ADFC will in Herne Migranten fürs Radfahren gewinnen

Ute Eickenbusch
Migrantinnen lernen Radfahren - hier ein Archivbild aus Bochum.
Migrantinnen lernen Radfahren - hier ein Archivbild aus Bochum.
Foto: Ingo Otto / WAZ FotoPool
Der Bundesvorsitzende und SPD-Ratsherr Ulrich Syberg trug dem Integrationsrat Studienergebnisse vor und regte Fahrradschulen an.

Herne. Auf dem Weg in eine fahrradfreundliche und damit auch klimafreundliche Stadt möchte der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC) auch die zugewanderten Herner und Hernerinnen mitnehmen. Neue Erkenntnisse über deren Mobilitätsverhalten trug jetzt Ulrich Syberg dem Integrationsrat vor. „Fahr Rad - ein Stück Integration“ hatte der ADFC-Bundesvorsitzende seine Präsentation überschrieben.

Ziel des ADFC sei ein Verkehrssystem, das verschiedene Verkehrsmittel verbinde und in dessen Mittelpunkt das Fahrrad stehe. 82 Prozent wünschten sich heute schon eine andere Mobilität, so Syberg - weg vom Auto, hin zu Bus und Bahn, Radfahren und zu Fuß gehen. Mangels deutscher Untersuchungen griff Syberg auf Zahlen aus Portland/USA zurück, wo eine Studie vier Typen von Radfahrern ausgemacht hatte. Nur 0,5 Prozent gelten als „stark und furchtlos“, sie nutzen täglich das Rad. Für 6,5 Prozent ist das Rad Hauptverkehrsmittel, für 33 Prozent kommt Radfahren gar nicht in Frage. Bleiben 60 Prozent, die sich als „interessiert, aber besorgt“ einstufen. „Die müssen wir abholen“, sagte Syberg und für sie müssten sichere Radwege gebaut werden.

Zur „Alltagsmobilität von Menschen mit Migrationshintergrund“ zitierte Syberg aus einer gleichnamigen Studie von Dirk Wittkowsky (2012). Tenor: Nicht nur Ausländer und Deutsche unterscheiden sich, sondern auch unterschiedliche Nationalitäten sowie Männer und Frauen. Wittkowsky fand z.B. heraus, dass von Befragten ohne Migrationshintergrund jeder vierte täglich oder fast täglich Rad fährt, von Migranten dagegen nur 17 Prozent. Die Infrastruktur müsse es ermöglichen, dass alle Menschen von „8 bis 80“ (so auch ein internationaler Slogan) sicher fahren könnten, was z.B. in Holland möglich sei, wo Radfahren zum kulturellen Leben gehöre.

Neben einer sicheren Infrastruktur regte Syberg an, Radfahrschulen anzubieten, auch für Migrantinnen und Migranten, die nicht Rad fahren könnten, und gemeinsame Radtouren zu organisieren.