Apotheken-Sterben setzt sich fort

Redaktion
Zum 1. Juli schließt die Hafen-Apotheke an der Roonstraße in Horsthausen. Ein neuer Pächter ist bisher nicht gefunden worden.
Zum 1. Juli schließt die Hafen-Apotheke an der Roonstraße in Horsthausen. Ein neuer Pächter ist bisher nicht gefunden worden.
Foto: WAZ FotoPool
Mit dem Aus der Hafen-Apotheke zum 1. Juli gibt es in Horsthausen keine wohnortnahe Versorgung mehr. Seit 2007 sind in Herne und Wanne-Eickel zehn von 42 Apotheken geschlossen worden. Dieser Trend werde anhalten, sagt der Apotheken-Sprecher.

Herne.  Das Apotheken-Sterben hält an: Die Hafen-Apotheke an der Roonstraße schließt zum 1. Juli ihre Pforten. Nach Baukau wird damit auch Horsthausen ohne Apotheke sein. Heißt: Für rund 20 000 Menschen in diesen Stadtteilen gibt es keine wohnortnahe Versorgung mehr. „Dieser Trend wird sich weiter fortsetzen“, befürchtet Heribert Lauck, Apothekensprecher für Herne und Wanne-Eickel.

32 Apotheken wird es nach dem Aus der Hafen-Apotheke in Herne geben. Zum Vergleich: 2007 waren es noch 42. Allein 2012 ließen fünf Apotheken in Herne und Wanne-Eickel die Rolladen herunter.

Er gebe aus gesundheitlichen Gründen auf, erklärt Ha Thai, der seit elf Jahren Pächter der Hafen-Apotheke ist. Eine Nachfolgeregelung scheiterte (bisher) aus wirtschaftlichen Gründen. „Wir hatten einige Interessenten“, berichtet das Inhaber-Ehepaar Ingrid und Dieter Waldschmidt, das die über 100 Jahre alte Apotheke von 1970 bis 2002 selbst geführt hatte. Die Bedingungen erschienen den Bewerbern jedoch nicht attraktiv genug.

Ein großer Nachteil: Im Umfeld der Hafen-Apotheke ist nur eine Arztpraxis zu finden. „Das reicht nicht aus zum Überleben“, sagt Apotheken-Sprecher Heribert Lauck. Mindestens zwei müssten es zur Existenzsicherung schon sein. Auch hier ist der Trend der Feind von vielen Apothekern: So ist allgemein eine Konzentration von niedergelassenen Medizinern in Ärztehäusern, häufig in Zentren oder in Nähe von Kliniken, zu beobachten, berichtete jüngst die Apotheken-Kammer Westfalen-Lippe.

„Große“ locken mit Rabatten

Doch auch der Konkurrenzkampf setzt einigen zu: Vor allem „große“ Apotheken in Innenstadtlagen gewährten Rabatte, bei denen die Apotheken in den Stadtteilen nicht mithalten könnten, sagt Heribert Lauck. Die Politik trage eine große Mitschuld an der Entwicklung: „Sie hat uns in den vergangenen Jahren sehr gebeutelt“, kritisiert Lauck. Zumindest einem Wettbewerbsnachteil für die „Kleinen“ werde jetzt ein Riegel vorgeschoben: Der Bundestag habe beschlossen, dass Boni auf rezeptpflichtige Medikamente künftig nicht mehr zulässig seien.

Zurück nach Horsthausen. Stadt und Politik hoffen, dass sich im Zuge des Neubaus eines Edeka-Marktes an der Diedrichstraße auch Arzt und Apotheker dort ansiedeln. Der Wunsch hat sich bisher nicht erfüllt. „Wir haben hier als Verwaltung keine Steuerungsmöglichkeit“, so Stadtsprecher Christoph Hüsken.

Konkurrenz durch Versandapotheken

Auch Versandapotheken, die Arzneimittel übers Internet verschicken, sorgen bei niedergelassenen Apothekern für Umsatzeinbußen. Dabei böten sie bei der Versorgung keine Vorteile, so Hernes Apotheken-Sprecher Heribert Lauck.

„Bei einer Erkrankung sind die Patienten darauf angewiesen, unmittelbar mit den vom Arzt verordneten Arzneimitteln versorgt zu werden“, berichtet Lauck. Wenn man das Rezept erst einscannen oder per Post beziehungsweise Fax an eine Versandapotheke schicke und dann mehrere Tage auf die Lieferung warte, könne es zu spät sein.

In den Herner und Wanne-Eickeler Apotheken werde dem Kunden dagegen umgehend geholfen. Auch direkt ans Krankenbett könne geliefert werden.