„Wir sind nicht Stuttgart 21“

Großer Andrang bei der Versammlung der Bürgerinitiative am Montag, den 20. August.  Foto: Heinz Kunkel
Großer Andrang bei der Versammlung der Bürgerinitiative am Montag, den 20. August. Foto: Heinz Kunkel
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Bürgerinitiative „Betuwelinie - so nicht!“ lud zur außerordentlichen Versammlung.

Dinslaken.  „Wir sind nicht Stuttgart 21 und haben das auch nicht nötig“, erklärte Heinz Mülleneisen, Vorsitzender der Dinslakener Bürgerinitiative „Betuwelinie - so nicht!“ auf der außerordentlichen Mitgliederversammlung am Montagabend im City Hotel. Statt protestiert sollte vor der Eröffnung des Planfeststellungsverfahrens zum Ausbau der Betuwe-Linie über das Projekt informiert werden. „Wir wollen nicht wie die IG BISS (Interessengemeinschaft Betuwe-Initiative Sicherheit Siedlungsfern e.V.) mit der alternativen Trasse an der A 3 aus dem Jahr 1994 wieder anfangen. Wir wollen eher schauen, wie diese Strecke sich auf die Leute auswirkt“, betonte Mülleneisen.

Zunächst ging es deshalb um die Blockverdichtung, die die Frequenz um knapp über 100 Züge am Tag steigern könnte. Hier protestierte Mülleneisen, dass die rund 18 000 Betroffenen in Dinslaken wichtiger sind als die wirtschaftlichen Interessen der Bahn. Passend hierzu: Die zweieinhalbstündige Versammlung am Bahnhof musste 13 Mal wegen eines durchfahrenden Zuges unterbrochen werden.

Ein besonderer Stein des Anstoßes ist ein dünner besiedelter Bereich auf zwei Kilometern Länge, der ab der Brinkstraße Richtung Dinslaken westlich der Trasse keine Schallschutzwände, sondern nur passiven Schutz, das heißt schallisolierte Fenster und Türen erhalten soll. „Das akzeptieren wir nicht. Die Bürger, die dort wohnen müssen Einwendungen geltend machen“, erläutert Mülleneisen.

Ein weiterer Knackpunkt ist die Sicherheit an der Trasse. Nachdem die Rettungstüren vorgestellt wurden, ermahnte Mülleneisen, dass Feuerwehr und Bahn bei dem Thema noch längst nicht auf einer Linie liegen.

Im weiteren Verlauf der Versammlung zeigte der Vorsitzende auch die Grenzen der Bürgerinitiative auf: „Wir können nicht für Sie klagen. Gehen Sie zur Bürgerversammlung, überlegen Sie sich vorher ihre Fragen und informieren Sie sich im Rathaus, wenn die Pläne vorliegen. Sie sind für Ihr Grundstück verantwortlich“, so Mülleneisen. Dazu empfahl der Vorstand den Sachverständigen Rolf Laarmann aus Emmerich.

Messungen der Dezibelwerte, Gutachten über Erschütterungsschäden und Einwendung für das Planfeststellungsverfahren müssen die Betroffenen also eigenverantwortlich organisieren.

Einige Zuhörer hatten letztlich doch mehr Aktion statt Information erwartet: „Warum bin ich in einer Initiative, wenn ich am Ende doch alleine gelassen werde, das ist doch witzlos“, ärgerte sich Dieter Haag, der am Gleis an der Ursulastraße wohnt. Viele verließen vorzeitig den Saal.

Vorsitzender Heinz Mülleneisen, Sterkraderstraße 251, 46539 Dinslaken, bietet weiter seine Unterstützung unter Tel 02064/90982 an.