Zauber, Soul und ein weißer Elefant

e und ihrem Trio „Nós“.. Foto: Heinz Kunkel
e und ihrem Trio „Nós“.. Foto: Heinz Kunkel
Foto: WAZ FotoPool

Dinslaken. Der Weg ins Fördermaschinenhaus führt durch Rindenmulch. Schritte in eine andere, in buntes Licht und Nebel getauchte Welt. Neben dem riesigen Rad der alten Maschine blühen Seidenblumen aus Drahtbügeln.

Und überall Grün: Blätter, die das Fördermaschinenhaus als Wintergarten erscheinen lassen, gehen über in Ast-Silhouetten, von denen man erst auf dem zweiten Blick erkennt, dass sie auf Leinwand gemalt sind. In der Mitte dieses Ortes ragt ein Baum empor. Weit, mächtig, alt. Seine Blätter sind von Papier, Menschen haben ihre Wünsche darauf niedergeschrieben. Elbenzauber an der Stätte des alten Bergwerks? Nein. Der Zauber ist menschengemacht, der Künstlerphantasie entsprochen. Sabine Hulvershorn gehört zu den „guten Geistern“ des Kreativquartiers Lohberg, die die dritte Extraschicht vor Ort an diesem Samstag bis auf wenige Ausnahmen allein mit lokalen Mitstreitern zu einem magischen Ort verwandelten. Mit Installationen, Mitmachaktionen, viel Jazz und Soul und einer ungewöhnlichen Tanzperformance. Rund 4000 Besucher, leider deutlich weniger als im Jahr 2010, als Lohberg eine „Drehscheibe“ der Extraschicht war, ließen sich verzaubern. Wären es bei einer Kinderermäßigung und dem Bekanntmachen, dass es preisgünstigere Tickets für die gab, die nicht weitere Spielstätten aufsuchen wollten, mehr geworden? Dabei ist das europaweite Interesse am werdenden Kulturstandort geweckt. „Arte dreht eine Dokumentation“ freut sich Stephan Conrad,von der RAG Immobilien.

Ausdrucktanz und ein Cello aus Stahl

„Und dann und wann ein weißer Elefant“. Das Motto der Extraschicht. Ein altes Karussell erinnert an das Rilke-Gedicht über ein Fahrgeschäft im Jardin Luxembourg. Doch wo ist der Elefant? Die famose Bläserklasse 7 der Waldorfschule lässt das Raumschiff Enterprise über dem Förderturm schweben Gemeinsam mit dem MGV Concordia eröffnet sie die Extraschicht. Nebenan im Atelier freiart informiert Walburga Schild-Griesbeck über den Standort im Wandel. Doch mehr als Worte sagen ihre neuen Bilder, Übermalungen auf transparenten Grund, der von hinten mit Lichtern illuminiert wird. Die Kunst im Kreativquartier leuchtet. Und auf bemalten Briketts ein weißer Elefant.

Samirah Al-Amrie zeigt mit eigenen Songs und Lieblingsliedern Persönlichkeit, Arbel Aharoni aus Tel Aviv (eine der Teilnehmerinnen an Blau-Bleu-Blue) hebt die Grenzen zwischen Ausdruckstanz und Installation auf. Verhüllt in lange Stoffbahnen schafft sie bewegende bewegte Bilder, die hängen bleiben.

Und auf der Treppe zu den Ateliers in der Licht- und Lohnhalle, von Kinderhand gezeichnet, ein weißer Elefant.

Dunkel ist es in der Schwarzkaue, wie immer von Gabriela Sowa und Ulrike Int-Veen in geheimnisvolles Licht getaucht. In einem Meer aus Scherben spielt Anne Krickeberg auf ihrem Cello aus Stahl. Wieder bleibt ein Bild aus Licht, Schatten und Klang hängen. Und auf einer Projektion hinter den Stahlketten der ein graubrauner Elefant.

Überdachte Flaniermeile

Der singende Tresen aus Berlin widmet dem nächste Raumschiff einen schrägen Shanty, die Waldorf Jazz Connection lässt den „Pink Panther“ um den Förderturm schleichen. Rum aus Jamaika, italienisches Bruschetta und nepalesisches Curry aus Spellen laden zum Verweilen ein, während die Zentralwerkstatt zur überdachten Flaniermeile wird. Dort inszeniert die Foto AG vom OHG Besucher im nostalgischen „trautem Heim“, hat Rainer Höpken der „Industriekathedrale“ für einen Abend Bilder-Fenster geschenkt. Sie zeigen den bunten Stadtteil Lohberg, den grauen Industriegiganten Zeche und den Kunst Kiosk von Britta L.QL. Diese erweitert ihre „Madonnen unter Tage“ ganz aktuell um die DFB-Frauen: die dramatischste Live-Installation des Abends. Und ganz klein, aus Porzellan auf einem Sockel, ein weißer Elefant.

Nun ist es Nacht und der Lichterzauber beginnt. Nun sind sie überall, die weißen Elefanten: auf den Lampions, auf den von den Besuchern bemalten Kuben, als Marionette an der Hand eines Kindes, überdimensional an den Backsteinwänden. Gigantisch auch das, was nun auf der Bühne unterm Förderturm passiert: Das Motown Projekt lässt die goldene Zeit des Souls aufleben. Es ist quasi lokal. Ralf Bazzanella, der zuvor die Waldorfprojekte als Dirigent leitete, greift zum Saxofon, den drei „Supremes“ steht der unvergleichliche Manni Schmitt zur Seite. Mehrstimmiger Gesang, ein fetter, kraftvoller Sound, ausgiebige Improvisationen und eine Spielfreude all dieser Profis auf der Bühne, die mitreißt ,bringen die Menge zum Toben. „Wenn Applaus das Brot des Künstlers ist, war das gerade Frühstück, Mittag- und Abendessen“ strahlt Manni Schmitt.

Es geht auf ein Uhr zu, als neben der Zentralwerkstatt zwei Fesselballone glühen. Und auf der Wand unterm Förderturm ein weißer Elefant.

 
 

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