Zirkus Max Renz reagiert auf Protest

Laut Katharina Renz fühlen sich die Tiere wohl.
Laut Katharina Renz fühlen sich die Tiere wohl.
Foto: Heiko Kempken/WAZ FotoPool
Demo-Video von Tierrechts-Organisation zeigt in einer Szene Bilder aus einem anderen Zirkus. Familienunternehmen wehrt sich gegen Vorwürfe der „Sklavenhaltung“ und Tierquälerei.

Dinslaken..  „Wir haben nichts zu verbergen. Unsere Tiere werden gut behandelt.“ Mit diesen Worten reagiert Katharina Renz vom Zirkus Max Renz, der gerade in Dinslaken gastiert, auf Proteste der Tierrechtsorganisation „animal-peace Tierhof“. Rund 15 Anhänger hatten am Wochenende mit Schildern und Plakaten für Aufsehen gesorgt. Wie ein Video im Internet zeigt, sprachen die Aktivisten Zirkus-Angestellte und Besucher an, behaupteten, dass den Tieren Gewalt angetan würde. Katharina Renz widerspricht. „Aus welchem Grund sollten wir das tun? Die Tiere würden gar nicht mehr mit uns arbeiten, wenn wir sie schlagen würden.“ Reinhold Kassen, Medienkoordinator von „animal-peace“, sagt dagegen: „Ein Zirkus kommt um Gewalt nicht herum.“ Er spricht von Stockschlägen und Futterentzug.

Angespannte Situation

Es sind zwei Ansichten, die konträrer wohl kaum sein könnten. Auf der einen Seite steht Katharina Renz mit ihrer Familie - seit Jahren ziehen sie als Zirkus mit Tieren durch die Region; auf der anderen Seite stehen Tierrechtler, die „Tierhaltung als moderne Sklavenhaltung“ betrachten. Dementsprechend angespannt war die Situation am vergangenen Wochenende. Über die Geschehnisse gibt es unterschiedliche Aussagen. Fakt ist: letztendlich war die Polizei vor Ort, wie die Kreispolizeibehörde Wesel bestätigte.

„Wir waren nicht in bösartiger Absicht dort, wollten mit den Leuten reden und auf dem Gelände filmen“, sagt Kassen. Frau Renz hatte zunächst zugestimmt. Doch - wie sie sagt - habe sie aus Angst, verzerrt dargestellt zu werden, das Filmen auf Anraten ihrer Söhne doch nicht erlaubt. Als sie nun das Video der Protest-Aktion sah, habe sie sich bestätigt gefühlt. „Am Anfang sind Raubtierszenen zu sehen, wir haben aber gar keine Raubtiere“, so Renz. Es entstehe ein falscher Eindruck. Kassen sagt, man habe versucht, das Video eindeutig zu halten. Es spiele für ihn aber keine Rolle, „ob das Wildtiere oder Fluchttiere sind. Zirkus mit Tieren ist falsch.“ Katharina Renz entschied sich wegen der Vorkommnisse dazu, der NRZ all ihre Tiere samt Haltung zu zeigen. Soweit das ein Nicht-Fachmann beurteilen kann, wirken die drei Ziegen, zwei Lamas, das Kamel, die zwei Esel, fünf Großpferde, sechs Ponys und acht Hunde nicht unglücklich oder ungesund. Die Tiere werden laut Renz wechselweise in Boxen (für Pferde ähnlich wie bei Reiterhöfen) und auf Freiflächen gehalten, im Rhythmus von zwei Stunden.

„Zoos und Zirkusse sind besonders in der Schusslinie. Was ist mit Katzen oder Hunden, die ständig in der Wohnung sind und sich nicht mehr in der Natur dreckig machen?“, fragt Renz. Tierrechtler Kassen, der selbst Hund und Katzen hat, meint, man könne „ein Unrecht nicht mit einem anderen aufwiegen“. Tiere sollten so artgerecht wie möglich leben können.

Regelmäßige Behörden-Kontrollen

Über Zirkusse mit Tieren lässt sich streiten. Fakt ist aber, dass Max Renz die gesetzlichen Bestimmungen bei Kontrollen laut Aussagen der Behörden immer eingehalten hat. Jedes Zirkus-Unternehmen wird regelmäßig kontrolliert.

Katharina Renz zeigt all ihre Genehmigungen, die sorgfältig in einem Ordner abgeheftet sind: Die des Veterinäramtes, Pferdepässe, Impfbücher, Dokumentationen über Hufpflege, Wurmkuren, Medikamente, Tierwechsel. Das Veterinäramt des Kreises Wesel hat bisher keine Beanstandungen gehabt. „Da gab es nie Probleme. Die haben sich immer gut um ihre Tiere gekümmert“, sagt die zuständige Amtstierärztin Dr. Katja Brandt. Sie kontrolliert den Zirkus immer im Winterlager zwischen November und Dezember. Bis März hat Zirkus Max Renz - was nicht selbstverständlich ist - einen festen Wintersitz in Wesel.

„Der Zirkus richtet sicherlich nicht so großes Übel an wie andere“, sagt Kassen. „Aber wir protestieren gleichermaßen gegen alles.“ Ob er denn auch gegen einen Zirkus nur mit Tieren wie Hunden oder Katzen protestieren würde? „Da stünde ich wahrscheinlich nicht davor“, so Kassen. „Wir haben größere Feinde.“ Katharina Renz spricht von Vertrauen zwischen Mensch und Tier, sagt: „Unsere Tierrassen wollen selber arbeiten. Wir überbeanspruchen die Tiere nicht. Und wenn sie etwas nicht wollen, lassen wir sie auch.“

 
 

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