Voerde: Gemeinsam gegen den Lärm

Den Spatenstich zum Bau ihrer Lärmschutzmauer setzten Anwohner am Hörsken in Voerde am Wochenende.
Den Spatenstich zum Bau ihrer Lärmschutzmauer setzten Anwohner am Hörsken in Voerde am Wochenende.
Foto: WAZ FotoPool
Die Nachbarschaft am Hörsken setzte den ersten Spatenstich für den Lärmschutzwall entlang der Betuwelinie. Ein Beispiel für andere sei die Initiative aber nicht, finden die Nachbarn

Voerde.  Während die Voerder Nachbarschaft symbolisch den Spaten in den Boden schlägt, donnert ein Güterzug direkt hinter ihnen vorbei. Mehr Symbolik geht kaum. Denn alle Versammelten sind an diesem Tag genau deswegen gekommen: wegen der Züge. Zu laut, zu gefährlich, zu gesundheitsschädigend –so lautet das Fazit der Bewohner der Straße „Im Hörsken“ zum Thema Betuwelinie. Jetzt nehmen sie das Projekt Lärmschutzmauer selbst in die Hand.

„Die Enttäuschung und Frustration war groß, als wir 2008 die Planunterlagen zu Gesicht bekamen“, berichtet Henning Kapp über Mi-krophon. Auf einem kleinen Traktor stehen Verstärker, damit ihn der nächste Zug nicht übertönt. Etwas gegen Züge im Allgemeinen haben sie alle nicht, betont Kapp bei seiner Rede. „Voerde war ja mal das größte Eisenbahnerdorf.“ Aber die Betuwe? Die ging ihnen doch zu weit. Nur die Hälfte der Anwohner sei am Rande der Strecke durch Lärmwände geschützt. Die Leute am Hörsken gehören zur anderen Hälfte. Wegen der geringen Anzahl der Häuser. Lediglich ein passiver Schutz, wie Lüftungsanlagen im Schlafzimmer, steht den Bewohnern zu.

Dabei sei es bewiesen, wie gesundheitsschädlich Lärm ist, erzählt Kapp. Oberhalb einer Belastung von 65 dB (A) und 55 dB (A) nachts komme es zu Erkrankungen wie Schlafstörungen, Depressionen und Bluthochdruck. Der TÜV habe bei ihnen auf der Wiese einen Lärm von 70 dB ermittelt. Auch die Abschaffung des Schienenbonus hilft nicht - die neue Rechtslage gilt nicht mehr für die Pläne der Betuwelinie.

Also hieß es für die Bewohner: Eigeninitiative. Henning Kapp sprach mit seinem Freund Joachim Hansen, Geschäftsführer der Firma Langenfurth und ihm kam die Idee, selbst für Schutz zu sorgen. Zusammen mit Günter Grüter und Horst Hülser trieb er das Projekt an. Sie holten sich die erforderlichen Baugenehmigung ein, arbeiteten mit Bürgermeister Leonhard Spitzer sowie dem Ersten Beigeordneten Wilfried Limke zusammen, überzeugten die Grundstückseigentümer der noch fehlenden Grundstücke und sprachen mit Vertretern der Bahn sowie mit einem Landschaftsarchitekturbüro. Wichtig war natürlich auch, dass die Nachbarn sich einig und alle bereit waren, sich an den Kosten zu beteiligen.

Trotz des Erfolgs der Nachbarschaftsarbeit, stellt Kapp fest: „Das kann kein Beispiel für andere sein.“ Denn das Projekt sei „die Umkehr des Verursacherprinzips“ und nur aus der Not heraus entstanden.

Stolz sind sie natürlich alle trotzdem, dass sie es geschafft haben. Und so hoffen sie, dass Henning Kapp die nächste Rede auf der Wiese ohne Traktor und Verstärker halten kann.

 
 

EURE FAVORITEN