Zeelink könnte durch sensible Bereiche laufen

Die Stadt Voerde und die Wasserwerke Dinslaken sehen beim Zeelink-Projekt während der Verlegung des Rohrleitungssystems ein Gefahrenpotenzial. Gelsenwasser, Betreiber des Wasserwerkes Bucholtwelmen, lehnt den Korridor ab.
Die Stadt Voerde und die Wasserwerke Dinslaken sehen beim Zeelink-Projekt während der Verlegung des Rohrleitungssystems ein Gefahrenpotenzial. Gelsenwasser, Betreiber des Wasserwerkes Bucholtwelmen, lehnt den Korridor ab.
Foto: Privat
  • Neue Erdgasfernleitung könnte durch sensible Gebiete verlaufen
  • Trasse berührt Trinkwasserschutzgebiete
  • Stadt Voerde äußert in ihrer Stellungnahme Kritik an den Plänen

Voerde/Hünxe..  Die von der Open Grid Europe GmbH geplante neue Erdgasfernleitung Zeelink II könnte durch (hoch)sensible Gebiete verlaufen: Der Korridor, den die Vorhabenträgerin für die Pipeline bevorzugt, berührt sowohl in Voerde als auch in Hünxe Bereiche der dortigen Trinkwasserschutzgebiete. Der Grad der Betroffenheit ist offenbar unterschiedlich, die jeweiligen Stellungnahmen im laufenden Raumordnungsverfahren fielen dazu anders aus: Gelsenwasser, Betreiber des Wasserwerkes Bucholtwelmen, das die Voerder und die Hünxer mit Trinkwasser versorgt, lehnt den Vorzugskorridor „kategorisch“ ab, weil dieser die Schutzzone I und II von mehreren Brunnen der Wassergewinnung „Glückauf“ kreuze. Es handele sich um eine hochrangige Schutzzone. „Das geht aus unserer Sicht gar nicht“, erklärte Ulrich Peterwitz, Leiter der Abteilung Wasserwirtschaft, auf Anfrage der NRZ. Gelsenwasser plädiere für einen anderen Trassenverlauf östlich von Hünxe.

Keine grundsätzlichen Bedenken gegen den geplanten Verlauf der Erdgasfernleitung haben indes die Wasserwerke Dinslaken. Die Pipeline könnte durch äußere Teilbereiche (Zone III A) des Trinkwasserschutzgebiets Löhnen verlaufen. Im dortigen Wasserwerk gewinnt das Tochterunternehmen der Stadtwerke Dinslaken Trinkwasser für die Dinslakener Bevölkerung. Zwar lehnt man den Vorzugskorridor von Open Grid Europe nicht ab, fordert aber, bei den konkreten Planungen und Bauvorhaben im Rahmen der weiteren Verfahren eingebunden zu werden.

Spezielle Vorrichtungen gefordert

In ihrer Stellungnahme weisen die Wasserwerke auf die „speziellen hydrogeologischen und hydraulischen Verhältnisse“ hin, die bei der Verlegung des Rohrleitungssystems zu beachten seien: Insbesondere müssten Maßnahmen und Vorrichtungen getroffen werden, um zu verhindern, dass während der geplanten Baumaßnahme wassergefährdende Stoffe – etwa beim Betrieb von Baumaschinen und Transportfahrzeugen – in den Untergrund gelangen.

Der geplante Neubau der Fernleitung hängt mit der Umstellung von L-Gas auf H-Gas (höherer Methangehalt) zusammen. Auch die Stadt Voerde, weist in ihrer Stellungnahme zum Raumordnungsverfahren – dazu lagen, wie berichtet, die Unterlagen vom 9. Mai bis 1. Juli öffentlich aus – auf ein Gefahrenpotenzial durch die geplante Gaspipeline in der Bauphase etwa durch austretenden Kraftstoff aus den Maschinen hin: „Da muss ausreichend Vorsorge getroffen werden“, die Stadt rufe den Vorhabenträger zu „äußerster Vorsicht“ auf, erklärt Voerdes Dezernent Wilfried Limke. Im fertigen Ausbauzustand sieht er von der Erdgasfernleitung eher keine Gefahr ausgehen. „Wir sehen ein Risiko beim Einbringen des Rohrmaterials.“ Open Grid Europe versichert, es werde entsprechend vorsichtig, schonend und nach geltendem Regelwerk gearbeitet.

Das Unternehmen schließt ein Entweichen von Gas im laufenden Betrieb mit Verweis auf die verlegten Rohre aus. „Das wird so gebaut, dass nichts austritt“, betont Sprecher Helmut Roloff. Die Frage, ob der Boden kontaminiert würde, wenn ein solcher Fall doch einmal eintritt, verneint er. Das Gas entweiche durch den Boden in die Luft.

Für das laufende Raumordnungsverfahren haben Open Grid Europe und ihr Projektpartner Thyssengas unterschiedliche Trassenkorridorvarianten auf die Verträglichkeit für Mensch und Umwelt untersucht, wie es auf der Webseite www.open-grid-europe.com heißt. Die Kriterien dafür wurden bei einem Scoping-Termin festgelegt. Im Raumordnungsverfahren wird festgelegt, ob der von Open Grid Europe bevorzugte Korridor zulässig ist. Auf Grundlage der Entscheidung würde die Vorhabenträgerin im nächsten Schritt eine „parzellenscharfe Trasse“ entwickeln und damit dann in das Planfeststellungsverfahren gehen, wie Helmut Roloff erläutert.

Dann wird sich zeigen, ob und inwieweit die Gaspipeline am Ende durch die Trinkwasserschutzgebiete in Voerde und Hünxe verläuft oder diese mindestens in der Bauzeit tangiert: Der Korridor bildet einen Bereich von 600 Metern Breite ab. Die spätere Trasse indes verläuft in einer Breite von etwa zehn Metern (der Schutzstreifen, der nicht bebaut werden darf, umfasst an beiden Seiten jeweils fünf Meter). Der Arbeitsstreifen, der in der Bauzeit benötigt wird, umfasst eine Breite von 38 Metern.

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