Alte Rechnungen, grüne Daumen

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Das Politgeflüster am Samstag: Zu Gast in der SPD-Gerüchteküche. Und: Die CDU spart sich die Nominierung ihres Bundestagskanditaten. Und nicht zuletzt: der grüne Daumen eines SPD-Fraktionschefs.

Herne..  Dreimal werden wir noch wach. . . . Nein, liebe Leser, auch in diesem Politgeflüster können wir Ihnen Neues aus der SPD-Gerüchteküche nicht ersparen – schließlich gibt’s den Showdown erst auf der Wahlkreiskonferenz am Dienstag. Und Uwe Knüpfer hat ja auch etwas Platz in diesem bei Genossen sehr beliebten Wohnbereich gemacht. Mit seinem raschen Rückzug nach dem Desaster beim Parteitag dürfte er mit der Theorie aufgeräumt haben, dass er sich nur beworben hat, um Michelle Müntefering zu helfen/zu schaden. Eine Frage drängt sich dafür umso mehr auf: Was hat den Mann dazu getrieben, in seiner Heimatstadt anzutreten? Und: Wie kann ein „Vorwärts“-Chefredakteur ein derart schlechtes Gesamtbild als Kandidat abgeben?

Rückblick auf 2004

Vom Rätsel-Salon zurück in die Gerüchteküche. Ganz heiß gekocht: Die SPD Bochum wolle alte Rechnungen mit den Genossen in Herne begleichen und für Anke Hildenbrand stimmen. Diese scharfe These zielt auf die Landtagswahl 2004, als sich der Bochumer Kandidat Serdar Yüksel im Wahlkreis 109 (Bochum-Mitte/Wattenscheid/Eickel) intern gegen die damalige NRW-Familienministerin Birgit Fischer, Favoritin der SPD in Bochum-Mitte, durchsetzte. Die Eickeler SPD-Delegierten spielten damals das Zünglein an der Waage. Die Rache-Theorie hat jedoch Haken. Der Krummste: Serdar Yüksel wurde damals von der Wattenscheider SPD auf den Schild gehoben, nicht in Herne. Und sogar eine noch ältere Geschichte wird ausgegraben: Die Bochumer SPD hatte 2002 gegen Gerd Bollmann überraschend Juso-Bundes-Chef Benjamin Mikfeld ins Rennen geschickt, der dann nur knapp unterlag – auch deshalb, weil er aus Herne Stimmen erhalten hatte. Über einen Kai-aus-der-Kiste-Kandidaten aus der Nachbarstadt muss sich die Herner SPD diesmal aber keine Sorgen machen: Die Bochumer SPD-Stadtbezirksvorsitzenden Susanne Mantesberg (Nord) und Carina Gödecke (Ost) haben gegenüber der WAZ ausgeschlossenen, dass sie einen eigenen Bewerber ins Rennen schicken.

Duddas grüner Daumen

Die Rolle der Eickeler Genossen als Zünglein an der Waage könnte die SPD Börnig/Holthausen spielen, nachdem deren Wunschkandidat Knüpfer ausgeschieden ist. Eine Favoritin gebe es nun nicht im Ortsverein, beteuerte Vorsitzender Jörg Högemeier gegenüber der WAZ. Jeder der acht Delegierten werde sich am Dienstag frei und demokratisch entscheiden.

Die CDU erspart sich diesmal den lästigen demokratischen Klimbim und stellt ihren Bundestagskandidaten mal ganz anders auf. Nämlich: durch öffentliche Proklamation, vorgenommen von der CDU-Arbeitnehmerschaft (CDA). „Herner CDA begrüßt Bundestagskandidatur von Ingrid Fischbach“ lautet der Titel eine Pressemitteilung der christdemokratischen Arbeitsgemeinschaft. Die Mitglieder und der Vorstand der CDA freuten sich, so wird Vize Peter Neuman-van Doesburg zitiert, dass Fischbach „damit die Gelegenheit erhält, an ihre erfolgreiche Tätigkeit der letzten Jahre anzuknüpfen“. Die WAZ-Nachfrage in der zunächst etwas irritierten CDU-Geschäftsstelle ergab dann allerdings, dass Fischbach nicht mal eben von der CDA nominiert worden war, sondern die Wahl erst auf der Konferenz am 1. Dezember erfolgt.

Als großer Freund der Grünen ist SPD-Fraktions-Chef Frank Dudda trotz der Ratskooperation nicht bekannt. Immerhin besitzt Dudda aber einen „grünen Daumen“. Das erfuhr die Öffentlichkeit durch eine Pressemitteilung von Verdi-Sekretär Norbert Arndt, in der die politischen Verdienste des Fraktions-Chefs im Kampf gegen den Personalabbau bei Stadtgrün ausdrücklich gewürdigt wurden. Übrigens: Für die OB-Wahl 2015 (oder vielleicht doch 2014?) hat Sozialdemokrat Arndt den Mann mit dem grünen Daumen in seiner Pressemitteilung noch nicht nominiert. Ist ja auch noch ein bisschen Zeit.

 
 

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