Wo Hasenohren Seilscheiben überragen

Eine halbierte Seilscheibe des alten Fördergerüsts I des Bergwerk Lohbergs.
Eine halbierte Seilscheibe des alten Fördergerüsts I des Bergwerk Lohbergs.
Foto: Heiko Kempken/WAZ FotoPool
Im Bergpark Lohberg werden sich neben neuer Kunst auch Relikte aus alten Bergbautagen Dinslakens finden lassen.

Dinslaken..  Lohberg, Hünxer Straße ab Oktober. Zwischen der neuen Begrünung am Lohberg-Weiher lugen zwei Hasenohren heraus. Feldhasen sind auf dem ehemaligen Zechenareal schon jetzt nichts ungewöhnliches, aber mit diesen beiden „Löffeln“ in knallroter Farbe hat es eine besondere Bewandtnis: Sie gehören nicht zur biologischen Artenvielfalt rund um den Bergpark, sondern zur Kunst, die sich das Areal erobert.

Vier Meter ist der „Hase“, den Thomas Schütte für Lohberg entworfen hat. Seinen Platz findet er auf dem erhaltenen Rundeindicker zwischen Kohlenmischhalle und Halde. Im Oktober soll das Kunstwerk der Öffentlichkeit übergeben werden. Und so wie der weithin sichtbare „Hase“ als voraussichtlich neues Wahrzeichen der Stadt die Besucher aus der ganzen Region anlocken wird, so werden „Eingeweihte“ nur wenige 100 Meter entfernt nach einem nur handgroßen „Kohlestück“ suchen. Jakob Kolding schuf die zweite Skulptur, die in einer ersten Phase für die „Choreographie einer Landschaft“ im Bergpark realisiert wird - der Unterschied zu Schüttes „Hasen“ könnte kaum größer sein.

Kulisse der Vergänglichkeit

Aber es ist nicht nur die neue Kunst, die den Charakter des Bergparks prägen wird. Neben Schütte und Kolding arbeiten derzeit Jeanne van Heeswijk und Martin Kaltwasser an Projekten, die sie gemeinsam mit den Lohbergen vor Ort entwickeln und realisieren werden. Das Alte wird seine Spuren hinterlassen. Auch wenn das Bild, dass sich derzeit Besuchern bietet, eine andere Symbolsprache spricht.

Dort, wo im Sommer der Weiher geflutet wird, ist die Luft erfüllt von Staub, Teergeruch und dem Brummen der Bagger. Zwar sind die Bauarbeiten im Gelände im vollen Gange, aber schon jetzt laden die Bänke zwischen den Landungsstegen mit ihren Mikado-Stäbchen-bunten Pfeilern zum Verweilen ein. In der Sonne schimmern der Stahl kleiner Räder: Fitnessgeräte, die zum „Strampeln“ im Sitzen und Stehen einladen. Hinter dieser Spielbühne, die so neu ist, dass es noch danach riecht, erhebt sich die imposante Kulisse der Vergänglichkeit. Stahlpfeiler ragen chaotisch in den Himmel, Räume stehen offen, Dächer fehlen. Ein Anblick des Wandels, der noch länger das Bild bestimmen wird: Ein Jahr wird der Rückbau der Schachthallen in Anspruch nehmen. Was dann bleibt, sind die Seilscheiben. Vor zwei Wochen wurde das Fördergerüst 1 demontiert, seitdem liegen die tonnenschweren Seilscheiben auf der Grenze von Zeche und Bergpark. „Sie werden ihren Platz hier finden“, verspricht Bernd Lohse von der RAG Montan Immobilien. „Seilscheiben als Dekostücke in Verteilerkreisen in allen Ehren, aber hier werden sie als Relikte des Alten ihrer besonderen Bedeutung gerecht werden“.

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