Viel Arbeit für Makler und Notare

Der Kauf einer Immobilie wird ab dem 1. Januar teurer.
Der Kauf einer Immobilie wird ab dem 1. Januar teurer.
Foto: WR/Büdenbender
Die Erhöhung der Grunderwerbssteuer sorgt für verstärkten Andrang in den Büros. Käufer, die den Vertrag bis 31. Dezember beurkunden lassen, können Geld sparen

Dinslaken/Voerde..  Ruhige Zeit zwischen den Jahren. Für Immobilienmakler und Notare sind die letzten Tage und Wochen des Jahres alles andere als ruhig und besinnlich. Sie haben viel zu tun, haben selbst an den Wochenenden gearbeitet. Die Ursache ist ein neues Gesetz, lange angekündigt und von der Landesregierung am 18. Dezember 2014 verabschiedet. Damit haben die Landespolitiker die Grunderwerbssteuer von fünf auf 6,5 Prozent erhöht. Fällig wird die höhere Abgabe ab 1. Januar 2015. Bis dahin wollen noch viele den Kauf eines Hauses oder einer Wohnung unter Dach und Fach bringen.

Makler und Notar berichten von einem verstärkten Andrang in ihren Büros. Denn wenn der Vertrag bis zum 31. Dezember noch notariell beurkundet ist, sparen die Käufer viel Geld. Wird eine Objekt für 200 000 Euro erworben, zahlen die neuen Besitzer bis Silvester 10 000 Euro an die stets klamme Landeskasse. Einen Tag später sind für das gleiche Objekt 13 000 Euro an das Land zu überweisen. Bei einem Haus für 250 000 Euro sind es schon 16 250 Euro, die wegen der neuen Regelung gezahlt werden müssen. Die Differenz zwischen den Tarifen liegt bei einem Haus, das für 300 000 Euro erworben wird bei 4 500 Euro. 2014 zahlen die neuen Besitzer noch 15 000 Grunderwerbssteuer, ab 2015 müssen sie 19 500 Euro bei ihrer Finanzierung einkalkulieren.

Und das Geld wollen sich viele sparen und haben sich noch kurz vor Jahresende entschieden. „Es sind viele, die jetzt noch kommen und etwas kaufen wollen“, berichtet die Voerder Immobilienmaklerin Stefanie Schneider. Das eingesparte Geld können die Hausbesitzer gut für Malerarbeiten oder andere Anschaffungen einsetzen, weiß sie. Noch am Anfang dieser Woche wurde sie bei einer Besichtigung gefragt, ob der Verkauf noch in diesem Jahr hinzukriegen sei. Im November und Dezember habe sie eine gesteigerte Nachfrage registriert.

Die Anhebung der Grunderwerbsteuer haben auch die Notare in der Region deutlich zu spüren bekommen: „Wir hatten im Dezember 15 mal so viele Beurkundungstermine wie in jedem anderen Monat des Jahres“, sagt Bernd Helmut Minzenmay, Notar in Dinslaken. Normal sei es, dass im letzten Monat des Jahres doppelt so viele Termine anstehen, eine solche Explosion sei aber selten. Dass potenzielle Käufer gut rechnen können, hat Minzenmay und seinen Kanzlei-Kollegen Josef Könitz arbeitsreiche Zeit beschert: „Die letzten vier Wochen vor Weihnachten haben wir auch samstags und sonntags gearbeitet, um die Flut bewältigen zu können“, berichtet Minzenmay. Die letzte Woche im Jahr macht der 68-Jährige aber traditionell Urlaub, davon lässt er sich auch in diesem Jahr nicht abhalten. „Da muss Kollege Könitz dann alleine durch“, so Minzenmay.

Die Auswirkungen spürt auch die Immobilien-Abteilung der Sparkasse: „Wegen der Erhöhung der Grunderwerbsteuer ist eine Art Jahresendspurt in der Baufinanzierung und in der Immobilienvermittlung zu verzeichnen“, so Dirk Weber, stellvertretender Abteilungsleiter des Immobilien-Centers. Insgesamt sei dieser Trend durch eine deutlich höhere Anzahl an Terminwünschen und Kundenberatungsgesprächen auszumachen. „Bei der augenblicklichen Marktsituation ist die Nachfrage größer als das Angebot“, erklärt Weber.

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