noch als Bundestagskandidatin für Die Linke in Recklinghausen in den Bundestagswahlkampf gezogen. Nun sind Sie zur SPD übergetreten. Wie passt das zusammen?

Beuermann: Ich bin vor den Bundestagswahlen Mitglied von Die Linke gewesen. Genossen aus Recklinghausen haben mich gefragt und gebeten, als Bundestagskandidatin zu kandidieren.

Sie sind ehemalige PDS-Frau, waren zuletzt Stadtverordnete der Linken in Herne. Zu wie viel Prozent passen Ihre politischen Überzeugungen zur SPD?

Gestatten Sie mir einen kleinen Hinweis: Die Linke ist aus dem Zusammenschluss von PDS und WASG hervorgegangen. Ich bin Mitglied der Arbeitsgruppe gewesen, die die Vereinigungspapiere auf Landesebene erarbeitet hat. Aus linker Sicht gibt es Schnittmengen, aber auch Differenzen mit der SPD – wichtig ist es doch gerade auf kommunaler Ebene, welche Vorhaben tatsächlich umgesetzt werden können.

Sind Sie von der SPD gefragt worden, ob Sie übertreten wollen, oder haben Sie selbst bei der SPD angeklopft?

Durch mein jahrelanges kommunales Engagement sowie die Tätigkeit im Regionalrat Arnsberg, dem ich zwei Legislaturperioden lang als einzige PDS-Vertreterin neben je einem SPD- und CDU-Kommunalpolitiker aus Herne angehörte, sind Arbeitsstrukturen gewachsen. Es hat vor dem Hintergrund meiner politischen Erfahrung sowie meiner fachlichen Kompetenzen Gespräche gegeben.

Können Sie sich vorstellen, bei der SPD ein Mandat zu übernehmen, etwa als Sachkundige Bürgerin nach den Kommunalwahlen mitzuarbeiten?

Meine Fach – und Arbeitsschwerpunkte sind Bildungs-, Verkehrs-, Gleichstellungs- sowie Europapolitik. Im Landtag bin ich für diese Bereiche verantwortlich gewesen. Als Vorsitzende des Ausschusses Emanzipation und Gleichstellung konnte ich mein Fachwissen als Ansprechpartnerin für Gleichstellungsfragen einbringen. Wenn ich gefragt werde, kann ich mir vorstellen, in einem dieser Bereiche tätig zu werden.

Für die Wahl zum Integrationsrat, die ebenfalls am 25. Mai parallel zur Kommunalwahl stattfindet, treten Sie für das SPD-nahe Migrantenbündnis Herne (MBH) an. Wären Sie nicht lieber erneut für den Rat angetreten, etwa für die SPD?

Für mich ist es immer wichtig gewesen, den persönlichen Horizont zu erweitern. Nein, ein erneutes Ratsmandat habe ich nicht angestrebt und dies auch schon im letzten Jahr gesagt. Mein Eintritt in die SPD erfolgte zudem erst, als der Wahlausschuss alle eingereichten Listen genehmigt hatte. Im Bereich der Integration sehe ich vielfältige Aufgaben auf Herne zukommen. Als Verbindungslehrerin zur RAA habe ich die Chancen, aber auch die Schwierigkeiten erlebt, die Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund haben. Der zukünftige Integrationsrat wird eine Bandbreite von Bereichen, wie zum Beispiel Bildung, Ausbildung, Gesundheit, Pflege, Quartiersplanung, kritisch konstruktiv begleiten.

Sie waren politisch eine prominente Figur, im Landtag bis zur letzten Wahl etwa Fraktionschefin der Linken; nun folgt auch der Abschied aus dem Rat. Wie erleben Sie diesen Sturz?

Ich sehe dies nicht als „Sturz“ an, sondern als eine Lebenserfahrung, die mich geprägt hat. Nach der Auflösung des Landtages hatte ich keine Zeit, mir Gedanken um meine persönliche Situation zu machen, da ich mit der Geschäftsführerin die Fraktion „abwickeln“ musste. Was mich tief getroffen hat, ist die zum Teil unsichere berufliche Zukunft der Mitarbeiter gewesen. Hinter jedem Arbeitszeugnis standen Einzel- und Familienschicksale, die mir zu Herzen gingen. Ende 2012 habe ich mich dann der längst überfälligen Knie-OP unterzogen.

Die Ratsfraktion von Die Linke hat sich in dieser Legislaturperiode komplett zerlegt, von der einst fünfköpfigen Fraktion ist nach Ihrem Abschied nur noch Veronika Buszewski als Einzelkämpferin übrig. Warum diese Entwicklung?

Sie erwarten jetzt sicherlich Interna. Diese werde ich nicht ausbreiten.

Sie werden sich nun stärker auf den Beruf und das Private konzentrieren können. Was haben Sie vor?

Im beruflichen Bereich erwarten mich neue spannende, arbeitsintensive Aufgaben durch die Zusammenlegung der Janosch-Schule und der Schule an der Dorneburg. Privat habe ich wieder mehr Zeit, Krimis zu lesen – und natürlich gesund zu werden.