Verbranntes Land und blutrotes Wasser

Das  Foto der Salzgewinnung in Kalifornien aus der Vogelperspektive.
Das Foto der Salzgewinnung in Kalifornien aus der Vogelperspektive.
Foto: Heinser
  • Der in San Francisco lebende Fotograf Thomas Heinser wurde in Dinslaken geboren
  • Aus dem Hubschrauber fotografierte er die Auswirkungen des Klimawandels in Kalifornien
  • Die Bilder werden bis zum 15. Oktober im Kölner Kunsthaus Lempertz gezeigt

Dinslaken/Köln.  Die Bilder sind abstrakt, ihre Texturen scheinen zum Teil in Ölmalerei, zum Teil in reliefartiger Mischtechnik gehalten zu sein. Aber dieser Eindruck täuscht. Bei aller künstlerischer Ästhetik, bei aller Farb- und Formkomposition: Die Pigment Prints, die parallel zur Photokina und Fotoszene Köln im Kunsthaus Lempertz seit dieser Woche zu sehen sind, zeigen die Realität. Eine finstere Realität. Es handelt sich um Luftaufnahmen, die den Klimawandel und dessen Folgen in Kalifornien vor Augen führen. Thomas Heinser, aus Dinslaken gebürtiger und seit den 80er Jahren in San Francisco lebender und arbeitender Fotograf, hat sich einmal mehr aus dem Hubschrauber gelehnt und aus fast senkrechter Perspektive Fotos von der Dürre zwischen San Francisco und Los Angeles, von den Waldbrandgebieten im Lake County und den Salzgewinnungsgebieten in der Bay Area geschossen. Schön, verwirrend, die Grenzen von Malerei und Fotografie bewusst in Frage stellend und in ihrer Aussage doch eindeutig: „Seht her, was wir mit unser Welt machen!“

In Kalifornien haben sich die Folgen der globalen Erwärmung in das Land eingebrannt. Die Gegend zwischen San Francisco und Los Angeles ist das Hauptanbaugebiet für Mandelbäume in den USA, erklärt Thomas Heinser. Hier trifft die Dürre die Menschen und die Wirtschaft gleichermaßen. Es war der Anblick gefällter, weil zuvor abgestorbener Mandelbäume, die den Fotografen, der für seine spektakulären Luftaufnahmen unter anderem von Brücken und Autobahnen bekannt ist, schockierte: „Ich begann zu recherchieren und dann zu fotografieren.“ Die abgestorbenen Bäume glichen einer Winterlandschaft, hatten aber nicht die Aussagekraft, um die Botschaft sichtbar zu machen.

Fündig wurde Heinser einige Monate später im Lake County. 2015 verwüsteten Waldbrände große Flächen der Gegend. Das Bild sieht aus wie eine Zeichnung, als habe Heinser das weiße Papier mit einem Graphitstift schraffiert. Tatsächlich sind die schwarzen Striche auf weiß-grauem Grund die Reste verkohlter Bäume auf Aschenboden.

Es klingt waghalsig, wenn Thomas Heinser erklärt, wie die Fotos entstehen. Die Helikopter-Piloten, mit denen er zusammenarbeitet, drehen in abgesprochener Höhe enge Kreise. Das lässt die Hubschrauber so zur Seite kippen, dass Heinser bei ausgebauter Tür fast senkrecht heraus fotografieren kann. „Durch die Drehbewegung wird man in den Sitz gedrückt“, beruhigt er auf Nachfrage .

Aber mit den gewünschten Landschaftsausschnitt - „ja, auch das sind in gewisser Art Makroaufnahmen dieser Welt“, ist es allein nicht getan. Das Licht spielt eine Rolle, die Dichte der Wolken, die ihre Schatten werfen. Die vielleicht faszinierendsten Bilder aber nahm Heinser über den Salzgewinnungsgebieten der Bay Area auf: Kompositionen in Schwarz, Weiß und dunklem Rot. Die breiten, schwarzen Bänder, die die Bilder durchziehen sind die Kanäle, aus denen das Wasser abgeleitet wird, die weißen, kristallinen Ränder das getrocknete Salz, das bleibt, wenn die flachen Wasserbecken austrocknen. Bei dem Verdunstungsprozess entstehen Bakterien, die das Wasser goldgelb und blutrot färben. „Aber nur fünf Minuten vor bis fünf Minuten nach Sonnenaufgang“: Lichteffekte wie bei den Impressionisten.

„Reduziert“ – unter diesem deutschsprachigen Titel zeigte er eine Auswahl dieser Bilder im Februar in seiner Galerie in San Francisco. Nach einem großen Medienecho von den USA bis Frankreich und Großbritannien und einer weiteren Gemeinschaftsausstellung in San Francisco sind weitere ausgewählte Bilder der Serien nun in Köln zu sehen.

Im Kunsthaus Lempertz am Neumarkt 3 in Köln findet am Samstag die Vernissage zu „Reduziert“ im Beisein des Fotografen statt, das Kunsthaus ist von 11 bis 17.30 Uhr geöffnet. Nach dem Ende der Kölner Ausstellung am 15. Oktober wandern die Bilder nach Berlin.

 
 

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