Verkehrt ist mittendrin

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Dinslaken..  „Verkehrt mittendrin“ fand sich Restkultur (Aurora Peters, Herbert Menzel, Bettina und Thomas Hecker, Ingo Borgardts) am Samstagabend in der Kutscherstube wieder – und war im wahrsten Sinne des Wortes mittendrin zwischen den Zuhörern, denn Distanz zwischen Bühne und Publikum gibt es in der kleinen Kneipe nicht. Die Ecke rechts neben der Tür ist gleichzeitig Mischpult, Requisite, Bühne und nah dran an den Zuschauern. Kein Wunder, dass sich Aurora Peters und Bettina Hecker fragten: „Sind wir hier richtig?“ Waren sie, auch wenn die am Tresen stehenden Zuhörer nicht so ganz in die Dinslakener Gestaltungssatzung hineinpassten, „so, wie die hier rumhängen. Als könne hier jeder machen, was er wollte.“

So geht es natürlich nicht, auch nicht in der deutschen Sprache. Prof. Dr. Hagen Nußbaumer (Thomas Hecker), Linguist aus Leidenschaft, widmete sich den Worten, die es mitten im Satz nicht so einfach haben. Seine „Hommage an die kleinen Worte“ war ein amüsanter Vortrag über die Spitzfindigkeiten der deutschen Grammatik und voller amüsanter Wortspiele, denn haben sei nicht allein besitzen, wie das Beispiel „Ich habe keine Ahnung“, zeige. Manche schwachen Verben gebe es nur in der dritten Person Singular Neutrum, läppern oder hapern etwa: Zwischen Merkel und Seehofer hapert es. Ein weiteres Merkmal: Sie sind unbeugsam, also nicht Merkel und Seehofer, sondern das Hapern.

Doch nicht nur Worte können manchmal verkehrt mittendrin sein, auch Menschen, etwa wenn sie falsch angezogen sind, sich fehl am Platz fühlen oder der Schein mehr als das Sein ist, wie Restkultur mit dem Lied „Bin mal wieder verkehrt mittendrin“ deutlich machte. Das Ensemble scheute sich nicht davor, hochaktuelle Themen anzufassen. Eines davon: Fracking, bei dem man nicht so wirklich weiß, was passiert, aber Coca Cola und Maggi würden schließlich auch nicht ihre Rezepte verraten. Wie gut, dass es wissenschaftliche Gutachten als „Wohlverträglichkeitsbeweis“ gibt. Der Grenzwert ist das Grundgesetz und hinterher will’s keiner gewesen sein.

Wie verkehrt es mittendrin manchmal zugeht, zeigte die Persiflage auf die Flüchtlingskrise. Ein Immobilienmakler versucht, eine kleine Wohnung in „minimalistischem Design, da bleibt kein Raum für Depression“ an ein syrisches Flüchtlingspaar ohne Papiere zu vermieten. Aber: „Wenn Sie sich nicht ausweisen können, werden andere das für Sie tun.“ Bei diesem drastischen Spiel blieb dem Publikum das Lachen im Hals stecken.

Für Aufregung sorgen lokale Themen, wie die Burghofbühne, Betuwe, die Haldenerweiterung oder die Stadthallensanierung. Und jeder gebe dank der sozialen Netzwerke und Medien seinen Senf dazu, postet zu allem seine Meinung. „Hauptsache, Fresse auf“, sang Restkultur. Dass es neben Facebook und Co noch andere Möglichkeiten gibt, sich zu äußern, zeigte Restkultur in der Kutscherstube in gewohnter Respektlosigkeit.

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