Volles Programm unter den Fördertürmen

Rainer Höpken verleiht dem Kunstkiosk Engelsflügel. Foto: Heinz Kunkel
Rainer Höpken verleiht dem Kunstkiosk Engelsflügel. Foto: Heinz Kunkel
Foto: WAZ FotoPool
Künstlerinnen im Kreativ.Quartier.Lohberg luden mit vielfältigem Angebot zum letzten Open House des Jahres. Auch Engelsflügel spielten eine Rolle.

Dinslaken..  Nein, die Maschinen stehen im ehemaligen Bergwerk Lohberg keineswegs still. Mit einem kräftigen Schwung am Rad betätigt Christina Sauer ihre mobile Druckpresse. Beim letzten Open House des Jahres konnte sich nicht nur davon überzeugen, wie produktiv die Künstlerinnen im Kreativ.Quartier.Lohberg in den letzten Wochen und Monaten waren. Sie zeigten, dass ihre Kunst Kreise zieht, stellten Raum für die Arbeiten einer Vielzahl Gastkünstler und zeigten, dass ihr Engagement nach zwei Jahren vor Ort ausstrahlt. Zwei Vernissagen, eine Finissage, dazu offene Ateliers und ein Konzert: ein volles Programm am 3. Advent unter den Fördertürmen von Lohberg.

Gestrickt undgehäkelt

Das Atelier von Walburga Schild-Griesbeck ist kaum wiederzuerkennen. Dort, wo man beim Eintritt durch die Tür intuitiv leuchtendes Rot erwartet, glaubt man sich in einem Iglu. Wenn es denn Eishäuser aus Wolle gibt. Kaum eine Wand, die nicht von oben bis unten mit langen, genau 1,60 Meter messenden – Schals behangen ist. Eng an eng hängen sie herab: weiß, blau, türkis. Gestrickt und gehäkelt in unzähligen Mustern, manche davon so speziell, wie Walburga Schild-Griesbeck sie selbst nicht mehr seit den 80-er Jahren gesehen hat. Mehr als 100 Frauen haben sich an der Gemeinschaftsarbeit für die Benefiz-Ausstellung „Flachdach III“ beteiligt. Von neun bis neunzig Jahren. Walburga Schild-Griesbeck weist auf ein gehäkeltes Tuch, an das eine Schleife genäht ist. „Das hat eine Neun-Jährige mit der Nähmaschine gemacht, die ihr ihre Oma schenkte, sie hat dafür ihr Kommunionkleid geopfert“. Schließlich sei die Aktion für Kinder. „Eiszeit für Kinder“ lautet der Titel der Ausstellung, die Hälfte der Erlöse kommt der Organisation „Hilfe für junge Mütter und ihre Kinder“ der Diakonie Dinslaken zugute. Parallel zu den Schals, die nun als Wandkunst das Atelier verwandeln, entstanden aus der Hand von Walburga Schild-Griesbeck eisfarbene Gemälde und stark abstrahierte Engels-Bilder.

Engelsflügel auch vor dem Kreativ.Quartier. Wer ihrer Spur folgt, steht bald vor dem Kiosk 422. Und auch diesem hat Rainer Höpken Flügel verliehen. Seit vier Jahren ist er „Auf der Suche nach Engeln...“ findet sie im Alltag, als Kreuzobjekt auf gespaltenem Holz, als Schein der untergehenden Sonne, als Himmelsleiter in einer Spiegelung auf einer Hausfassade, als geflügelten Udo Lindenberg... Bis zum 2. Februar sind die Bilder - Inszenierungen im realen Raum und Montagen - im Kunstkiosk 422 zu sehen.

Engel im Alltag. Rainer Höpken wird in den kommenden Wochen den Blick dafür in Lohberg schärfen, wenn dort an den unterschiedlichsten Stellen Flügel auftauchen. Bei der Vernissage am Sonntag las er vom Schutzengel Hanns Dieter Hüschs, von dem nicht einmal Gott etwas weiß, dessen Hund aber Hüsch im Dinslakener Stehcafé entdeckt. Überraschende Momente: Auf dem Dach der Bushaltestelle neben dem Kiosk wartet ein geflügelter Stuhl.

Ulrike Int-Veen und Gabriele Sowa beenden die Ausstellung „Landschaft berührt“ bei Sekt und Häppchen, während in der Licht- und Lohnhalle Samirah Al-Amries Schüler fürs Konzert am Ende des Tages proben. Derweil hat sich Gastkünstlerin Christina Sauer noch nicht von ihrer Druckpresse losgerissen. Sie gibt den Besuchern einen ganz lebendigen, anschaulichen Eindruck ihrer Atelierarbeit. Ein Konzept habe sie sich vorher nicht gemacht. Die Osnabrückerin arbeitet intuitiv. Und anders, als man es normalerweise kennt. Für ihre Holzfarbdrucke benutzt Christina Sauer kräftige Offsetdruck-Farben auf Mdf-Platten mit glatter Oberfläche. Ungewöhnlich ist es, dass sie mehrere, mit Holzschnittmessern bearbeitete Druckstöcke nebeneinander legt. Und ungewöhnlich ist es auch, dass sie die so entstehenden spiegelverkehrten Vorlagen noch spontan mit Papierschablonen ergänzt. So entsteht mit jedem Druckvorgang Neues. Kreativ, offen. Wie man es beim Open House im Kreativ.Quartier. erwartet.

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