Unesco-Projekt an zwei Schulen

Björn Wiele war zu Gast im Otto-Hahn-Gymnasium und referierte vor Schülern der Stufen 6 und 7.
Björn Wiele war zu Gast im Otto-Hahn-Gymnasium und referierte vor Schülern der Stufen 6 und 7.
Foto: Heiko Kempken / FUNKE Foto Servi
„Fair Future II“ stellt Schülern des OHG und der Waldorfschule den „Ökologischen Fußabdruck“ vor.

Dinslaken..  Ein Junge stellte die Frage des Vormittags: „Warum macht denn niemand etwas, wenn alle über den Klimawandel reden?“ Genau deswegen war die Unesco-Umweltbildungskampagne „Fair Future II – Der ökologische Fußabdruck“ am Mittwoch zu Gast im Otto-Hahn-Gymnasium. Damit die Schüler, wie es Schulleiterin Katrin Höffken formuliert, „sensibilisiert werden, ihren ökologischen Fußabdruck zu verkleinern“.

Björn Wiele stellte den Schülern der 6. und 7. Klassen des OHG sowie den Neuntklässlern und den Kursen Biologie und Sozialwissenschaften der Q1 und Q2 die Multivision „Fair Future II“ vor. Sie behandeln das Thema derzeit im Unterricht, das Projekt ist eine Ergänzung.

Ein Viertel der Weltbevölkerung verbraucht drei Viertel der Ressourcen. Wie es sich anfühlt, zu der benachteiligten Menge zu gehören, ließ Wiele die Schüler nachvollziehen: Nur ein Viertel durfte aufstehen. Anschließend konnte aber dieses Viertel die Bedrohung nachempfinden, die von der Masse ausgeht, sollte diese einmal aufstehen.

Erdachte Maßeinheit

Umgerechnet in „Footprints“, in ökologische Fußabdrücke, die erdachte Maßeinheit für die Erdfläche und Ressourcen, die jeder Mensch für seine Versorgung beansprucht, sieht das so aus: Der Footprint eines Deutschen ist 4,6 Hektar groß, dafür muss ein Inder mit 0,9 Hektar auskommen, so Wiele. Gerecht wären 1,4 Hektar für jeden. Heißt: „Wir leben über unsere Verhältnisse“, so Wiele. Der „Earth Overshoot Day“, der Tag im Jahr, an dem die nachwachsenden Ressourcen der Erde aufgebraucht sind und die Menschheit an die Substanz der Erde geht, liege derzeit im August und rücke jedes Jahr ein Stück nach vorn. „Wenn er irgendwann im Januar ist, haben wir nichts mehr, wovon wir leben können. Dann suchen wir nach Wasser, das trinkbar, und Essen, das nicht verseucht ist.“

Über Ernährung und Landwirtschaft informierte der Film, über Fleischproduktion auf der einen und Hunger auf der anderen Seite der Welt, über Soja, das im armen Sudan nicht gegessen sondern als Futtermittel in die Industrienationen importiert wird. „Alle sechs Sekunden stirbt ein Kind an Hunger“ – und in Deutschland werden jährlich 15 Millionen Tonnen weggeworfen“, so der Film. Dort, so sagte ein Afrikaner in dem Film und zeigte sechs Meter ins Meer, sei früher Land gewesen – Klimawandel als Folge des CO2-Ausstoßes, ganz konkret.

„Soll man sich dann besser vegetarisch ernähren?“, fragte ein Schüler. Kann man, so die Antwort, muss man aber nicht. „Aber wenn wir alle ein Drittel weniger Fleisch essen, müssen wir kein Tierfutter mehr importieren,“ so Wiele. Am besten also wäre „wenn man mit dem Fahrrad zum Biomarkt fährt,“ bilanzierte ein Mädchen. Botschaft verstanden.

Die Nachhaltigkeitsforscher Prof. William E. Rees und Dr. Mathis Wackernagel entwickelten 1992 das Konzept des „Ökologischen Fußabdrucks“. Um Flächen mit unterschiedlicher biologischer Produktivität vergleichen zu können, wurde dafür die Maßeinheit „globaler Hektar“ geschaffen. So betrug der Ökologische Fußabdruck eines Europäers im Jahr 2008 4,7 gha, die Biokapazität hingegen nur 2,2 gha pro Person. Die Differenz wird durch Importe und durch Abbau des ökologischen Kapitals gedeckt.

Die Bildungskampagne „Fair Future II – der Ökologische Fußabdruck“ ist ein offiziell ausgezeichnetes UN-Dekade-Schulprojekt, das im Rahmen der Weltdekade der Vereinten Nationen 2005-20014 „Bildung und nachhaltig Entwicklung“ durchgeführt wird. Mehr Infos: www.footprint.at.

Am 12. Februar ist das Projekt zu Gast an der Waldorfschule Dinslaken.

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