Auf den Spuren der Geschichte des Eickeler Kinderheims

Maria Laboda lebt im Seniorenheim an der Hirtenstraße, dort, wo früher einmal das Kinderheim stand, an das die Eickelerin sich noch erinnert. Zeitzeugen wie sie sucht Horst Schröder nun.
Maria Laboda lebt im Seniorenheim an der Hirtenstraße, dort, wo früher einmal das Kinderheim stand, an das die Eickelerin sich noch erinnert. Zeitzeugen wie sie sucht Horst Schröder nun.
Foto: WAZ FotoPool
Seit Monaten recherchiert Horst Schröder, besser bekannt als „Graf Hotte“ und engagierter Wanne-Eickeler, die Anfänge des evangelischen Kinderheims in Eickel, das 1895 gegründet wurde. Einiges konnte er dazu schon zusammentragen. Nun sucht er Zeitzeugen, die im Eickeler Kinderheim gelebt haben.

Wanne-Eickel..  Auf die Lücke in der Eickeler Stadtgeschichte ist Horst Schröder, besser bekannt als „Graf Hotte“ und ebenso bekennender wie engagierter Wanne-Eickeler, eher durch Zufall gestoßen, als er eine Chronik über das 100-jährige Bestehen des evangelischen Kinderheims Herne in die Hand bekam. „Über die Anfänge des Kinderheims Eickel war kaum etwas enthalten, weil die Informationen fehlten“, so Schröder. In Absprache mit Heimleiter Volker Rhein und ausgestattet mit entsprechenden Vollmachten, machte sich Schröder daran, die Lücke zu schließen, recherchiert seit Monaten im Stadtarchiv, in der Stadtbibliothek, in Museen, sichtet Fotos, und Zeitungsartikel, wälzt Bauakten und Katasterauszüge.

Gegründet im Jahr 1895

Einiges hat er schon herausfinden können. Dass das erste Kinderheim in Eickel an der Richard-Wagner Straße (damals: Bismarckstraße) stand, dort, wo sich heute das alte Gemeindehaus befindet; dass die ersten Kinder am 17. Dezember 1895 einzogen, dass das Heim zur Kirchengemeinde Eickel gehörte und unter Leitung des Diakonischen Werkes stand. „Das Haus wurde aber schnell zu klein“, berichtet Schröder. Deshalb habe sich die Gemeinde entschlossen, ein neues Heim zu bauen: An der Kanonierstraße, der heutigen Hirtenstraße, wo das Seniorenzentrum Ludwig-Steil-Haus beheimatet ist. 127 Jungen und Mädchen zogen dort 1904 ein, wie einem Bericht der Wanner Zeitung anlässlich des 25-jährigen Bestehens des Kinderheims anno 1920 zu entnehmen ist.

Um Volksschule erweitert

Das Gebäude selbst wurde immer wieder umgebaut und erweitert, zum Beispiel durch eine Volksschule. „Die Kinder blieben wohl fast ausschließlich auf dem Gelände“, vermutet Schröder. Doch in den 20er Jahren kamen immer weniger Kinder ins Heim an der Kanonierstraße, 1924 waren es höchstens noch halb so viele wie anfangs. Was tun mit dem großen Gebäude? „Die Eickeler waren damals schon sehr fortschrittlich“, schmunzelt Schröder. „Sie entschlossen sich, Kinder und alte Menschen unter einem Dach zusammenzubringen – ein Mehrgenerationenhaus würde man heute sagen.“ Sechs Senioren zogen zunächst in die nicht mehr benötigten Schulräume. 1928 wurde das Altenheim offiziell eingeweiht: Es bot 40 Bewohnern Platz und stand wie das Kinderheim unter Leitung von Schwester Luise Schlotte.

Doppelnutzung bis 1943

Bis 1943 blieb diese Doppelnutzung bestehen. Dann wurde das Haus wegen der Bombenangriffe evakuiert; Kinder haben seitdem dort nicht mehr gewohnt. Obwohl schwer zerstört, wurden die Keller des Heims nach dem Krieg sechs Jahre lang als Notwohnungen genutzt. 1951 wurde das Heim offiziell geschlossen. Drei Jahre später eröffnete es dann als reines Altenheim wieder neu. Und ist seitdem – wie vormals das Kinderheim – etliche Mal umgebaut worden. Heute bietet es unter Leitung des evangelischen Johanneswerkes 87 betagten Bewohnern Platz.

Nur Felder und Wiesen

Die Fakten hat Horst Schröder so weit zusammen tragen können. Doch es interessiert ihn darüber hinaus, wie die Kinder in dem Heim gelebt haben, wie sich die Eickeler daran erinnern. Und deshalb sucht er Zeitzeugen wie die 89-jährige Maria Laboda, die heute im Ludwig-Steil-Haus wohnt. „Das Kinderheim gehörte immer zur Stadt dazu“, erinnert sie sich. Obwohl: „Man sprach nicht viel darüber.“ Und die Kinder hätten auch durchaus Angst vor den Schwestern gehabt. Außer dem Kinderheim habe es im Umfeld nur wenige Gebäude gegeben: „Es gab hier nur Felder und Wiesen. In der Nähe war noch eine große Gärtnerei“, erzählt Maria Laboda. Sie erinnert sich auch noch an einen aus Backsteinen gebauten Stall im hinteren Bereich des Geländes: „Es gab ja damals viele Bauern hier.“

Zeitzeugen können sich mit Horst Schröder telefonisch unter 0171 4568937 oder info@grafhotte.de in Verbindung setzen.

 
 

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