Werden es weniger Watt in der Stromfabrik?

Der Kraftwerkskomplex am Rhein bei Möllen: vorne die Blöcke West 1 und 2, dahinter die Blöcke Voerde A und B.     Foto: Heinz Kunkel / WAZ FotoPool
Der Kraftwerkskomplex am Rhein bei Möllen: vorne die Blöcke West 1 und 2, dahinter die Blöcke Voerde A und B. Foto: Heinz Kunkel / WAZ FotoPool
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Voerde.. Die Steag will 2012 entscheiden, ob die über 40 Jahre alten Blöcke West 1 und 2 am Rhein bei Möllen schon bis 2015 auslaufen sollen.

Einer der größten Kraftwerks-Komplexe auf Steinkohlebasis in Europa könnte in den nächsten Jahren deutlich verkleinert werden. Die Steag, die am Mittwoch ein „Fünf-Punkte-Programm zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit“ vorstellte, will im kommenden Jahr über die Zukunft der Voerder Stromfabriken entscheiden.

Neben Kraftwerksblöcken in Herne und Lünen würden dann eventuell auch die Blöcke West 1 und 2 am Rhein bei Möllen im wahrsten Sinne des Wortes zu Auslaufmodellen – voraussichtlich schon 2015, obwohl ihr Betrieb eigentlich noch bis 2020 vorgesehen war. Angeblich sorgen die gestiegenen Kohlepreise für Probleme.

An den besagten Standorten würden in dem Falle insgesamt 400 Stellen abgebaut werden. In Voerde könnten davon mehr als 100 betroffen, rund ein Viertel der Standortbelegschaft. Diese Zahl wurde von der Steag allerdings nicht bestätigt.

Entscheidung abhängig vom Energiemarkt

Wichtig für die Arbeitnehmer: Zeitnah soll eine Vereinbarung abgeschlossen werden, die betriebsbedingte Kündigungen bis Ende 2016 ausschließt. Eine Entscheidung hinsichtlich der besagten 400 Stellen werde zum einen von der Situation auf dem Energiemarkt und zum anderen von den Fortschritten des übrigen Steag-Programms abhängig sein, hieß es.

Die Blöcke West 1 und 2 in Möllen stammen aus den Jahren 1970/71, sind also mehr als 40 Jahre alt. Mit jeweils 350 Megawatt installierter Leistung, die über die Jahre durch technische Maßnahmen auf 356 MW gesteigert wurde, sind sie die kleineren des Kraftwerkstandortes, der insgesamt 2234 MW leistet und im vorigen Jahr 8414 Gigawatt-Stunden an nutzbarer Stromabgabe aufwies.

Die Nachbareinheiten A und B des Kraftwerks Voerde wurden bei ihrer Fertigstellung in 1982 und in 1985 auf jeweils 750 MW ausgelegt; sie bringen nach Teilerneuerungen inzwischen je 801 MW. Die beiden Blöcke gehören übrigens einer Gesellschaft, an der die Steag mit 75 und RWE mit 25 Prozent beteiligt sind.

Voerdes Bürgermeister Leonhard Spitzer wollte die Steag-Mitteilungen noch nicht kommentieren: „Die Frage, was mit dem Standort geschieht, ist noch offen.“

Bürgermeister sucht den Kontakt zur Steag-Spitze

Für die Uralt-Blöcke West 1 und 2 wäre die Reise sowieso bald zu Ende gewesen, glaubt Spitzer. „Bei der Steag findet derzeit ein Umbruch statt, der unsereinem nicht greifbar erklärt wird“, so der Bürgermeister.

Spitzer will sich auf jeden Fall mit der Steag-Spitze in Verbindung setzen. Denn es gehe auch darum, wie das Unternehmen, das bekanntlich mehrheitlich einem Konsortium von Ruhrgebiets-Stadtwerken (darunter Dinslaken) gehört, mit den Planungen für einen neuen Kraftwerksblock verfahre. Für einen Block C liegt seit Jahren ein rechtsgültiger Bebauungsplan der Stadt Voerde vor.

Was wird aus den Plänen für den Importkohlehafen?

Vor allem auf Dinslakener Seite, speziell in Eppinghoven, stellt man sich die Frage, ob die Pläne für einen Importkohlehafen südlich der Rotbachmündung angesichts der gegenwärtigen Entwicklung noch Bestand haben. Auch zu diesem Thema gab es gestern auf Anfrage bei der Steag keine Stellungnahme.

 
 

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