Angst um Stühle - Herner Frisör schmeißt dicke Kundin raus

Tobias Mühlenschulte
Weil sie zu dick war, schmiss ein Frisör in Herne die Kundin aus seinem Salon.
Weil sie zu dick war, schmiss ein Frisör in Herne die Kundin aus seinem Salon.
Foto: WAZ FotoPool
Ein Frisör aus Herne hat eine übergewichtige Kundin aus seinem Geschäft geschmissen. Aus Angst um sein Mobiliar, so begründet der Salon-Inhaber. Die betroffene Frau aus dem Stadtteil Horsthausen ist entsetzt über das Verhalten des Geschäftsmanns.

Herne. Eine stark übergewichtige Frau (53) aus Horsthausen ist fassungslos. Wegen ihres Körpervolumens weigert sich ihr Stammfrisör, sie weiterhin in seinem Salon in Herne-Mitte zu bedienen. „Kunden ihres Kalibers machen meine Stühle kaputt“, soll der Geschäftsführer vor wenigen Tagen zu der Frau gesagt haben – lautstark und vor anderen Kunden und Mitarbeiterinnen. Dieses eine Mal solle sie noch bedient werden, aber in Zukunft solle sie nicht mehr wiederkommen.

Der mit dem Vorwurf konfrontierte Frisör ist sich keiner Schuld bewusst und bleibt bei seiner Meinung: „Wir können Leute mit diesem Übergewicht nicht mehr bedienen. Die Stühle gehen kaputt und ich habe die Schnauze voll von den ganzen Reparaturen!“ Eine Sache möchte er allerdings richtigstellen: „Ganz leise“ will er die 53-Jährige über seine Entscheidung informiert haben.

Frisör verwies auf Schadensfälle durch andere dicke Kunden

Das hat diese ganz anders in Erinnerung: Ihre Frisörin habe sie noch freundlich begrüßt und zu einem Bedienungsplatz geführt, der Chef sei hinterhergegangen und habe sie dann mitten im Laden bloßgestellt.

Wie viel die stark Übergewichtige auf die Waage bringt, möchte sie nicht verraten. „Im Laden habe ich noch gesagt, dass ich schon seit über sechs Jahren komme und noch nie etwas kaputt gemacht habe“, so die 53-Jährige. Das sei ihm egal, habe der Frisör gesagt und auf Schadensfälle durch andere dicke Kunden verwiesen. Daraufhin habe sie fluchtartig den Laden verlassen, so die Horsthauserin.

Salon-Inhaber urteilt nach Augenmaß

Der Frisör spricht von defekten Ölpumpstühlen und von verbogenen und abgebrochenen Rückenlehnen, die er schon wegen zu schweren Kunden habe anschweißen lassen müssen. „Die wiegen 140 bis 150 Kilo“, so der Mann, der seine Sorgfaltspflicht gefährdet sieht: „Wenn die Rückenlehne abbricht und einer mit dem Hinterkopf aufschlägt, habe ich ein Problem.“ Wo er die Grenze beim Gewicht ziehe? Das schätze er mit dem Auge ab, so der Salon-Inhaber.

Und der legt noch nach: „Die sind ja auch noch unverschämt! Wenn sie für meine Mitarbeiterinnen zu schwer sind, um sie auf den Stühlen zum Waschbecken zu rollen und diese sie bitten, kurz aufzustehen, lehnen einige das ab.“ Wer nicht einsichtig sei, werde nicht bedient. „Auch Dreckspatzen werden nicht bedient.“ Er habe kein Interesse an einer alternativen Lösung für die von ihm vertriebene Kundin: „Sie hat das Recht, zu einem anderen Frisör zu gehen. Und ich habe das Recht, sie nicht zu bedienen.“