Autorenlesung: Sterben wie die Mauersegler

Autor Christoph Poschenrieder las aus seinem Buch „Mauersegler".
Autor Christoph Poschenrieder las aus seinem Buch „Mauersegler".
Foto: FUNKE Foto Services
Christoph Poschenrieder las in der Alten Druckerei aus seinem druckfrischen Roman, der in einer Senioren-WG spielt.

Herne.  Damit hatten die Zuhörer nicht gerechnet. Sie waren neugierig auf Christoph Poschenrieders Buch über eine Altherren-Wohngemeinschaft, doch der Autor beginnt seine Lesung in der Alten Druckerei mit einem Kapitel Vogelkunde aus diesem Roman.

Nun, da muss das Publikum durch, schließlich lautet der Buchtitel „Mauersegler“. Die Hauptfigur beneidet die Vögel um ihr rasches Lebensende, und damit klingt das Thema des Romans an. Flügel falten und vom Himmel fallen: So will auch Ich-Erzähler Carl sterben, und seine vier Freunde sehen es ähnlich. „Es wird schon noch lustiger“, versichert der Autor, der erst zum zweiten Mal aus dem druckfrischen Buch vor Publikum liest, und damit verspricht er nicht zu viel.

Carl, der Chronist der Herrenrunde, berichtet unaufgeregt über das finale gemeinsame Projekt der erfolgsgewohnten Alpha-Tiere, die ihren Abgang selbst in die Hand nehmen wollen. Zunächst genießen sie gemeinsam in einer Villa am Starnberger See ihren Ruhestand. Eine Pflegerin aus Kirgisien hat belebende Wirkung auf die Senioren, doch sie kann drohendes Leid nicht aufhalten. Die fünf Freunde verabreden Sterbehilfe beim selbstbestimmten Abgang, und der Computer-Crack der Runde schreibt ein „Todesengel-Programm.“ Carl steht zu seiner Verantwortung und findet sich mit zwei blanken Kupferkabeln in der Hand am Sterbebett seines Freundes. Was folgt, ist elektrisierend und nicht der einzige Todesfall.

Poschenrieder wurde 1964 in Boston geboren, hat in München studiert und konzentriert sich heute aufs Schreiben. Eine Fortsetzung seines Romans werde es nicht geben, kündigt der Autor mit unbewegter Miene an, aus Mangel an literarischem Personal.

 
 

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