Wo die Schönheit lauert

Foto: Funke Foto Services

Dinslaken..  „Die Schönheit lauert überall“ haben Philip Stahl und Steffen Heisch auf ein Stück Holz gesprüht. Das Duo, das unter dem Namen „Pieces of the City“ Stencil Art, also Bilder und Schriftzüge, die mit Schablonen auf unbehandelte Materialien gesprüht werden, anbietet, gehört zu den Street Art Künstlern, die am Freitag und Samstag den eingangs zitierten Spruch in der Dinslakener Innenstadt erfahrbar machten. Schönheit lauerte in leerstehenden Ladenlokalen, unrenovierten Räumen, improvisierten Verkaufsateliers. Wie dort, wo Pieces of the City besprühte Vinylplatten anboten und Thomas Zigahn Bücherseiten zu 3D-Skulpturen faltet.

Die rechte Wand des Ladenlokals leuchtet in warmen Sepia-Farben. Und Max Zorn, der aus Pack-Klebeband auf Acrylglas und LED-Lampen in alten Kisten diese Bilder mit einer Eleganz, die an Art Deco und den Film Noir erinnern, kreiert, ist fast ständig von Menschen aller Altersgruppen umgeben, um die Magie seiner Tape Art zu erklären.

Die Schönheit lauert auch nebenan, wo Birte McNeely nicht nur Frauen, sondern auch jungen Männern mit ihren handgefertigten Korsetts tolle Taillen schnürt. Der Designerin wurden Samstag der „Kleinen Hercules“ in Form eines Brotes für das belebteste Ladenlokal verliehen. Steven McNeely zeigt Straßenszenen aus Los Angeles in Schwarz-Weiß, Christof Bruß überwindet das Teuflische der Welt, Krieg und enges Denken, mit 6667. „Wir müssen doch mal einen Schritt weiterkommen“, sagt er und stellt dem Kasten-Denken des Menschen die weiche, flexible Form einer Qualle entgegen. Bruß malt diese Bilder als Graffiti, die Street Art mit ihren vielen Spielarten ist bei „Kunst sta(d)tt Leerraum“ die dominierende Gattung. Straßenkunst nimmt dabei auch Pont Neuf wörtlich. Das Folk-Trio zieht von Atelier zu Atelier und zieht für die Musiker gemalte Bilder im Bollerwagen mit sich herum.

Rund wie die amorphen Formen vor kubistischem Hintergrund bei Christof Brus sind auch die Ballons, mit denen der Street Art-Künstler hinter „Mr. Und Mrs. Balloon“ positive Gefühle beim Betrachter wecken möchte. Die kommen beim Anblick der alten US-Wagen und Motorräder auf, die Matthias Schreyer als HDR-Bilder auf der Saarstraße zeigt. Die Gefährte wurden von allen Seiten ausgeleuchtet und fotografiert, die einzelnen Bilder digital übereinandergelegt und die Glanzlichter jeder Belichtung Ebene für Ebene hervorgehoben. Nun schimmert der Chrom in dunklen Garagen: Die Schönheit lauert überall.

Und manchmal bringt sie auch Reflexionen hervor. Der Hase, den Wittek als Comicfigur auf seine Gemeinschaftsleinwand im Leerstand auf der Rittergasse zeichnete, ist eine Antwort auf den Hasen von Thomas Schütte im Bergpark. „Der steht da etwas versteckt, aber genau das finde ich gut“, erklärt er. Gut fanden auch die Besucher des Kurzfilmwettbewerbs Witteks Musikvideo zu „Transfusion“ im Knet-Stil a lá „Wallace and Gromit“. Er gewann dafür den „Kleinen Herkules“

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