Aus Schülern werden Unternehmer

Tabea Beissert
Die Existenzgründer Angela Dziewas-Farah (Brandschutzpläne) und Dirk Warschun (Modellbau) erzählen beim „Gründertalk“ von ihren Erfahrungen.
Die Existenzgründer Angela Dziewas-Farah (Brandschutzpläne) und Dirk Warschun (Modellbau) erzählen beim „Gründertalk“ von ihren Erfahrungen.
Foto: Michael Korte
Zwei junge Herner Existenzgründer besuchten eine Projektgruppe im Berufskolleg und standen zum Thema Selbstständigkeit Rede und Antwort

Herne.  Viel Arbeit liegt vor den Schülern der Fachoberschulklasse 13 des Berufskollegs am Westring. Nach der Ideenfindung für eine Geschäftsidee müssen sie nun binnen drei Monaten einen fiktiven Businessplan erstellen. Gerade zu Beginn der Projektzeit können sie jede Hilfe gebrauchen und so bot sich ihnen nun die Möglichkeit, Ratschläge von Unternehmern zu bekommen, die den Schritt in die Selbstständigkeit bereits erfolgreich gewagt haben.

„Ich bin froh dass ich mich für die Selbstständigkeit entschieden habe“, sagt Dirk Warschun. Der 42-Jährige machte im Mai 2011 sein Hobby zum Beruf und gründete eine auf den Handel im Modellbaubereich spezialisierte Firma und legt seinen Schwerpunkt auf die Kundenberatung. Für die fiktiven Existenzgründer hat er einen Tipp: „Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass es unheimlich wichtig ist, sich einen Unternehmensberater zu suchen. Ansonsten wird man betriebsblind und sieht den Verbesserungsbedarf selbst gar nicht.“

Angela Dziewas-Farah machte sich im April 2012 mit einer ungewöhnlichen Tätigkeit selbstständig: Die 29-Jährige erstellt Flucht- und Rettungspläne. Die Stadtwerke und die Sparkasse zählten zu ihren ersten Kunden, heute erhält sie bereits Anfragen aus Bayern.

Tipps für den Businessplan

Dziewas-Farah hat zur Anschauung ihren Businessplan mitgebracht. So bekommen die Schüler einen ersten Einblick in das große Unbekannte. Der Businessplan stellte Dziewas-Farah damals ebenso wie Warschun für eine unmöglich erscheinende Aufgabe: „Wie sollte ich meine späteren Einnahmen einschätzen können? Ich fühlte mich wie eine Wahrsagerin“, erinnert sie sich. Susanne Stegemann von der Gründungsberatung der Wirtschaftsförderung weiß Rat: „Am besten ist es, von unten anzufangen, zunächst seine Ausgaben aufzulisten. Daraus kann man ablesen, was erwirtschaftet werden muss“, rät sie den Schülern.

Bei der Frage, worauf die Schüler bei der Planung besonders achten sollen, nennt Warschun wichtige Aspekte: „Ihr müsst unbedingt einen Bereich haben, in dem ihr euch richtig gut auskennt. Dann müsst ihr viel Zeit investieren und vor allem auch auswärtige Hilfe annehmen.“ Dziewas-Farah kann das nur bestätigen: „Sprecht mit möglichst vielen Leuten über eure Ideen, denn jeder hat irgendeinen Tipp oder neue Sichtweisen.“

Einige Ideen haben Potenzial

Bei so vielen guten Ratschlägen stört den einen oder anderen Schüler dann aber doch eines: „Wieso müssen unsere Ideen fiktiv bleiben? Können wir unsere Projekte nicht auch realisieren?“, fragt einer. Schnell entfacht eine Diskussion über die Effektivität der einzelnen Vorschläge. Und tatsächlich: die eine oder andere Idee ließe sich umsetzen. Der Unternehmergeist der Schüler hat nun drei Monate Zeit, sich zu festigen.

An der bundesweiten Gründerwoche, die auf die Themen Existenzgründung und Selbstständigkeit aufmerksam machen will, beteiligt sich das Berufskolleg für Wirtschaft und Verwaltung auch in diesem Jahr wieder mit seinem Projekt „Start-up at school“. Ziel des Kooperationsprojektes mit dem Startercenter NRW der Wirtschaftsförderung und der Koordinierungsstelle Mittelstand der Stadtverwaltung ist es, dass die Schüler der Fachoberschulklasse 13 innerhalb von drei Monaten einen Businessplan für eine fiktive Selbstständigkeit erstellen.

Projekt macht Schüler fit für die Selbstständigkeit

Für die Planung einer Firmengründung stehen ihnen dabei Experten zur Seite, die die Schüler im Laufe der Monate in Vorträgen über Themen wie Finanzierung, Marketing, Steuern oder auch Versicherungen informieren. Am Ende des Projekts steht die Präsentation der Businesspläne. Im November werden diese in der Filmwelt einer Fachjury bestehend aus einem Banker, je einem Vertreter der Wirtschaftsförderung, des Wirtschaftsministeriums und des Berufskollegs sowie dem Oberbürgermeister vorgestellt.

Die Fachoberschule 13 bietet berufserfahrenen Schülern die Möglichkeit innerhalb eines Jahres am Berufskolleg ihr Abitur zu machen. Die Teilnahme am Projekt ist fester Bestandteil des Unterrichts und Teil der Abiturnote.